Lanzarote ist die Kanareninsel, die man nicht einfach durchquert, sondern liest. Wo andere Inseln mit grünen Bergen oder goldenen Stränden werben, setzt Lanzarote auf Schwarz und Ocker: Lapilli, die feinen Vulkankörner, bedecken weite Flächen und schimmern im Abendlicht violett. Im Nationalpark Timanfaya, den Feuerbergen, hat sich die Erde in den Eruptionen des 18. Jahrhunderts neu geformt; bis heute steigt nur Zentimeter unter der Oberfläche solche Hitze auf, dass Ranger Reisig zum Lodern bringen und Wasser als Geysir aufschießen lassen. Der Künstler und Architekt César Manrique prägte das Gesicht der Insel wie kaum jemand sonst. Er kämpfte gegen Bausünden, verbot faktisch Hochhäuser und Plakatwände und verwandelte Naturphänomene in Kunst: die Jameos del Agua in einer eingestürzten Lavaröhre, der Aussichtspunkt Mirador del Río hoch über dem Atlantik, sein eigenes Wohnhaus in fünf Lavablasen. So entstand eine Insel, die modern wirkt und doch ihre raue Erdgeschichte überall zeigt. Das Weinbaugebiet La Geria führt vor, wie Menschen dem Vulkan trotzen: In tausenden trichterförmigen Mulden, jede von einer halbrunden Steinmauer geschützt, wachsen einzelne Reben in der Asche, die nachts den Tau speichert. Aus den Malvasía-Trauben entstehen Weine, die es nirgends sonst so gibt – ein Glas davon, während ringsum die schwarzen Hänge in der Sonne liegen, gehört zu den eindrücklichsten Momenten der Insel. Dazu kommen Lavahöhlen wie die Cueva de los Verdes, das weiße Fischerdorf-Idyll und der Markt von Teguise, der einstigen Hauptstadt, sowie Strände von hellem bis schwarzem Sand. Lanzarote bringt Mondlandschaft, Kunst und ein frühlingshaftes Klima das ganze Jahr zusammen und bleibt dabei eigenwillig und ruhig.



















