
◆ STADT · APULIEN
Bari ist Apuliens raue, warmherzige Hauptstadt – eine Hafenstadt, die lange unterschätzt wurde und gerade deshalb echt geblieben ist. In Bari Vecchia, dem Labyrinth zwischen den beiden Häfen, rollen Frauen vor ihren Haustüren Orecchiette von Hand, während die Basilika San Nicola seit 1087 die Gebeine des heiligen Nikolaus hütet – ein Wallfahrtsort für Katholiken wie orthodoxe Christen. Daneben marschiert das schachbrettartige Murat-Viertel mit Liberty-Fassaden, dem Teatro Petruzzelli und der Via Sparano in die Gegenwart, und am Lungomare Nazario Sauro zieht eine der längsten Uferpromenaden Italiens am Meer entlang. Wer Bari Zeit gibt, bekommt das ungeschminkte Süditalien: Focaccia aus dem Holzofen, roher Fisch am alten Hafen und Abende auf der Piazza Mercantile.

Bari war immer Tor zum Osten: Byzantiner, Normannen und Staufer stritten um die Hafenstadt, und als barische Seeleute 1087 die Gebeine des heiligen Nikolaus aus Myra in der heutigen Türkei heimbrachten, wurde aus dem Handelsplatz einer der wichtigsten Wallfahrtsorte des Mittelalters – Station für Pilger und Kreuzfahrer auf dem Weg ins Heilige Land. Die Basilika, die man für die Reliquien baute, wurde zum Urbild der apulischen Romanik; das Castello Svevo erzählt von Friedrich II., dem Stauferkaiser, der Apulien liebte. Und bis heute ist der Nikolaus von Bari ein Bindeglied zwischen West- und Ostkirche: In der Krypta beten Katholiken und orthodoxe Pilger nebeneinander.
Eigentlich sind es zwei Städte: Bari Vecchia, das mittelalterliche Labyrinth auf der Halbinsel zwischen altem und neuem Hafen, und das Murat-Viertel, das ab 1813 unter Joachim Murat als schnurgerades Schachbrett davor gelegt wurde. Drüben Gassen, in denen das Leben auf der Straße stattfindet – Wäsche über den Köpfen, Klapptische mit trocknenden Orecchiette, Heiligenschreine an den Ecken –, hüben Boulevards, Liberty-Fassaden, die Einkaufsstraße Via Sparano und das Teatro Petruzzelli, eines der größten Opernhäuser Italiens. Dazwischen genügt das Überqueren des Corso Vittorio Emanuele, um die Jahrhunderte zu wechseln.
Lange galt Bari als raue Durchgangsstation auf dem Weg zu Trulli und Stränden – inzwischen ist die Stadt selbst das Ziel. Die Altstadt hat sich herausgeputzt, ohne ihre Seele zu verkaufen, am Lungomare laufen abends die Baresi ihre Runden, und kulinarisch spielt die Stadt ohnehin in einer eigenen Liga: Focaccia aus jahrzehntealten Backstuben, Panzerotti aus siedendem Öl, roher Fisch am Molo und dazu ein kalter Primitivo. travelperfect empfiehlt, Bari nicht als Zwischenstopp zu verplanen, sondern mindestens zwei volle Tage zu bleiben – und sich einen Abend lang ohne Plan durch Bari Vecchia treiben zu lassen.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel





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02 · Was tun
Heilige & Staufer
Der klassische Auftakt: morgens die Basilika San Nicola mit der Krypta des heiligen Nikolaus, weiter zur Kathedrale San Sabino mit ihren byzantinischen Fundamenten, dann durchs Gassenlabyrinth zum Castello Svevo Friedrichs II. Dazwischen liegen Hinterhöfe, Heiligennischen und immer wieder der Duft von Ragù aus offenen Küchenfenstern – die Altstadt selbst ist das Monument.
Streetfood-Hauptstadt
Bari isst auf der Hand: warme Focaccia bei den Traditionsbäckern der Altstadt, frittierte Panzerotti, Sgagliozze aus dem Straßenverkauf und roher Fisch direkt am Molo San Nicola. Den Schlusspunkt setzt eine Kugel Eis auf der abendlichen Piazza del Ferrarese. Wer tiefer einsteigen will, bucht eine Streetfood-Tour oder rollt im Kochkurs eigene Orecchiette.
Das bürgerliche Bari
Im Schachbrett des Murat-Viertels zeigt Bari seine elegante Seite: Flanieren auf der Via Sparano mit dem Jugendstil-Kaufhaus Palazzo Mincuzzi, Espresso an der Theke, abends Oper oder Konzert im wiederauferstandenen Teatro Petruzzelli und zeitgenössische Kunst im Teatro Margherita, das auf Stelzen im alten Hafenbecken steht.
Stadt am Meer
Baris Meerseite gehört zu den unterschätztesten Italiens: die monumentale Uferpromenade aus den 1930er-Jahren, der Stadtstrand Pane e Pomodoro für das schnelle Bad und – per Rad oder Regionalzug – das Fischerdorf Torre a Mare mit seiner runden Hafenbucht. Abends zurück zum Sonnenuntergang über dem alten Hafen, wenn die Fähren Richtung Griechenland auslaufen.
03 · Wann
Bari ist eine Stadt der milden Jahreszeiten: Das Klima ist mediterran, die Adria von Juni bis weit in den Oktober badewarm, und selbst der Winter bleibt meist freundlich. Der Hochsommer ist heiß, durch die Meerlage aber erträglicher als im apulischen Binnenland – das Stadtleben verlagert sich dann an Lungomare und Strände. Die eigentlichen Bari-Monate sind Mai, Juni, September und Oktober: warm genug fürs Meer, kühl genug fürs Gassenlabyrinth.
04 · Häufige Fragen
Für die Stadt selbst – Bari Vecchia, Murat-Viertel, Lungomare und ein Strandbad – sind zwei volle Tage ideal. Wer Bari als Basis für Apulien nutzt, bleibt deutlich länger: Polignano a Mare ist in rund 30 Minuten mit dem Regionalzug erreicht, Alberobello mit der FSE-Bahn, und sogar Matera in der Basilikata ist mit der Ferrovie Appulo Lucane ein machbarer Tagesausflug.
Der schlechte Ruf vergangener Jahrzehnte ist überholt: Die Altstadt ist heute belebt, gut beleuchtet und voller Restaurants und Bars, abends sind Familien wie Reisende unterwegs. Es gelten die üblichen Großstadtregeln – Wertsachen nicht offen tragen, auf belebten Plätzen auf die Tasche achten. Wer sich an die belebten Gassen hält, erlebt ein ausgesprochen gastfreundliches Viertel.
In der Strada Arco Basso, gleich hinter dem Bogen am Castello Svevo – die Gasse heißt im Volksmund längst „Via delle Orecchiette“. Die Frauen sitzen meist vormittags an ihren Klapptischen, drehen die Pasta von Hand und verkaufen sie direkt vor der Haustür. Früh kommen lohnt sich: Dann wird tatsächlich produziert, und die Gasse ist noch nicht voller Besucher.
Der Flughafen Bari-Palese „Karol Wojtyła“ (BRI) liegt rund 8 km nordwestlich der Stadt. Am bequemsten ist die Bahnlinie der Ferrotramviaria, die den Flughafen in etwa 15–20 Minuten mit Bari Centrale verbindet; daneben verkehren Shuttlebusse, und Taxis brauchen je nach Verkehr 20–30 Minuten.
Die Focaccia barese mit Tomaten und Oliven, frittierte Panzerotti, Orecchiette mit Cime di Rapa und die Tiella aus Reis, Kartoffeln und Miesmuscheln. Mutige probieren das Crudo di Mare – rohen Fisch, Seeigel und Polpo, wie ihn die Fischer am Molo San Nicola verkaufen. Dazu Sgagliozze, in Öl gebackene Polentastücke aus dem Straßenverkauf, und ein Glas kalter Primitivo.
Polignano a Mare mit seiner berühmten Felsbucht liegt nur rund 30 Bahnminuten entfernt, die weiße Stadt Ostuni und die Trulli von Alberobello sind bequem erreichbar, und auch Matera mit seinen Sassi ist per Bahn machbar. Wer es näher mag: Das Fischerdorf Torre a Mare am südöstlichen Stadtrand ist mit Rad oder Regionalzug ein halber Tagesausflug.
05 · In der Nähe
Sag uns, worauf du Lust hast — wir entwerfen deine Tage in Bari, von der Focaccia am Morgen bis zum Abend auf der Piazza Mercantile.
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