Die Cattedrale di Santa Maria Annunziata wurde 1088 geweiht und wirkt von außen eher zurückhaltend. Wer sie betritt, steht jedoch vor einem der bedeutendsten Kunstwerke des europäischen Mittelalters: dem Bodenmosaik, das den gesamten Boden des Kirchenschiffs bedeckt. Zwischen 1163 und 1165 ließ der Basilianermönch Pantaleone hier einen riesigen Lebensbaum auslegen, der sich vom Eingang bis zum Altar erstreckt. In den Ästen dieses Baumes verweben sich biblische Szenen, antike Helden, mythische Gestalten und Alltagsbilder zu einem einzigartigen Weltbild des 12. Jahrhunderts. Adam und Eva erscheinen ebenso wie Alexander der Große, König Artus, die Tierkreiszeichen, Monatsbilder und allerlei Fabelwesen. Das Mosaik ist kein bloßer Schmuck, sondern ein erzählender Bilderkosmos, der christliche Heilsgeschichte, antikes Wissen und volkstümliche Legenden auf einer Fläche zusammenführt – ein Grund, warum es als eines der größten und vielschichtigsten Mosaike seiner Art gilt. Untrennbar mit der Kathedrale verbunden ist die Tragödie von 1480. In der Cappella dei Martiri, der Märtyrerkapelle, sind die Gebeine der „800 von Otranto“ aufgebahrt: Bürger, die nach der osmanischen Eroberung der Stadt hingerichtet wurden, weil sie ihrem Glauben treu blieben. 2013 wurden sie heiliggesprochen; ihre Reliquien hinter Glas machen die Kapelle zu einem stillen, eindringlichen Ort. Unter dem Kirchenschiff trägt zudem die Krypta ihr Gewölbe auf Dutzenden antiker Säulen, die aus älteren Bauten stammen. Die Kathedrale steht im autofreien Centro Storico, nur wenige Schritte von den engen Gassen und Restaurants der Altstadt entfernt. Für den Besuch wird ein Eintritt erhoben; angemessene Kleidung ist als Zeichen des Respekts erwünscht. Wer das Mosaik in Ruhe betrachten möchte, kommt am besten am frühen Vormittag, bevor die Tagesgäste eintreffen.
Ein von außen schlichter romanischer Kirchenbau, der innen das gewaltige Bodenmosaik des Pantaleone offenbart – einen erzählenden Lebensbaum über die gesamte Bodenfläche. Dazu kommen die Märtyrerkapelle mit den Reliquien der 800 von Otranto hinter Glas und die Krypta auf antiken Säulen. Besucher betrachten Kunst und Geschichte in einem aktiven Sakralraum; gegen Eintritt und mit angemessener Kleidung.
Die Kathedrale wurde 1088 geweiht und vereint normannische, byzantinische und spätere Bauphasen. Das Bodenmosaik entstand 1163 bis 1165 unter dem Basilianermönch Pantaleone. Nach der osmanischen Eroberung von 1480 wurden die Gebeine der hingerichteten Bürger – der 800 Märtyrer – in der Kathedrale beigesetzt; 2013 erfolgte ihre Heiligsprechung.
