◆ REGION · SPANIEN
Galicien ist das grüne, eigensinnige Ende Spaniens — eine Atlantikecke aus Nebel und Granit, in der das Meer tief in die Ufer greift und tiefe Meeresarme, die Rías, formt. Hier endet der Jakobsweg vor der Kathedrale von Santiago, hier liegt am Riff von A Coruña der älteste arbeitende Leuchtturm der Welt, hier dampfen mitten in Ourense kostenlose Thermalquellen, und vor Vigo wird ein Inselarchipel zum Nationalpark mit einem Strand, den eine britische Zeitung einmal zum schönsten der Welt kürte. Dazwischen: Albariño aus den Rías Baixas, Pulpo auf Holztellern, eine eigene Sprache, das Galego, und ein Licht nach dem Regen, das man so nirgendwo sonst in Spanien sieht.
Galicien fühlt sich an wie ein eigenes Land im Land. Wer von der kastilischen Hochebene kommt, merkt es sofort: Die Luft wird feuchter, das Land grüner, die Granitkirchen gedrungener. Hier spricht man Galego, eng verwandt mit dem Portugiesischen, hier endet seit über tausend Jahren der Jakobsweg vor der Kathedrale von Santiago, und hier hat der Atlantik die Küste in tiefe Meeresarme zerschnitten, die Rías, an deren geschützten Ufern Muscheln und Austern in Flößen heranreifen. Nicht umsonst nennt man die Region das grüne Spanien — der Preis dafür ist der Regen, der häufigste in ganz Spanien, aber genau er schenkt diesem Nordwesten sein klares Licht und seine Wälder.
Die fünf Städte erzählen je eine andere Geschichte. Santiago de Compostela, die Hauptstadt, lebt vom Pilgerstrom und seiner goldgrauen Altstadt, in der die Gassen Rúa do Franco und Rúa do Villar abends nach gegrilltem Fisch und Ribeira-Wein duften. A Coruña wendet sich ganz dem Meer zu, mit dem römischen Herkulesturm auf der windigen Landzunge und einer Promenade voller gläserner Galería-Fassaden, die der Stadt den Namen Glasstadt eintrugen. Vigo, die größte und betriebsamste Stadt, ist Hafen und Sprungbrett zu den Cíes-Inseln zugleich, mit einem steil zum Wasser fallenden Casco Vello und der berühmten Austernstraße im alten Fischerviertel O Berbés.
Im Süden, in den Rías Baixas, wird das Tempo langsamer. Pontevedra hat die Autos aus seiner Altstadt verbannt und zeigt, wie eine Stadt den Menschen gehören kann; ringsum reift der Albariño, gefeiert jeden August beim Weinfest von Cambados. Und tief im Binnenland dampft Ourense: Mitten in der Stadt sprudeln die heißen Quellen von As Burgas, am Ufer des Miño reihen sich Thermalbäder, und hinter der Stadt graben sich Sil und Miño in die Schluchten der Ribeira Sacra, wo seit dem Mittelalter Mönche Klöster an die Steilhänge geklebt und Winzer ihre Reben in schwindelerregende Terrassen gepflanzt haben. Fünf Städte, ein Galicien — und doch jedes Mal eine andere Welt.
01 · Städte
· Entdecken & Buchen
02 · Themen-Routen
Pilgern & Kultur
Ab Sarria zu Fuß durch das grüne Lugo-Land bis zum Praza do Obradoiro — die Mindeststrecke für die Compostela-Urkunde, gesäumt von Steindörfern, Eukalyptuswäldern und Pilgerherbergen. Wer nicht wandern mag, kombiniert die UNESCO-Altstadt von Santiago mit Tagesausflügen an die Costa da Morte, wo der Camino am Kap Fisterra — dem einstigen Ende der Welt — über den Atlantik hinausweist.
Meer & Wein
Von Pontevedra über die Weinstadt Cambados bis O Grove zieht sich die genussreichste Küste Galiciens: lichter, fruchtiger Albariño aus dem eigenen Anbaugebiet, Muschelflöße in den Buchten, Austern frisch an der Vigueser Rúa das Ostras. Höhepunkt ist die Bootsfahrt ab Vigo zu den Cíes-Inseln mit dem Traumstrand Praia das Rodas.
Fluss & Stille
Hinter Ourense graben sich Sil und Miño in bis zu 500 Meter tiefe Canyons, an deren Hängen seit dem Mittelalter Reben in halsbrecherischen Terrassen wachsen und romanische Benediktinerklöster kleben. Santo Estevo de Ribas de Sil ist heute ein Parador, Santa Cristina versteckt sich im Kastanienwald — dazwischen Katamaranfahrten über das tiefgrüne Wasser.
Stadt & Strand
A Coruña verbindet den römischen Torre de Hércules mit Stadtstränden direkt vor der Glasfassaden-Promenade; nordwestlich beginnt die raue Costa da Morte mit endlosen Surfstränden, scherzhaft Galifornia genannt. Wer es sanfter mag, bleibt bei den geschützten Buchten der Rías und badet im milden, aber frischen Atlantik.
03 · Wann
Galicien ist die regenreichste Region Spaniens — genau das macht sie so grün. Im Nordwesten fällt an rund 150 Tagen im Jahr Niederschlag, der Löwenanteil im Winter. Wer Sonne und milde Temperaturen will, reist im Sommer; wer Farben, Feste und leere Gassen sucht, kommt in den Übergangsmonaten. Die Höchstwerte bleiben selbst im Hochsommer angenehm und liegen meist zwischen 21 und 24 Grad.
✦ Vom Reiseziel zum Tagesplan
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· Praktisch
04 · Häufige Fragen
Mai, Juni und September gelten als ideal: mildes Wetter, weniger Niederschlag und deutlich weniger Andrang als in den Hochsommermonaten. Juli und August sind am wärmsten und trockensten und damit beste Strand- und Insel-Zeit, dafür aber voller. Wer Farben, Feste und leere Gassen mag, reist in den Übergangsmonaten. Galicien ist die regenreichste Region Spaniens — ein Regenschirm gehört zu jeder Jahreszeit ins Gepäck.
Galicien hat drei Flughäfen: Santiago-Rosalía de Castro (Lavacolla), Alvedro bei A Coruña und Peinador bei Vigo. Seit Dezember 2021 verbindet zudem die AVE-Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid mit der Region — Santiago ist in gut drei Stunden erreichbar. Innerhalb Galiciens pendeln schnelle Züge zwischen Vigo, Santiago und A Coruña; für das Hinterland wie die Ribeira Sacra oder die Costa da Morte ist ein Mietwagen praktisch.
Ja. Die Cíes-Inseln gehören zum Nationalpark der Atlantischen Inseln Galiciens und sind nur per Boot ab Vigo (sowie Cangas und Baiona) erreichbar — vor allem in den Sommermonaten und über Ostern. Wegen des Naturschutzes gilt ein tägliches Besucherkontingent, für das man vorab eine kostenlose Genehmigung beantragt und dann die Fähre bucht. Auf den Inseln gibt es keinen Autoverkehr; der Traumstrand Praia das Rodas wurde einst zum schönsten der Welt gewählt.
Pulpo á feira — zarter Oktopus mit Olivenöl, Paprikapulver und grobem Salz auf dem Holzteller — ist das Nationalgericht. Dazu kommen Percebes (Entenmuscheln), die herzhafte Empanada gallega und überall fangfrische Meeresfrüchte. Getrunken wird Albariño, der fruchtige Weißwein aus den Rías Baixas, der ideal zu Fisch passt; aus der Ribeira Sacra stammen markante Rotweine von steilen Terrassen.
Für die fünf Hauptstädte und ein paar Höhepunkte sollten Sie mindestens eine Woche einplanen. In sieben bis zehn Tagen lassen sich Santiago, A Coruña mit der Costa da Morte, Vigo mit den Cíes-Inseln, das autofreie Pontevedra in den Rías Baixas und Ourense als Tor zur Ribeira Sacra entspannt verbinden. Wer den Jakobsweg ab Sarria zu Fuß geht, plant allein dafür rund fünf bis sieben Tage zusätzlich ein.
In Galicien sind zwei Sprachen offiziell: Galego (Galicisch), eng mit dem Portugiesischen verwandt, und Spanisch (Kastilisch). Orts- und Straßennamen erscheinen meist auf Galego — etwa A Coruña statt La Coruña oder Praza statt Plaza. Mit Spanisch kommt man überall problemlos zurecht; ein paar galicische Wörter werden aber gern gehört und unterstreichen den eigenständigen Charakter der Region.
05 · Weiter im Land
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