San Sebastián de La Gomera ist die Hauptstadt der kleinen Kanareninsel La Gomera und für die meisten Besucher der erste Eindruck: Hier legt die Fähre aus Los Cristianos auf Teneriffa an, hier beginnt die Insel. Die Stadt liegt in einer geschützten Talmündung an der Ostküste, dort wo der Barranco de la Villa sein Bachbett ins Meer schiebt. Über den ockerfarbenen Häusern wacht der gedrungene Torre del Conde, ein Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert, der als ältestes erhaltenes Bauwerk der Kanaren gilt. Wer San Sebastián nur als Umsteigeort betrachtet, übersieht eine Stadt mit großer Vergangenheit. Von diesem Hafen aus brach Christoph Kolumbus 1492 zu seiner ersten Atlantiküberquerung auf – er nahm hier Wasser und Proviant an Bord und besuchte, so will es die Überlieferung, die Casa de Colón und die Kirche La Asunción, in der er gebetet haben soll. Der Brunnen, an dem die Schiffe ihr Wasser fassten, ist bis heute zu sehen und trägt die Inschrift, dass mit diesem Wasser Amerika getauft wurde. Das Zentrum lässt sich gut zu Fuß erkunden: Die Calle Real führt vorbei an traditionellen Häusern, kleinen Plätzen und Läden, in denen lokale Spezialitäten wie der würzige Almogrote, eine Paste aus hartem Ziegenkäse, oder der Palmenhonig Miel de Palma angeboten werden. Eine Promenade und der schwarze Sandstrand Playa de San Sebastián runden den Aufenthalt ab. Vor allem aber ist die Stadt der praktische Ausgangspunkt für die Insel selbst. Von hier führen die Straßen hinauf in die Berge zum Nationalpark Garajonay, einem UNESCO-Weltnaturerbe, dessen immergrüner Lorbeerwald ein Relikt aus dem Tertiär ist und in dichten Nebel gehüllt eine fast urzeitliche Stimmung verbreitet. La Gomera ist zudem die Heimat des Silbo Gomero, der gepfiffenen Sprache, mit der sich die Inselbewohner einst über tiefe Schluchten hinweg verständigten und die heute zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO zählt.




