Am westlichen Ende Ibizas öffnet sich die weite Bucht von Sant Antoni de Portmany nach Westen – und genau diese Himmelsrichtung hat den Ort weltberühmt gemacht. Wo die Römer einst den Naturhafen Portus Magnus nutzten, lag jahrhundertelang nur ein ruhiges Fischer- und Bauerndorf. Erst mit dem Tourismus der 1950er-Jahre und den ersten Chillout-Bars an den Felsen von Ses Variades in den 1980ern wurde der tägliche Sonnenuntergang hier zu einem Ritual, zu dem die Welt pilgert. Heute hat Sant Antoni zwei Gesichter. Da ist die Promenade an der Sunset Strip, wo sich am späten Nachmittag Menschen vor dem legendären Café del Mar und dem Café Mambo sammeln, um mit ambienter Musik im Ohr zuzusehen, wie die Sonne ins Meer sinkt. Und da ist das West End, das verdichtete Ausgehviertel rund um die Carrer de Santa Agnès, in dem die Bässe bis in den Morgen dröhnen und das den Ort lange auf seinen Ruf als Partyhochburg festgelegt hat. Wer aber den Blick weitet, entdeckt ein eigenwilligeres Ibiza. Im Hinterland liegen wehrhafte Bauernkirchen wie die von Santa Agnès, deren Mandelbäume im Februar ganze Täler in Weiß tauchen. Vom Hafen legen Boote zu den kiefernumstandenen Calas der Umgebung ab und zur sagenumwobenen Felsnadel Es Vedrà, die unweit der Südwestküste steil aus dem Meer ragt. Auch die geheimnisvolle Cova de Santa Agnès und der Aussichtspunkt am Cap Nono lohnen den Abstecher. Sant Antoni ist damit weit mehr als Strip und Strand: Es ist der Ort, an dem sich Ibizas Ruf als Insel der Nacht und seine stillere, ländliche Seite an ein und derselben Bucht begegnen.



