Versteckt in den Gassen der Altstadt liegt die Chiesa di San Pietro, eine der ältesten und stimmungsvollsten Kirchen Otrantos. Sie gilt als das byzantinische Herz der Stadt: eine kleine Kreuzkuppelkirche nach griechischem Vorbild, errichtet in einer Zeit, als Otranto noch fest zum oströmischen Kulturraum gehörte und Griechisch die Sprache der Liturgie war. Der quadratische Grundriss mit den vier Säulen, die die zentrale Kuppel tragen, folgt einem Bauschema, das man eher in Griechenland oder im Osten des Mittelmeers vermutet als im Süden Italiens. Der eigentliche Schatz der Kirche sind ihre Fresken. Über die Wände und Gewölbe ziehen sich Malereien aus mehreren Jahrhunderten – vom 10. bis ins 16. –, die übereinander und nebeneinander von der langen Glaubensgeschichte des Ortes erzählen. Zu sehen sind unter anderem ein Letztes Abendmahl, Heiligendarstellungen und Szenen mit deutlich griechischer Bildsprache, wie sie für die byzantinische Tradition typisch ist. Trotz Verblassen und Übermalungen ist die Wirkung dieser dicht bemalten Innenräume groß. Die Chiesa di San Pietro ist klein, fast unscheinbar von außen, und gerade dieser Kontrast macht den Reiz aus. Wer zuvor das gewaltige Bodenmosaik der Kathedrale gesehen hat, versteht hier, aus welcher kulturellen Welt es kam: aus dem griechisch-byzantinischen Erbe Apuliens, das in Otranto besonders lange lebendig blieb. Die beiden Bauten zusammen erzählen die Doppelnatur der Stadt – lateinisch und griechisch, westlich und östlich. Der Zugang zur Kirche ist in der Regel frei, doch die Öffnungszeiten wechseln saisonal und sind nicht immer verlässlich; am ehesten ist sie am Vormittag geöffnet. Da es ein empfindlicher historischer Innenraum ist, gelten oft Einschränkungen beim Fotografieren. Ein Besuch lässt sich problemlos mit einem Rundgang durch die Altstadt verbinden, denn die Kirche liegt nur wenige Gassen von Kathedrale und Kastell entfernt.
Vorhandenes Licht nutzen, Blitz vermeiden zum Schutz der Fresken






























