◆ REGION · SPANIEN
Die Balearen sind kein einziges Reiseziel, sondern ein Archipel der Gegensätze: Mallorca mit seinem Gebirgsrücken aus Stein und Olivenhainen, das weiße Eivissa über dem Hafen, Menorcas stille Buchten hinter Steinkiefern, Formenteras flacher Sandsaum am Horizont. Geologen teilen sie in die Gimnesias im Norden und die Pitiusas im Südwesten – Reisende teilen sie nach dem Tempo, das sie suchen. Diese Hub-Redaktion von travelperfect führt durch alle vier Inseln und ihre Orte, von Palmas gotischer Kathedrale bis zum Leuchtturm von La Mola.

Wer von den Balearen spricht, meint meist Mallorca – und übersieht, dass schon die Geologie eine Trennlinie zieht. Im Norden liegen die Gimnesias mit Mallorca, Menorca und dem unbewohnten Cabrera, im Südwesten die Pitiusas, die „Pinieninseln“, mit Ibiza und Formentera. Diese alte Zweiteilung erklärt mehr, als man denkt: die kargere, windgepeitschte Stille Menorcas auf der einen, das lichtere, südlichere Temperament der Pitiusas auf der anderen Seite.
Auf Mallorca selbst verlaufen die Grenzen quer durch die Insel. Im Nordwesten staut sich die Tramuntana zu einem Gebirgsrücken aus Kalkstein, Trockenmauern und Oliventerrassen; im Osten reihen sich geschützte Calas wie Cala Mondragó und Cala d'Or aneinander; im Norden bewahrt Alcúdia hinter mittelalterlichen Mauern die Reste des römischen Pollentia. Palma bündelt das alles – die gotische La Seu am Wasser, das frühere Fischerviertel Santa Catalina mit seiner Markthalle, die Gassen der Altstadt, die man am besten zu Fuß durchstreift.
Ibiza wiederum lebt von einem Kontrast, der schärfer kaum sein könnte: Hinter den Bastionen von Dalt Vila, seit 1999 UNESCO-Welterbe, liegt die Stille jahrhundertealter Mauern, während Sant Antoni und Playa d'en Bossa für das pulsierende Inselleben stehen. Und eine halbe Fährstunde weiter beginnt mit Formentera die Gegenwelt – flach, langsam, mit einem Sandstrich, der im Naturpark Ses Salines ins türkise Wasser ausläuft. Vier Inseln, ein Meer, und doch vier sehr verschiedene Versprechen.
· Entdecken & Buchen
02 · Themen-Routen
Mallorca · Serra de Tramuntana
Die Tramuntana spannt sich über rund 90 Kilometer von Calvià bis Pollença und trägt seit 2011 den UNESCO-Welterbetitel als Kulturlandschaft. Von Valldemossa, wo Chopin und George Sand einen Winter in der Cartoixa verbrachten, führt die Strecke über das Künstlerdorf Deià zu Sóllers Orangenhainen – samt der historischen Schmalspurbahn und der Holztram zum Hafen. Serpentinen, Trockenmauern und Aussichtskanzeln über dem Meer prägen jeden Kilometer.
Menorca · Camí de Cavalls
Der historische Reitweg Camí de Cavalls umrundet die ganze Insel und macht Menorcas Calas erst richtig zugänglich. Die schönsten – Cala Macarella, Cala en Turqueta, Cala Mitjana – liegen am Ende kurzer Wanderwege durch Pinienwald, türkisfarbenes Wasser zwischen hellen Klippen. Menorca ist seit 1993 UNESCO-Biosphärenreservat und zählt mehr Strände als die drei anderen Inseln zusammen.
Ibiza & Formentera · Pitiusas
Die beiden Schwesterinseln im Südwesten verbindet eine kurze Fährfahrt – und ein gemeinsamer Sinn fürs Licht. In Eivissa glüht die UNESCO-Altstadt Dalt Vila im Abendrot hinter ihren Bastionen, während Sant Antoni für seine berühmten Sonnenuntergänge bekannt ist. Eine halbe Stunde übers Wasser liegt Formentera mit Ses Illetes, dem flachen Sandstrich im Naturpark Ses Salines, wo Roller und Fahrrad das Tempo bestimmen.
Genuss · Inselküche
Die Inselküche erzählt von Bauern, Fischern und Klöstern: die schneckenförmige Ensaïmada mit Puderzucker, die streichzarte Paprikawurst Sobrassada, das vegetarische Schichtgericht Tumbet aus Auberginen, Paprika und Kartoffeln. Menorca steuert die Caldereta de langosta und den kräftigen Queso de Mahón bei, dazu den britisch geprägten Gin de Mahón. Auf Ibiza würzt der Kräuterlikör Hierbas Ibicencas mit Thymian, Rosmarin und Wacholder das Inselleben.
03 · Wann
Die Balearen sind kein reines Sommerziel. Wer Ruhe, Wanderwege und milde Luft sucht, kommt im Frühjahr oder Herbst; das Badewasser hält von Juni bis in den Oktober verlässlich über 20 Grad. Im Winter blühen ab Ende Januar die Mandelbäume – und die Inseln gehören wieder den Einheimischen.
✦ Vom Reiseziel zum Tagesplan
Es gibt keine „beste“ Insel, nur die richtige für Ihre Reise. Mallorca verbindet alles auf einem Fleck: Großstadtflair in Palma, Bergwandern in der Tramuntana, ruhige Calas im Osten rund um Cala d'Or und Cala Mondragó, Familienstrände bei Alcúdia und Cala Millor, Trubel an der Playa de Palma. Menorca ist die Insel für Naturliebhaber und Familien – Biosphärenreservat mit den meisten Stränden des Archipels, getragenes Tempo, britisch geprägte Hafenstädte Maó und Ciutadella. Ibiza vereint zwei Seelen: das weltberühmte Nachtleben und Dalt Vila als stilles UNESCO-Welterbe, dazu mondäne Strandbars in Playa d'en Bossa und familienfreundliche Buchten um Santa Eulària. Formentera ist die Antithese zum Trubel – flach, autoreduziert, mit kristallklarem Wasser und nur per Fähre ab Ibiza erreichbar. Faustregel: Mallorca für Vielseitigkeit, Menorca für Natur und Ruhe, Ibiza für Kontraste, Formentera für maximale Entschleunigung.
· Praktisch
04 · Häufige Fragen
Mallorca, Ibiza und Menorca haben jeweils einen eigenen Flughafen und werden ganzjährig direkt aus dem deutschsprachigen Raum angeflogen. Alternativ verkehren Fähren vom spanischen Festland. Formentera hat keinen Flughafen und ist ausschließlich per Fähre ab Ibiza erreichbar – die Überfahrt dauert rund 30 Minuten und wird mehrmals täglich angeboten.
Mallorca eignet sich für Reisende, die Vielfalt wollen – Stadt, Gebirge und Buchten auf einer Insel. Menorca ist ideal für Natur, Ruhe und Familien. Ibiza spricht sowohl Nachtschwärmer als auch Kulturreisende an, denn die Altstadt Dalt Vila ist UNESCO-Welterbe. Formentera ist die Wahl für maximale Entschleunigung an kristallklarem Wasser.
Für Wandern, Radfahren und Sightseeing sind Mai bis Juni und September bis Oktober am angenehmsten, mit milden Temperaturen und weniger Andrang. Reine Badeurlauber finden von Juni bis Oktober verlässlich Wassertemperaturen über 20 Grad. Im Februar lockt auf Mallorca die Mandelblüte.
Ibiza und Formentera lassen sich dank der kurzen Fährfahrt von etwa 30 Minuten gut zusammen erleben. Mallorca und Menorca sind ebenfalls per Fähre verbunden. Inselsprünge über große Distanzen kosten jedoch Zeit – wer mehrere Inseln verbinden will, sollte ausreichend Tage einplanen und nicht alles in eine Woche pressen.
Zum kulinarischen Pflichtprogramm gehören die süße Ensaïmada und die würzige Sobrassada von Mallorca, das vegetarische Tumbet, auf Menorca die Caldereta de langosta sowie Queso de Mahón und Gin de Mahón. Auf Ibiza rundet der Kräuterlikör Hierbas Ibicencas das Inselgefühl ab.
Sehr gut. Menorca gilt als besonders familienfreundlich mit ruhigen, flach abfallenden Buchten und überschaubaren Entfernungen. Auf Mallorca bieten Alcúdia, Cala Millor und die Cala Mondragó kinderfreundliche Strände. Auch Santa Eulària auf Ibiza ist eher ruhig und auf Familien ausgerichtet.
05 · Weiter im Land
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