Wer Otranto hinter sich lässt und die Küstenstraße nach Süden folgt, taucht in eine andere Welt ein. Die Costa Sud beginnt dort, wo die letzten Ferienhäuser der Altstadt enden, und entfaltet sich als eine der wildesten Küstenlandschaften Apuliens: Felsplatten, die direkt ins Meer fallen, kleine Buchten mit türkisem Wasser, das zwischen Grün und Tiefblau wechselt, und eine Stille, die man an der Adria immer seltener findet.
Das eigentliche Herzstück dieser Gegend ist Punta Palascìa, geografisch der östlichste Punkt des italienischen Festlands. Hier steht ein schlanker weißer Leuchtturm, der seit dem 19. Jahrhundert die Schifffahrt durch den Kanal von Otranto leitet. Der Blick von der Landzunge ist einzigartig: Bei klarem Wetter sieht man die albanischen Berge am Horizont, und morgens, wenn die Sonne genau hier als erstes auf dem Festland aufgeht, entsteht eine Stimmung, die schwer in Worte zu fassen ist. Viele Besucher kommen eigens zum Sonnenaufgang hierher – zu Recht.
Die Küstenlinie zwischen Otranto und Punta Palascìa wird von der Regionalstraße SP87 begleitet. Entlang dieser Strecke wechseln sich felsige Vorsprünge mit versteckten Sandbuchten ab. Wer ein Fahrrad oder ein Motorrad hat, erlebt die Küste am intensivsten: Stopp nach Stopp, Ausblick nach Ausblick. Zu Fuß ist der Küstenwanderweg ein lohnender Halbtagesausflug direkt ab Otranto.
Die Gegend spricht vor allem Naturliebhaber, Taucher und all jene an, die dem Trubel der Altstadt entfliehen wollen. Das Wasser ist hier klarer als in den belebteren Badebuchten nördlich der Stadt, der Untergrund aus Kalkstein bietet ideale Bedingungen für Schnorchler. Unterkünfte sind entlang der Costa Sud eher rar und bewusst klein gehalten – Masserie und kleine Ferienresidenzen prägen das Bild. Restaurants gibt es kaum direkt am Wasser; die Versorgung mit frischem Fisch und apulischer Küche findet man am besten bei der Rückkehr in die Altstadt von Otranto.

Cava di Bauxite
Bis in die 1970er-Jahre wurde südlich von Otranto Bauxit abgebaut; heute liegt in der gefluteten Grube ein smaragdgrüner See, eingefasst von rostroten Erzwänden.
Smaragdgrüner See in einer alten Bauxitgrube