La Gomera ist die zweitkleinste der Kanaren und ihr eigensinnigstes Refugium. Die fast kreisrunde Vulkaninsel wird von tiefen Barrancos wie ein Kuchen in Stücke geschnitten, die sternförmig vom Zentrum zur Küste hin verlaufen. Oben, auf den Bergrücken, legt sich ein uralter Lorbeerwald über die Höhen: der Nationalpark Garajonay, ein von der UNESCO geschützter Nebelwald, in dem das Wasser von moosbehangenen Ästen tropft und die Luft kühl und feucht bleibt. Genau dieser Kontrast macht den Reiz der Insel aus. Morgens wandert man durch tropfenden Lorbeerwald, nachmittags sitzt man an einem schwarzen Strand im Valle Gran Rey, wo seit den späten Sechzigerjahren eine alternative Gemeinde ihren eigenen Takt pflegt. Dazwischen liegen Terrassendörfer, Palmenhaine und schmale Straßen, die sich in endlosen Serpentinen die Hänge hinaufwinden. Die Hauptstadt San Sebastián de La Gomera empfing einst Christoph Kolumbus vor seiner Atlantiküberquerung und bewahrt bis heute koloniale Spuren. La Gomera ist vor allem eine Insel für Wanderer. Ein dichtes Netz alter Wege verbindet die Dörfer, führt durch Schluchten, über Pässe und hinab zu versteckten Buchten. Wer abseits der Pfade unterwegs ist, hört vielleicht noch den Silbo Gomero, die gepfiffene Sprache, mit der sich die Bewohner über die tiefen Täler hinweg verständigten und die heute in den Schulen weiterlebt. Massentourismus hat hier kaum Einzug gehalten. Statt großer Hotelburgen gibt es kleine Pensionen, Ferienhäuser und ruhige Orte. Die Insel ist per Fähre von Teneriffa aus gut erreichbar und belohnt alle, die das Tempo drosseln, mit ursprünglicher Natur, einer eigenwilligen Kultur und Landschaften, die so auf keiner anderen Kanareninsel zu finden sind.






