Italiens erste Hauptstadt eine Residenzstadt, die ihre Größe nie laut behaupten musste
Turin war Bühne, bevor es Fabrik wurde. 1563 machten die Herzöge von Savoyen die Stadt am Po zu ihrer Residenz und ließen sie von Architekten wie Guarino Guarini und Filippo Juvarra zu einem barocken Gesamtkunstwerk ausbauen: schnurgerade Achsen, einheitliche Fassaden, Plätze wie Theaterkulissen. Von der Piazza Castello aus regierte das Haus Savoyen erst sein Herzogtum, dann das Königreich Sardinien-Piemont – und ab 1861 für kurze Zeit das geeinte Italien, dessen erste Hauptstadt Turin wurde. Die Residenzen der Savoyer zählen heute zum UNESCO-Welterbe.
Die zweite Seele der Stadt ist süß und bitter zugleich. In Turins Kaffeehäusern wurde Geschichte gemacht – Cavour speiste im Del Cambio, die Intellektuellen des Risorgimento debattierten unter Stuckdecken – und nebenbei wurden hier der Bicerin erfunden, jenes geschichtete Getränk aus Espresso, Schokolade und Sahne, die Gianduja-Schokolade aus piemontesischen Haselnüssen und der Wermut, ohne den kein Aperitivo denkbar wäre. Wer unter den Arkaden der Via Roma flaniert und in der Galleria Subalpina eine heiße Schokolade trinkt, versteht, warum Turin als Wiege der italienischen Kaffeehauskultur gilt.
Das 20. Jahrhundert machte Turin zur Industriemetropole: 1899 wurde hier Fiat gegründet, das Lingotto-Werk mit seiner Teststrecke auf dem Dach wurde zur Ikone der Moderne. Nach dem Niedergang der Schwerindustrie hat sich die Stadt neu erfunden – mit Museen von Weltrang, der Slow-Food-Bewegung aus dem Piemont, einer jungen Bar-Szene in San Salvario und den Olympischen Winterspielen 2006 als Wendepunkt. travelperfect empfiehlt, Turin langsam zu nehmen: ein Museum am Vormittag, ein langer Mittagstisch, ein Spaziergang am Po – und am Abend ein Aperitivo unter Arkaden.
