Wer Turin abseits der großen Touristenströme erleben möchte, findet in Crocetta einen der stimmungsvollsten Stadtteile der piemontesischen Metropole. Das Viertel südlich des Zentrums ist geprägt von breiten, baumgesäumten Alleen, gediegenen Jugendstilbauten und einer Stille, die man in den belebtesten Teilen der Stadt vergeblich sucht. Hier wohnen Professoren, Ärzte und alteingesessene Turiner Familien – und genau das spürt man auf Schritt und Tritt.
Der Mercato della Crocetta gehört zu den lebendigsten Märkten der Stadt. Wer morgens früh kommt, erlebt, wie Händler frischen Käse aus dem Piemont auslegen, Trüffel anbieten und die Einheimischen beim Einkauf miteinander diskutieren. Der Markt ist kein folkloristisches Schauspiel für Besucher, sondern echter Alltag – und gerade deshalb so sehenswert. In unmittelbarer Nähe erstreckt sich der Parco del Valentino entlang des Po, einer der schönsten Stadtparks Italiens, der mit dem Castello del Valentino einen imposanten Ankerpunkt bietet.
Die Viale Einaudi und die umliegenden Straßen zeigen, was Crocetta architektonisch ausmacht: großbürgerliche Palazzi aus der Jahrhundertwende, gepflegte Innenhöfe und gelegentlich ein kleines Antiquariat oder eine Buchhandlung, die zwischen Delikatessenläden und Apotheken eingeklemmt ist. Das Viertel ist kein Ort für laute Nächte oder Massentourismus – es ist ein Ort für alle, die Turin wirklich verstehen wollen.
Gastronomisch bewegt sich Crocetta auf hohem Niveau. Kleine Trattorie servieren klassische piemontesische Küche – Vitello tonnato, Tajarin al tartufo, Bagna cauda – ohne dabei in touristische Inszenierung zu verfallen. Die Cafés an der Piazza Benefica sind ein idealer Ausgangspunkt für einen entspannten Vormittag. Wer in einem der Hotels in Crocetta übernachtet, profitiert von der ruhigen Lage und der guten Anbindung ans Zentrum, das in wenigen Minuten zu Fuß oder per Straßenbahn erreichbar ist.
Für Kulturinteressierte lohnt sich auch ein Blick auf die Nähe zum Museo Nazionale del Cinema und zur Mole Antonelliana, die von Crocetta aus gut zu erreichen sind. Das Viertel selbst ist kein klassisches Sightseeing-Ziel – es ist ein Lebensgefühl, das man sich in Ruhe erarbeiten muss.

GAM – Galleria Civica d'Arte Moderna e Contemporanea
Eine der ältesten städtischen Sammlungen moderner Kunst Italiens an der Via Magenta – von Futurismus bis Arte Povera, mit Fontana, de Chirico und Pistoletto.
Eine der ältesten städtischen Sammlungen moderner Kunst Italiens