
◆ STADT · PIEMONT
Turin überrascht alle, die nur Fiat und Fußball erwarten: Italiens erste Hauptstadt ist eine barocke Residenzstadt mit 18 Kilometern Arkaden, königlichen Palästen und Kaffeehäusern, in denen seit Generationen Bicerin serviert wird. Über den Dächern wacht die Mole Antonelliana, am Horizont glänzen die Alpen, und im Museo Egizio liegt eine der bedeutendsten ägyptischen Sammlungen außerhalb Kairos. Dazwischen: Aperitivo-Kultur, Gianduja-Schokolade, der Po mit seinen grünen Ufern – und ein Selbstbewusstsein, das leiser ist als das von Rom oder Mailand, aber nicht weniger begründet.

Turin war Bühne, bevor es Fabrik wurde. 1563 machten die Herzöge von Savoyen die Stadt am Po zu ihrer Residenz und ließen sie von Architekten wie Guarino Guarini und Filippo Juvarra zu einem barocken Gesamtkunstwerk ausbauen: schnurgerade Achsen, einheitliche Fassaden, Plätze wie Theaterkulissen. Von der Piazza Castello aus regierte das Haus Savoyen erst sein Herzogtum, dann das Königreich Sardinien-Piemont – und ab 1861 für kurze Zeit das geeinte Italien, dessen erste Hauptstadt Turin wurde. Die Residenzen der Savoyer zählen heute zum UNESCO-Welterbe.
Die zweite Seele der Stadt ist süß und bitter zugleich. In Turins Kaffeehäusern wurde Geschichte gemacht – Cavour speiste im Del Cambio, die Intellektuellen des Risorgimento debattierten unter Stuckdecken – und nebenbei wurden hier der Bicerin erfunden, jenes geschichtete Getränk aus Espresso, Schokolade und Sahne, die Gianduja-Schokolade aus piemontesischen Haselnüssen und der Wermut, ohne den kein Aperitivo denkbar wäre. Wer unter den Arkaden der Via Roma flaniert und in der Galleria Subalpina eine heiße Schokolade trinkt, versteht, warum Turin als Wiege der italienischen Kaffeehauskultur gilt.
Das 20. Jahrhundert machte Turin zur Industriemetropole: 1899 wurde hier Fiat gegründet, das Lingotto-Werk mit seiner Teststrecke auf dem Dach wurde zur Ikone der Moderne. Nach dem Niedergang der Schwerindustrie hat sich die Stadt neu erfunden – mit Museen von Weltrang, der Slow-Food-Bewegung aus dem Piemont, einer jungen Bar-Szene in San Salvario und den Olympischen Winterspielen 2006 als Wendepunkt. travelperfect empfiehlt, Turin langsam zu nehmen: ein Museum am Vormittag, ein langer Mittagstisch, ein Spaziergang am Po – und am Abend ein Aperitivo unter Arkaden.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel






· Sehenswürdigkeiten
· Hotels
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Barocke Bühne
Von der Piazza Castello mit Palazzo Reale und Palazzo Madama über die Arkaden der Via Roma bis zur Piazza San Carlo, dem ‚Salon' Turins: Das Zentrum ist ein durchkomponiertes barockes Ensemble, das zu den UNESCO-gelisteten Residenzen des Hauses Savoyen gehört. Alles liegt fußläufig beieinander – ideal für den ersten Tag.
Kaffeehaus & Gianduja
Ein Bicerin in der historischen Stube von Al Bicerin, Pralinen bei Baratti & Milano in der Galleria Subalpina, dazu Wermut zum Aperitivo – Turin hat die süße und die bittere Seite Italiens erfunden. Wer tiefer einsteigen will, streift morgens über den Markt von Porta Palazzo und abends durch die Bars des Quadrilatero Romano.
Pharaonen & Kino
Das Museo Egizio, 1824 gegründet, gilt als das älteste ägyptische Museum der Welt – Sarkophage, Papyri und das Grab des Architekten Kha füllen einen ganzen Palazzo. Wenige Gehminuten weiter ragt die Mole Antonelliana auf: Im Inneren erzählt das Nationale Kinomuseum die Geschichte des Films, der gläserne Panoramalift fährt bis unter die Kuppel.
Über den Po
Jenseits des Po beginnt das grüne Turin: die Kirche Gran Madre di Dio am Brückenkopf, der Aussichtshügel Monte dei Cappuccini mit Alpenpanorama und hoch über allem die Basilica di Superga von Filippo Juvarra. Zurück am Fluss lädt der Parco del Valentino zum längsten Spaziergang der Stadt – vorbei am Castello del Valentino und dem Borgo Medievale.
03 · Wann
Turin liegt am Westrand der Poebene, eingerahmt von den Alpen: Im Winter kann Nebel über dem Fluss hängen, im Hochsommer staut sich die Hitze zwischen den Arkaden. Die klarsten Tage mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel schenken Frühling und Herbst – und im Oktober beginnt im nahen Alba die Saison des weißen Trüffels.
04 · Häufige Fragen
Frühling (April–Juni) und Herbst (September–Oktober) sind ideal: mild, oft klare Alpensicht und volle Terrassen unter den Arkaden. Der Herbst hat einen besonderen Reiz, weil dann im nahen Alba die weiße Trüffelsaison beginnt und in den Langhe Weinlese ist. Der Hochsommer kann schwül werden, der Winter ist kalt, aber stimmungsvoll – Kaffeehauswetter.
Für das barocke Zentrum mit Museo Egizio, Mole Antonelliana und den Königspalästen reichen zwei volle Tage. Mit Lingotto, Superga, dem Parco del Valentino und einem entspannten Kaffeehaus-Rhythmus sind drei bis vier Tage stimmig. Wer einen Tagesausflug in die Langhe oder zur Reggia di Venaria anhängt, bleibt eine knappe Woche.
Der Flughafen Turin-Caselle (TRN) liegt rund 16 km nördlich der Stadt. Die Bahnverbindung und Airportbusse bringen dich je nach Verbindung in etwa 20–40 Minuten zu den Bahnhöfen Porta Susa beziehungsweise Porta Nuova. Taxis stehen vor dem Terminal bereit; viele Hotels im Zentrum sind von Porta Nuova aus zu Fuß erreichbar.
Unbedingt – es ist das älteste ägyptische Museum der Welt (gegründet 1824) und beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen außerhalb Ägyptens, darunter das komplett erhaltene Grab des Architekten Kha. Plane mindestens zwei bis drei Stunden ein und buche das Zeitfenster-Ticket vorab online, besonders am Wochenende und in den Ferien.
Den Bicerin – das geschichtete Getränk aus Espresso, Schokolade und Sahne –, Gianduja-Pralinen aus piemontesischen Haselnüssen, Agnolotti del Plin, Vitello tonnato und im Herbst Gerichte mit weißem Trüffel. Zum Aperitivo gehört Wermut, der in Turin erfunden wurde. Die historischen Kaffeehäuser und die Osterien im Quadrilatero Romano sind die besten Adressen dafür.
Die Basilica di Superga auf dem Hügel über der Stadt ist der Klassiker für den halben Tag. Für einen ganzen Tag lohnen die Reggia di Venaria Reale, eine der prächtigsten Savoyer-Residenzen vor den Toren der Stadt, die Weinlandschaft der Langhe um Alba und Barolo (im Herbst Trüffelzeit) oder die Sacra di San Michele am Eingang des Susatals.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Turin.
Karte