Stadt · Italien

Turin

Um halb neun steht in der Bar an der Piazza Castello schon der Bicerin auf dem Tresen, draußen hängt Frühnebel zwischen den Arkaden, und über den Dächern schaut die Mole Antonelliana zu den Alpen hinüber.

6 Stadtviertel13 Sehenswürdigkeiten9 Hotels
Überblick

Deine Turin-Reise auf einen Blick

Beste Reisezeit
April–Juni & September–Oktober; im Herbst Trüffel- und Weinsaison in den nahen Langhe
Anreise
Flughafen Turin-Caselle (TRN) rund 16 km nördlich; Bahn und Bus bringen dich in 20–40 Min. ins Zentrum
Lage
Nordwestitalien am Po, Hauptstadt des Piemont – die Westalpen ständig im Blick
Mit dem Zug
Bahnhöfe Porta Nuova & Porta Susa; Hochgeschwindigkeitszüge nach Mailand in rund 1 Std., TGV-Verbindung nach Paris
Zeitzone
Europe/Rome (MEZ/MESZ)
Vor Ort unterwegs
Zentrum gut zu Fuß (18 km Arkaden); eine automatische Metrolinie, dichtes Tramnetz
Über Turin

Reisen nach Turin

Turin ist die italienische Großstadt, die auf kaum einer ersten Liste steht und die nach zwei Tagen niemand mehr hergeben will. Von 1861 bis 1865 war sie Hauptstadt des geeinten Italien, und das sieht man ihr bis heute an: die Piazza Castello mit Palazzo Reale und Palazzo Madama, das strenge römische Straßenraster im Quadrilatero, die Via Roma als schnurgerade Achse vom Bahnhof Porta Nuova hinauf ins Zentrum – dazu rund 18 Kilometer Arkaden, unter denen du bei Regen quer durch die halbe Innenstadt kommst, ohne nass zu werden. Im Museo Egizio liegt seit 1824 eine der bedeutendsten ägyptischen Sammlungen außerhalb Ägyptens, unter der Kuppel der Mole Antonelliana erzählt das Nationale Kinomuseum die Geschichte des Films, und im Süden hat Renzo Piano aus dem Fiat-Werk Lingotto samt Dachteststrecke ein Kultur- und Messequartier gemacht. Getrunken wird Bicerin aus Espresso, Trinkschokolade und Sahne, erfunden wurde hier der Wermut, gegessen werden Agnolotti del Plin, Vitello tonnato und im Herbst alles, was der weiße Trüffel aus dem nahen Alba hergibt. Und wenn nach einer Regennacht die Luft kippt, steht am Ende jeder nach Westen führenden Straße eine Alpenkette, die aussieht, als hätte jemand sie hinter die Stadt gestellt.

Turin – Karte
Reiseführer

Turin von A bis Z

Aktualisiert August 2026

Wer zum ersten Mal aus dem Bahnhof Porta Nuova tritt, rechnet mit Industrie und bekommt eine Residenzstadt. Vor dir liegt eine schnurgerade Arkadenachse, an deren Ende ein Königspalast steht, und rechts und links davon warten Cafés mit Marmortresen, an denen seit Generationen dasselbe geschichtete Getränk über die Theke geht. Turin trägt seine Vergangenheit als erste Hauptstadt Italiens nicht als Kulisse vor sich her, sondern als Grundriss – und weil kaum jemand herkommt, um sie abzuhaken, gehört dir die Piazza San Carlo um neun Uhr morgens fast allein.

Sehenswürdigkeiten

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Turin

Fast alles, was du in Turin sehen willst, liegt in einem Rechteck von rund anderthalb Kilometern Kantenlänge – und zwischen den Stationen läufst du unter Arkaden.

Der Bezugspunkt ist die Piazza Castello, ein Platz, an dem drei Epochen nebeneinander stehen. Auf der einen Seite der Palazzo Reale, die Residenz der Savoyer, hinter deren nüchterner Fassade sich Prunksäle, die Waffensammlung Armeria Reale und die Galleria Sabauda zu den Musei Reali zusammenschließen; an den Dom angeschlossen liegt die von Guarino Guarini entworfene Cappella della Sindone mit ihrer schwindelerregenden Trichterkuppel, die nach dem Brand von 1997 rund zwei Jahrzehnte lang restauriert wurde. Mitten auf dem Platz steht der Palazzo Madama, in dem ein römisches Stadttor, eine mittelalterliche Burg und Filippo Juvarras Barockfassade von 1718 bis 1721 zu einem einzigen Bauwerk verwachsen sind – drinnen das Museo Civico d'Arte Antica. Für beide Häuser zusammen brauchst du einen halben Tag, wenn du nicht nur durchlaufen willst.

Zwei Straßenzüge südlich liegt in der Via Accademia delle Scienze das Museo Egizio, gegründet 1824 und damit das älteste Museum der Welt, das ausschließlich dem Alten Ägypten gewidmet ist. Der Rundgang führt chronologisch nach unten und wieder hinauf, Höhepunkte sind das nahezu vollständig erhaltene Grab des Baumeisters Kha und seiner Frau Merit mit Möbeln, Lebensmitteln und Kleidern und die dunkel inszenierte Statuengalerie der Könige. Plane zwei bis drei Stunden ein, buche das Zeitfenster vorab online und geh möglichst nicht am Wochenende. Gleich um die Ecke liegt an der Piazza Carignano der Palazzo Carignano mit seiner geschwungenen Backsteinfassade – hier wurde Vittorio Emanuele II. geboren, hier tagte das erste italienische Parlament, heute erzählt das Museo del Risorgimento diese Geschichte an Originalschauplätzen.

Das Wahrzeichen steht ein Stück östlich davon: die Mole Antonelliana, 167 Meter hoch, ab 1863 von Alessandro Antonelli begonnen – ursprünglich als Synagoge für die jüdische Gemeinde, die den ausufernden Bau später an die Stadt abgab. Heute steckt unter der Kuppel das Museo Nazionale del Cinema, das seine Exponate nicht in Vitrinen sperrt, sondern in Kapellen entlang einer Spirale inszeniert, während man in Liegestühlen mitten in der Halle Filmausschnitte anschaut. Vom Zentrum der Halle fährt ein verglaster Panoramalift durch das offene Kuppelinnere hinauf zur Aussichtsplattform; das Ticket dafür gibt es getrennt oder kombiniert. Wenn du nur eines von beidem machst, nimm bei klarer Luft den Lift und bei Regen das Museum.

Bleiben die Bauten am nördlichen Rand der Altstadt. Der Duomo di Torino, geweiht dem heiligen Johannes dem Täufer und Ende des 15. Jahrhunderts errichtet, ist die einzige große Renaissancekirche der Stadt und der Aufbewahrungsort des Turiner Grabtuchs. Sehen kannst du das Tuch allerdings nicht: Es ruht in einem klimatisierten Schrein, öffentliche Ostensionen finden nur in großen Abständen statt, und im Kirchenraum steht eine originalgetreue Kopie mit Erläuterungen. Direkt daneben stehen die Reste des römischen Theaters und die Porta Palatina, ein zweitürmiges Stadttor aus römischer Zeit. Und ein paar Schritte weiter beginnt auf der Piazza della Repubblica der Mercato di Porta Palazzo, einer der größten Freiluftmärkte Europas – vormittags, und am lebhaftesten samstags.

Sehenswürdigkeiten in Turin

Alle 13 Sehenswürdigkeiten
Kaffeehäuser & Aperitivo

Bicerin, Wermut und die historischen Kaffeehäuser Turins

Ein Bicerin ist kein Kaffee mit Schuss, sondern eine geschichtete Angelegenheit im Glas, die man auf keinen Fall umrührt.

Piazza San Carlo
Piazza San Carlo

Unten Trinkschokolade, darüber Espresso, obenauf kalte Sahne – so kommt der Bicerin an den Tisch, und der Sinn der Übung liegt darin, dass sich die drei Schichten erst beim Trinken mischen. Die Adresse dafür ist das Caffè Al Bicerin an der Piazza della Consolata, ein winziger Raum mit Marmortischen und Holzvertäfelung, der seit 1763 geöffnet ist und als Geburtsort des Getränks gilt; der Name kommt vom piemontesischen Wort für das kleine Glas, in dem es serviert wird. Gegenüber steht das Santuario della Consolata, Turins wichtigste Marienkirche, an der Guarini und Juvarra gebaut haben – die Kombination aus Kirchgang und Bicerin ist hier keine Touristenerfindung, sondern jahrhundertealte Routine. Setz dich hin, statt an der Theke zu trinken; im Sitzen kostet es mehr, aber der Ort ist genau dafür gemacht.

Von dort spannt sich ein ganzes Netz historischer Cafés durch die Innenstadt. Baratti & Milano am Eingang der Galleria Subalpina, seit 1858 im Geschäft und einst Hoflieferant der Savoyer, verkauft im vorderen Raum Pralinen und schenkt im hinteren Kaffee unter Stuckdecken aus. Am Rand der Piazza Castello liegt das Caffè Mulassano, ein kaum drei Meter breiter Raum mit Ledertapeten, der als Geburtsort des Tramezzino gilt, des weichen Dreiecksandwiches ohne Rinde. An der Piazza San Carlo stehen sich Caffè San Carlo und Caffè Torino gegenüber, beide mit Spiegelsälen und Kronleuchtern. Und weil Turin die Heimat der Gianduja ist – jener Mischung aus Kakao und piemontesischen Haselnüssen, die in den 1860er-Jahren im Karneval als eingewickeltes Gianduiotto Karriere machte –, liegt in jedem dieser Häuser eine Vitrine voller Pralinen neben der Kasse.

Der zweite Turiner Beitrag zur Getränkegeschichte ist der Wermut. Antonio Benedetto Carpano brachte 1786 in einem Laden nahe der Piazza Castello die erste standardisierte Rezeptur aus alkoholverstärktem Weißwein, Wermutkraut und weiteren Botanicals in den Handel, und aus dem Ritual, abends ein Glas davon zu trinken, ist die italienische Aperitivo-Kultur entstanden. Bestellen kannst du ihn heute pur auf Eis mit Zitronenzeste, als Vermouth con seltz oder in einem der Klassiker, die daraus gebaut sind. Zum Glas kommt in Turin fast immer etwas zu essen auf den Tisch – Oliven, Grissini, Häppchen –, und in vielen Bars in San Salvario und im Quadrilatero Romano wächst sich das zur Apericena aus, dem Buffet, das für viele das Abendessen ersetzt.

Praktisch heißt das: Rechne den Kaffeehausbesuch als eigenen Programmpunkt ein, nicht als Pause zwischen zwei Museen. Die historischen Häuser sind eng, im Winter beschlagen die Scheiben, und wer sich in eine Ecke setzt, bleibt eine Stunde. Am frühen Abend, meist zwischen 18 und 20 Uhr, beginnt die Aperitivo-Zeit; wer erst um 21 Uhr essen geht, macht es wie die Turiner. Und wenn draußen Nebel oder Nieselregen hängt, bestell eine Cioccolata calda – die Turiner Version ist so dick, dass der Löffel darin fast stehen bleibt, und sie erklärt besser als jede Statistik, warum diese Stadt eine Schokoladenstadt geworden ist.

Fluss, Hügel & Touren

Vom Po hinauf zur Basilica di Superga

Am rechten Po-Ufer beginnt der Hügel, und nach zwanzig Minuten bergauf hörst du von der Stadt nur noch die Straßenbahn.

Der Fluss ist die entspannteste Seite Turins. Vom Parco del Valentino, dem Stadtpark seit dem 19. Jahrhundert, führt eine durchgehende Uferpromenade nach Norden zur Piazza Vittorio Veneto; im Park stehen das Castello del Valentino, eine der Savoyer-Residenzen und heute Sitz der Architekturfakultät, ein großer Rosengarten und der Borgo Medievale, ein für die Ausstellung von 1884 gebautes mittelalterliches Dorf samt begehbarer Burg. Der Eintritt in den Park kostet nichts, und weil das Ufer flach und schattig ist, ist es die logische Strecke für eine Radtour: vom Valentino flussabwärts, unter den Murazzi hindurch, wo in den alten Ufergewölben nach Jahren des Leerstands wieder Bars und Lokale sitzen, und weiter bis zur Piazza Vittorio Veneto mit ihren Arkaden.

Auf der anderen Seite der Brücke steht die Gran Madre di Dio, eine klassizistische Kirche im Zuschnitt eines römischen Tempels, ab 1818 zur Rückkehr des Königs errichtet und fester Bestandteil der Erzählungen vom magischen Turin – eine der beiden Figuren vor der Freitreppe soll der Legende nach zum Versteck des Grals zeigen. Direkt dahinter beginnt der Aufstieg zum Monte dei Cappuccini: eine Kapuzinerkirche aus dem 16. Jahrhundert auf einer Felsnase über dem Fluss, davor eine Terrasse mit dem bekanntesten Blick der Stadt, im Kloster daneben das Museo Nazionale della Montagna mit einer Sammlung zur Alpingeschichte. Der Weg hinauf dauert vom Ufer aus keine zwanzig Minuten und ist der beste Programmpunkt für die letzte Stunde vor Sonnenuntergang.

Der große Ausflug in dieser Richtung ist die Basilica di Superga. Filippo Juvarra baute sie zwischen 1717 und 1731 hoch über der Stadt auf eine Kuppe der Collina, als Einlösung eines Gelübdes nach der Belagerung Turins von 1706; unter der Kuppel liegt die Grablege der Savoyer, oben führt ein Aufstieg auf die Kuppellaterne, und die Terrasse davor öffnet den Blick über die ganze Poebene bis zu den Westalpen. An der Rückwand der Basilika erinnert eine Gedenkstätte an den 4. Mai 1949, als das Flugzeug mit der Mannschaft des Grande Torino im Nebel gegen den Hügel prallte – bis heute ein Wallfahrtsort für Fußballfans. Hinauf kommst du entweder mit der historischen Zahnradbahn ab dem Stadtteil Sassi oder zu Fuß auf einem markierten Weg durch den Wald, für den du zwei bis drei Stunden rechnen solltest.

Wer mehr Grün will, findet es weiter oben auf der Collina. Rund um die Villa della Regina, eine weitere Savoyer-Residenz mit terrassiertem Barockgarten und einem eigenen Weinberg mitten im Stadtgebiet, ziehen sich Wege durch Villenviertel und Wald, und von den Höhenrücken sieht man bei Nordwind eine Alpenkette, die aus dem Zentrum nur zu erahnen ist. Nimm für alle diese Wege feste Schuhe mit: Die Pfade sind nach Regen lehmig, und die Höhenmeter summieren sich schneller als gedacht. Wer den Aufstieg lieber spart, kombiniert die Zahnradbahn hinauf mit dem Fußweg hinunter – das ist die angenehmste Variante und endet praktischerweise wieder am Fluss.

Aktivitäten & Touren in Turin

Lingotto & Industriekultur

Lingotto, Pinacoteca Agnelli und das industrielle Turin

Auf dem Dach einer stillgelegten Autofabrik wachsen heute Gräser und Sträucher, und die Teststrecke aus den Zwanzigerjahren liegt noch genau dort, wo sie immer war.

Lingotto und La Pista 500
Lingotto und La Pista 500

Das Lingotto-Werk ging 1923 in Betrieb und war damals die größte Autofabrik Europas: fünf Geschosse, in denen die Produktion von unten nach oben lief, sodass die fertigen Wagen über Wendelrampen auf das Dach fuhren und dort auf einer ovalen Bahn mit überhöhten Steilkurven Probe liefen. Le Corbusier nannte den Bau eine der eindrucksvollsten Industrieanlagen seiner Zeit. 1982 lief die Produktion aus, und statt Abriss folgte ein Umbau nach Plänen von Renzo Piano, aus dem ein Quartier mit Kongresszentrum, Einkaufsgalerie, Hotels, Hochschulflächen und Konzertsaal wurde. Die Wendelrampen sind erhalten und begehbar, und wer sie hinaufläuft, versteht diese Fabrik schneller als über jede Erklärtafel.

Auf dem Dach sitzt seit 2002 das Scrigno, die von Piano entworfene schwebende Schatulle aus Stahl und Glas, in der die Pinacoteca Agnelli ihre Sammlung zeigt – kein Massenmuseum, sondern rund zwei Dutzend sorgfältig gehängte Werke von Canaletto und Bellotto über Manet und Renoir bis Matisse und Picasso, dazu Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst. Seit 2022 gehört die Dachpiste als La Pista 500 dazu: Die alte Teststrecke wurde bepflanzt und zum begehbaren Garten mit Kunstinstallationen umgebaut, auf dem du eine ganze Runde über die Steilkurven drehen kannst, mit den Alpen im Rücken der Stadt. Für Architektur- und Autointeressierte ist das der stärkste Nachmittag, den Turin zu bieten hat.

Ein paar Minuten weiter, am Corso Unità d'Italia, steht das MAUTO, das Nationale Automobilmuseum. Es erzählt nicht Markengeschichte, sondern Kulturgeschichte: wie das Auto Städte, Arbeit, Freizeit und Landschaft verändert hat, szenografisch inszeniert vom Dampfwagen des 19. Jahrhunderts über die Massenmotorisierung bis zu Formel-1-Rennwagen und Designstudien. Wer mit Kindern reist, findet hier den unkompliziertesten Museumsbesuch der Stadt, und auch wer sich für Autos wenig interessiert, kommt selten vor zwei Stunden wieder heraus. Die Sammlung italienischer Karosseriekunst von Pininfarina, Bertone und Ghia ist der Teil, der am längsten hängen bleibt.

Zum Quartier gehört schließlich das erste Eataly überhaupt, 2007 in der ehemaligen Wermutfabrik Carpano neben dem Lingotto eröffnet: Markthalle, Weinregal und über die Fläche verteilte Restaurantinseln, an denen du dich durch die Region essen kannst, ohne den Ort zu wechseln. Praktisch erreichst du das ganze Ensemble mit der Metrolinie 1, Station Lingotto, in gut zehn Minuten vom Zentrum. Beachte, dass das Messegelände Lingotto Fiere mehrmals im Jahr die Stadt füllt – am spürbarsten während des Salone Internazionale del Libro im Mai, wenn Hotelzimmer in ganz Turin knapp und teuer werden. Wer flexibel ist, legt seinen Besuch bewusst daneben.

Rundgang & Tagesplan

Turin an einem Tag – ein Rundgang von Porta Nuova bis zum Po

Vom Bahnhof bis zum Fluss sind es keine zwei Kilometer, und du legst sie fast durchgehend unter Arkaden zurück.

Starte an der Piazza Carlo Felice vor dem Bahnhof Porta Nuova und geh die Via Roma nach Norden. Nach wenigen Minuten öffnet sich die Piazza San Carlo, von den Turinern ihr Salotto genannt: ein rechteckiger Arkadenplatz, den zwei fast identische Barockkirchen abschließen, mit dem Reiterstandbild Emanuele Filibertos in der Mitte, das hier jeder nur Caval ëd Brôns nennt. Um neun Uhr morgens stehen die Stühle noch leer und das Licht fällt flach über das Pflaster – der beste Moment für den ersten Espresso im Stehen. Danach weiter die Via Roma hinauf bis zur Piazza Castello, wo Palazzo Madama und Palazzo Reale dich empfangen und du dich entscheidest, welches der beiden du am Vormittag von innen sehen willst.

Vom Nordwestwinkel der Piazza Castello führt die Via Garibaldi ins Quadrilatero Romano, eine gut einen Kilometer lange Fußgängerstraße, die schnurgerade bis zur Piazza Statuto läuft. Bieg unterwegs nach rechts ab: zur Piazza della Consolata mit Kirche und dem Caffè Al Bicerin, danach zum Duomo mit der Grabtuchkapelle und der römischen Porta Palatina gleich dahinter. Wenn du vormittags unterwegs bist und Lust auf Trubel hast, häng den Mercato di Porta Palazzo an, der sich unmittelbar nördlich anschließt. Für die Mittagspause gehst du in eine der Osterien in den Gassen um die Via Bellezia zurück – hier stehen die ältesten Wirtshäuser der Stadt, darunter die Tre Galline.

Der Nachmittag gehört den Museen und der Mole. Das Museo Egizio liegt zwei Blocks südlich der Piazza Castello, und du steuerst es besser mit vorab gebuchtem Zeitfenster an; wer statt Ägypten lieber Film und Aussicht will, geht direkt zur Mole Antonelliana und nimmt den Panoramalift, am besten bei klarer Luft am späten Nachmittag. Von der Mole sind es zehn Gehminuten hinunter zur Piazza Vittorio Veneto, einem der größten Arkadenplätze Europas, der sich zum Fluss hin komplett öffnet – gegenüber steht die Gran Madre di Dio, und dahinter steigt die Collina an. Über die Brücke und die Treppen hinauf zum Monte dei Cappuccini brauchst du eine gute Viertelstunde, und oben wartet der Blick zurück auf alles, was du an diesem Tag gelaufen bist.

Für den Abend zurück ans linke Ufer. Aperitivo entweder unter den Arkaden der Piazza Vittorio Veneto oder in den Bars des Quadrilatero, Abendessen danach in einer Trattoria im Zentrum oder in San Salvario, wo es lauter und jünger zugeht. Wer zwei Tage hat, nimmt am zweiten Vormittag Lingotto mit Pinacoteca Agnelli und Dachpiste und fährt nachmittags mit der Zahnradbahn zur Superga. Bei drei Tagen kommt die Reggia di Venaria Reale dazu, bei vieren ein Tag in den Langhe. Und wenn nur ein halber Tag bleibt, kürzt du auf Piazza San Carlo, Museo Egizio und Mole – in dieser Reihenfolge, weil sie geografisch aufeinanderfolgt.

zoomen mit KlickSehenswürdigkeitenErlebnisse
Stadtviertel

Turins Stadtviertel vom Quadrilatero Romano bis San Salvario

Turin ist im Zentrum rechtwinklig gebaut, und das macht die Orientierung leichter als in fast jeder anderen italienischen Großstadt.

Museo Egizio
Museo Egizio

Das Centro Storico zwischen Porta Nuova, Piazza Castello und dem Po ist die Adresse für den ersten Besuch. Hier liegen die Königspaläste, das Museo Egizio, die Mole, die Arkadenplätze San Carlo und Vittorio Veneto sowie die Galerien Subalpina und San Federico, zwei überdachte Passagen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Die Wege sind kurz, das Angebot an Hotels ist dicht, und weil die Innenstadt weitgehend Fußgängerzone oder verkehrsberuhigt ist, kommst du ohne Verkehrsmittel aus. Der Preis dafür sind die höchsten Zimmerraten der Stadt und ein Publikum, das sich abends in Richtung der Ausgehviertel verzieht – ruhige Nächte gibt es hier dafür fast überall.

Nordwestlich davon liegt das Quadrilatero Romano, das älteste Stück Turin mit dem römischen Straßenraster, dem Duomo, der Porta Palatina und dem Markt von Porta Palazzo. Tagsüber Handwerk und Handel, abends die dichteste Osterien- und Barszene der Innenstadt. Auf der anderen Seite des Zentrums, südlich der Bahnhofsachse, beginnt San Salvario: ein Viertel mit Turiner Synagoge, einer stark internationalen Bevölkerung und einer Ausgehmeile rund um den Largo Saluzzo und die Via Baretti, an der von der Trattoria bis zur Cocktailbar alles nebeneinander steht. Der Parco del Valentino grenzt direkt an, was San Salvario zur besten Kombination aus Nachtleben und Grün macht – wer früh schläft, wählt woanders.

Westlich der Bahnlinie ist die Crocetta das bürgerliche Turin: breite, von Platanen beschattete Alleen, Jugendstil- und Liberty-Fassaden, Botschaftsvillen, das Politecnico und ein bekannter Freiluftmarkt, auf dem seit Jahrzehnten Stoffe und Mode gehandelt werden. Zum Zentrum sind es zu Fuß zehn bis zwanzig Minuten, zur Porta Nuova noch weniger, und abends bleibt es hier ausgesprochen still. Wer mit Kindern reist, länger bleibt oder aus dem Trubel heraus will, wohnt in dieser Ecke deutlich entspannter als an der Piazza Castello – ohne dass die Wege wirklich lang werden.

Am rechten Po-Ufer beginnt mit Borgo Po das Turin der Villen und Gärten: Von der Gran Madre steigen die Straßen sofort in die Collina, zwischen alten Mauern und Zypressen liegen Einzelhäuser, und nach oben hin geht das Viertel in Wald über. Es ist die ruhigste Wohngegend im Stadtgebiet und der Startpunkt für die Wege zum Monte dei Cappuccini und zur Superga. Ganz im Süden schließlich das Lingotto, wo aus der Fiat-Fabrik ein Quartier aus Museum, Messe, Einkaufsgalerie, Hochschule und Hotels geworden ist – nicht schön im klassischen Sinn, aber der Ort, an dem sich die Industriegeschichte dieser Stadt am besten begreifen lässt. Angebunden ist Lingotto über die Metrolinie 1.

Essen & Trinken

Restaurants in Turin und was auf den piemontesischen Teller kommt

Die piemontesische Küche kocht mit Butter statt Olivenöl – und bestreitet ein komplettes Menü notfalls allein aus Vorspeisen.

Das Piemont grenzt an Frankreich, und man schmeckt es: Butter statt Olivenöl, Rind statt Fisch, lange Schmorzeiten statt schneller Pfanne. Ein klassisches Essen beginnt mit einer Reihe kleiner Antipasti – Vitello tonnato, Insalata russa, Carne cruda, also handgehacktes rohes Rind mit Öl und Zitrone, und im Herbst und Winter die Bagna cauda, eine heiße Sauce aus Knoblauch, Sardellen und Öl, in die Gemüse getunkt wird. Danach kommen Agnolotti del Plin, winzige mit dem Finger zusammengekniffene Teigtaschen, oder Tajarin, ein Bandnudelteig mit sehr vielen Eigelben. Als Hauptgang stehen Brasato al Barolo, Bollito misto vom Wagen und Finanziera auf den Karten, zum Abschluss Bonet, Panna cotta oder Zabaione.

Bei den Adressen deckt Turin die ganze Bandbreite ab. Del Cambio an der Piazza Carignano ist seit 1757 in Betrieb, war Cavours Stammlokal und trägt heute einen Michelin-Stern – das repräsentativste Essen der Stadt, mit entsprechender Reservierungsfrist. Deutlich bodenständiger geht es im Porto di Savona zu, einer Trattoria unter den Arkaden der Piazza Vittorio Veneto, die seit 1863 piemontesische Klassiker serviert und an der man abends selten ohne Reservierung vorbeikommt. In den Gassen des Quadrilatero halten die Tre Galline an der Via Bellezia die Tradition des Bollito misto hoch, und im lebhaften San Salvario kocht das Scannabue am Largo Saluzzo dieselbe Küche zu fairen Preisen für ein jüngeres Publikum.

Für den unkomplizierten Zwischendurch-Hunger gibt es zwei Turiner Institutionen. Erstens den Tramezzino, das weiche Dreiecksandwich, das in den historischen Bars der Innenstadt über die Theke geht und im Caffè Mulassano seinen Ursprung haben soll. Zweitens den Aperitivo, der zwischen etwa 18 und 20 Uhr fast überall mit Kleinigkeiten zum Glas beginnt und in vielen Bars in San Salvario und im Quadrilatero zur Apericena mit Buffet wird – für wenig Geld ein vollwertiges Abendessen, wenn auch keines mit Sitzplatzgarantie. Wer lieber einkauft als bestellt, geht auf den Markt von Porta Palazzo oder ins Eataly beim Lingotto, wo sich Markthalle und kleine Restaurants abwechseln.

Drei praktische Punkte. Erstens wird in Turin spät gegessen: Vor 20 Uhr sind viele Küchen gerade erst offen, die volle Stimmung setzt gegen 21 Uhr ein. Zweitens ist Reservieren die Regel und nicht die Ausnahme, und zwar an jedem Wochentag – die guten Trattorien sind klein, und die Stadt geht viel aus. Drittens der Wein: Das Piemont liefert mit Barolo und Barbaresco zwei der teuersten Rotweine Italiens, aber die Alltagsflaschen heißen Barbera, Dolcetto oder Nebbiolo d'Alba, und bei Weiß lohnen Arneis aus dem Roero und Erbaluce. Frag nach dem offenen Wein des Hauses, der im Piemont fast immer aus der Region kommt und selten enttäuscht.

Restaurants in Turin

Alle 7 Restaurants
Übernachten

Hotels in Turin und die passende Lage für deinen Aufenthalt

Turin ist für eine Stadt dieser Größe erstaunlich günstig zu buchen – solange nicht gerade Messe ist.

Im obersten Segment steht eine Handvoll Häuser mit echter Geschichte. Das Grand Hotel Sitea in der Via Carlo Alberto empfängt seit 1925 zwischen Stuck, schweren Vorhängen und einem Innengarten, und es liegt so zentral, dass du Museo Egizio wie Piazza San Carlo in wenigen Minuten erreichst. Das Principi di Piemonte, ein Grandhotel aus den 1930er-Jahren mit Marmortreppen, Art-déco-Anklängen und Spa, liegt eine Querstraße von der Piazza San Carlo entfernt. Und das Turin Golden Palace an der Via dell'Arcivescovado ist die moderne Variante mit großem Wellnessbereich, ebenfalls in Gehweite zu allem, was du im Zentrum vorhast.

Eine Stufe darunter wird es charaktervoller. Das familiengeführte Hotel Victoria zwischen Piazza San Carlo und Po richtet jedes Zimmer einzeln ein, hält englisch anmutende Salons vor und hat einen Spa mit Pool – das Haus, das Stammgäste produziert. Das NH Collection Torino Piazza Carlina sitzt in einem Palazzo des 17. Jahrhunderts an der gleichnamigen Piazza mit begrüntem Innenhof, auf halbem Weg zwischen Piazza Castello und Flussufer. Und wer im lebendigsten Teil der Altstadt schlafen will, nimmt das NH Collection Torino Santo Stefano an der Via Porta Palatina, mitten im Quadrilatero Romano zwischen Duomo und Osterien – laut wird es dort abends, kurz sind die Wege dafür auch.

Für Bahnreisende ist die Ecke um Porta Nuova die praktischste. Das Turin Palace Hotel an der Via Sacchi, ein renoviertes Haus des 19. Jahrhunderts direkt gegenüber dem Bahnhof, bringt Wellnessbereich und eine Dachterrasse mit, von der du bei klarer Luft die Alpen siehst. Gleich nebenan liegt das Starhotels Majestic am Corso Vittorio Emanuele II hinter einer Belle-Époque-Fassade. Wer dagegen wegen Messe, Konzert oder Museum im Süden zu tun hat, wohnt im DoubleTree by Hilton Turin Lingotto in den von Renzo Piano umgebauten Fabrikhallen – Sichtbeton, tropischer Innengarten, Pinacoteca Agnelli und Eataly praktisch im selben Gebäudekomplex, das Zentrum eine kurze Metrofahrt entfernt.

Zwei Dinge entscheiden über den Preis. Erstens der Kalender: Der Salone Internazionale del Libro im Mai, größere Messen im Lingotto und einzelne Großveranstaltungen treiben die Raten im ganzen Stadtgebiet nach oben, während du unter der Woche im Januar, Februar oder November für dieselben Zimmer einen Bruchteil zahlst. Zweitens das Auto: Die Innenstadt liegt in einer ZTL, einer Zone mit Zufahrtsbeschränkung, deren Kameras zuverlässig Bußgeldbescheide nach Deutschland schicken. Frag beim Buchen, ob das Hotel deine Kennzeichen für die Zufahrt anmelden kann, und stell den Wagen ansonsten in einem der Parkhäuser oder auf einem Park-and-Ride-Platz an der Metrolinie 1 ab.

Hotels in Turin

Alle 9 Hotels

Ferienhäuser & Villen mit Pool

Die beliebteste Wahl in der Region — privates Ferienhaus oder Villa mit Pool, oft mitten in den Weinbergen.

Agriturismi & Weingüter

Urlaub auf dem Land: übernachten auf einem Weingut oder Bauernhof, mit Wein und Öl aus eigener Ernte.

Anreise & vor Ort

Anreise nach Turin und unterwegs in der Stadt

Turin liegt am Westrand der Poebene, hinter der Stadt beginnen die Alpen – und genau daraus ergeben sich die Anreisewege.

Der Flughafen Turin-Caselle (TRN) liegt rund 16 Kilometer nördlich der Stadt und wird aus dem deutschsprachigen Raum saisonal wechselnd bedient. Vom Terminal fahren Flughafenbusse zu den Bahnhöfen Porta Susa und Porta Nuova, dazu gibt es eine Schienenanbindung; je nach Verbindung bist du in etwa 20 bis 40 Minuten im Zentrum. Weil an dieser Bahnstrecke in den vergangenen Jahren umfangreich gebaut wurde, lohnt sich vor der Reise ein Blick auf den aktuellen Fahrplan, statt sich auf ältere Angaben zu verlassen. Taxis stehen vor dem Terminal. Als Alternative kommt Mailand-Malpensa in Frage, von wo aus Direktbusse nach Turin fahren – oft die günstigere Kombination, wenn die Flugpreise nach Turin anziehen.

Mit der Bahn führt fast jede Verbindung aus Deutschland über Mailand oder über die Schweiz. Zwischen Mailand und Turin verkehren Hochgeschwindigkeitszüge, die für die Strecke etwa eine Stunde brauchen; von München oder Zürich aus ist Turin dadurch als Tagesreise gut machbar. Wichtig ist, den richtigen Bahnhof zu wählen: Die Schnellzüge halten überwiegend an Porta Susa, dem unterirdischen Durchgangsbahnhof an der Corso-Inghilterra-Achse, während Porta Nuova als klassischer Kopfbahnhof direkt am Fuß der Via Roma liegt und für die meisten Hotels der bequemere Ausstieg ist. Beide sind an die Metro angeschlossen und liegen zwei Stationen auseinander.

Mit dem Auto erreichst du Turin über den Brenner und Mailand oder – deutlich reizvoller – über die Schweiz und den Großen Sankt Bernhard beziehungsweise den Simplon. Auf italienischen Autobahnen gilt Mautpflicht mit Ticketsystem, und in der Stadt selbst wird das Auto zum Nachteil: Das Zentrum liegt in einer kamerabewachten ZTL, freie Stellplätze sind rar, und die blau markierten Parkstände sind gebührenpflichtig. Am entspanntesten stellst du den Wagen an einem Park-and-Ride-Platz an der Metrolinie 1 ab und fährst die letzten Kilometer öffentlich – für einen Städtetrip von zwei bis drei Tagen brauchst du das Auto ohnehin erst wieder für den Ausflug in die Langhe.

In der Stadt selbst kommst du überwiegend zu Fuß zurecht, weil das Zentrum kompakt und rechtwinklig ist und du bei Regen unter den Arkaden bleibst. Dazu gibt es die Metrolinie 1, eine fahrerlose Bahn, die von Nordwesten über Porta Susa und Porta Nuova bis nach Lingotto und Bengasi führt, sowie ein dichtes Netz aus Straßenbahnen und Bussen des Betreibers GTT. Fahrscheine löst du vor dem Einsteigen und entwertest sie beim Zutritt. Wer viele Museen sehen will, sollte prüfen, ob sich die Torino+Piemonte Card rechnet – sie bündelt Eintritte in Museen und Residenzen der Region und lohnt sich meist ab dem dritten oder vierten Besuch.

Mietwagen

Die schönsten Orte liegen abseits von Bahn und Bus — mit dem Mietwagen bist du flexibel.

Ausflüge & Extratage

Tagesausflüge ab Turin von Venaria bis in die Langhe

Innerhalb einer Stunde erreichst du ab Turin ein Barockschloss, ein Weinbaugebiet mit Welterbestatus und die ersten Alpentäler.

Mole Antonelliana
Mole Antonelliana

Der naheliegendste Ausflug ist die Reggia di Venaria Reale nordwestlich der Stadt, eine der größten Schlossanlagen Europas und Teil des UNESCO-Welterbes der Savoyer-Residenzen. Nach Jahrzehnten als Kaserne und Ruine wurde sie in einem der aufwendigsten Restaurierungsprojekte Italiens wiederhergestellt und 2007 eröffnet; heute führen die Galleria Grande mit ihrem Deckenlicht, die Kapelle von Juvarra und Gärten von enormer Ausdehnung durch einen leicht gefüllten halben bis ganzen Tag. Erreichbar ist Venaria mit dem Bus ab dem Zentrum; an der Bahnstrecke dorthin wurde zuletzt umfangreich gebaut, prüfe also vorher den aktuellen Fahrplan. Wer statt Barock lieber Gegenwartskunst will, fährt stattdessen nach Rivoli, wo im nie fertiggestellten Savoyer-Schloss eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst Italiens sitzt.

Südwestlich der Stadt steht die Palazzina di Caccia di Stupinigi, Juvarras Jagdschloss von 1729 mit dem berühmten ovalen Festsaal und dem bronzenen Hirsch auf der Kuppel – kleiner als Venaria, aber architektonisch der elegantere Bau. Ebenfalls im Westen, am Eingang des Susatals, thront die Sacra di San Michele auf einem Felsrücken: eine Abtei aus dem 10. und 11. Jahrhundert, zu der die Treppe der Toten hinaufführt und die Umberto Eco als eine Anregung für den Schauplatz seines Romans nannte. Von oben blickt man über das ganze Tal bis zurück nach Turin. Für alle drei Ziele ist ein Auto von Vorteil, mit Bahn und Bus geht es aber ebenfalls.

Der Ausflug, für den viele überhaupt erst ins Piemont kommen, führt nach Süden in die Langhe. Rund um Alba, Barolo und Barbaresco zieht sich eine Hügellandschaft aus Weinbergen, die seit 2014 als Weinbaulandschaft des Piemont zum UNESCO-Welterbe gehört; im Herbst kommt die Ernte dazu, und in Alba läuft ab Oktober über Wochen die internationale Messe für den weißen Trüffel. Mit dem Auto bist du in gut anderthalb Stunden dort, per Bahn dauert es mit Umstieg länger. Plane den Tag nicht zu voll: zwei Dörfer, ein Weingut mit Voranmeldung und ein langes Mittagessen sind mehr wert als eine Rundfahrt über acht Ortschaften.

Und schließlich die Berge. Turin war 2006 Austragungsort der Olympischen Winterspiele, die Wettkampforte lagen in den Tälern westlich der Stadt – Bardonecchia, Sestriere und die Skiregion Via Lattea sind mit dem Zug oder Auto in ein bis zwei Stunden erreichbar, im Winter zum Skifahren und im Sommer zum Wandern. Nördlich davon öffnet sich das Aostatal mit den höchsten Gipfeln der Alpen, östlich liegen die Seen. Wer Turin mit einer zweiten Station verbinden will, hat damit die Wahl zwischen Bergen, Weinbergen und Wasser – und in allen drei Fällen dauert die Anfahrt weniger lang als die Suche nach einem Parkplatz in der Turiner Innenstadt.

Stadtviertel

Die Stadtviertel von Turin – und welches zu dir passt

Centro StoricoCentro StoricoZwischen Porta Nuova, Piazza Castello und dem Po liegt alles, was du beim ersten Besuch sehen willst: Königspaläste, Museo Egizio, Mole Antonelliana und die Arkadenplätze San Carlo und Vittorio Veneto. Die Wege sind kurz, die Hoteldichte ist hoch, und bei Regen bleibst du unter den Bögen.Ideal für: Erster Besuch & Museen1–2 TageQuadrilatero RomanoQuadrilatero RomanoDas älteste Viertel der Stadt folgt bis heute dem römischen Straßenraster. Tagsüber gehören die Gassen dem Markt von Porta Palazzo, dem Duomo und der Porta Palatina, abends der dichtesten Osterien- und Weinbarszene Turins rund um die Via Bellezia.Ideal für: Aperitivo & Osterien½–1 TagSan SalvarioSan SalvarioSüdlich des Bahnhofs Porta Nuova liegt Turins jüngstes und internationalstes Ausgehviertel, mit Bars und Trattorien rund um den Largo Saluzzo und die Via Baretti. Der Parco del Valentino grenzt direkt an, sodass Nachtleben und Flussufer nur ein paar Straßen auseinanderliegen.Ideal für: Nachtleben & Park½ TagBorgo PoBorgo PoAm rechten Flussufer steigen die Straßen sofort in die Collina: Villen hinter alten Mauern, Gärten, Zypressen und der ruhigste Wohnrhythmus im Stadtgebiet. Von hier starten die Wege zum Monte dei Cappuccini und weiter hinauf zur Basilica di Superga.Ideal für: Aussicht & Spaziergänge½ TagCrocettaCrocettaWestlich der Bahnlinie liegt das bürgerliche Turin mit breiten Platanenalleen, Liberty-Fassaden, dem Politecnico und einem bekannten Freiluftmarkt für Stoffe und Mode. Abends bleibt es ausgesprochen still, ins Zentrum läufst du je nach Adresse zehn bis zwanzig Minuten.Ideal für: Ruhig übernachten½ TagLingottoLingottoAus der Fiat-Fabrik von 1923 mit ihrer Teststrecke auf dem Dach hat Renzo Piano ein Quartier aus Museum, Messe, Hochschule und Hotels gemacht. Pinacoteca Agnelli, die begrünte Dachpiste La Pista 500 und das erste Eataly liegen dicht beieinander, angebunden über die Metrolinie 1.Ideal für: Industriekultur & Design½ Tag
Beste Reisezeit & Wetter

Beste Reisezeit für Turin und das Wetter im Jahreslauf

Turin liegt am Rand der Poebene und hat ein ausgeprägt kontinentales Klima – kalte, oft neblige Winter und schwüle Hochsommer.

Anders als am Mittelmeer schwankt das Thermometer in Turin kräftig: Im Januar liegen die Höchstwerte um sieben Grad und die Nächte am Gefrierpunkt, im Juli klettert das Quecksilber regelmäßig über 30 Grad, und dazwischen liegen zwei ausgesprochen angenehme Übergangszeiten. Regen fällt vor allem im Frühjahr und im Herbst, meist in kräftigen Schüben statt in Dauernässe – und weil du unter 18 Kilometern Arkaden fast überallhin kommst, ohne nass zu werden, ist ein Regentag hier weniger dramatisch als anderswo. Wichtiger als das Thermometer ist für viele die Sicht: Die Alpen zeigen sich am zuverlässigsten nach einer Front, wenn der Wind die Dunstschicht über der Poebene ausräumt.

Jan7°-1°kalt und oft diesig, Kaffeehauswetter
Feb10°0°still, günstige Hotels, klare Alpentage
Mär15°4°erste Terrassen, wechselhaft
Apr18°8°mild und grün, wenig Andrang
Mai23°12°lange Abende, Buchmesse im Lingotto
Jun27°16°warm, Aperitivo am Fluss
Jul30°18°heiß und schwül, Schatten unter den Arkaden
Aug29°18°viele Lokale in Betriebsferien
Sep24°14°warm, Stadt wieder im Alltagsbetrieb
Okt18°10°goldenes Licht, Trüffelsaison in Alba
Nov11°4°grau und feucht, Museumsmonat
Dez7°0°kalt, Lichtinstallationen in der Innenstadt

Beste Reisezeit · Balken = Tageshöchstwert

Die beste Reisezeit für Turin sind April und Mai sowie September und Oktober. Dann liegen die Höchstwerte zwischen 18 und 24 Grad, die Terrassen unter den Arkaden sind besetzt, die Wege auf die Collina und zur Superga machen ohne Hitze Spaß, und im Oktober kommt mit der Trüffelsaison in den Langhe der stärkste kulinarische Grund dazu. Der Hochsommer ist heiß und schwül und im August zusätzlich von Betriebsferien geprägt. Der Winter ist kalt, aber keine schlechte Wahl: Hotels sind günstig, die Museen leer, und nach einer Kaltfront steht die komplette Alpenkette am Ende der Straßen.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zu Turin

Wie viele Tage sollte man für Turin einplanen?
Zwei volle Tage decken das barocke Zentrum mit Museo Egizio, Mole Antonelliana und einem der Königspaläste ab. Am dritten Tag passen Lingotto mit der Pinacoteca Agnelli und die Superga dazu, am vierten ein Ausflug nach Venaria oder in die Langhe. Unter zwei Tagen wird es hektisch, weil allein das Museo Egizio einen halben Vormittag füllt.
Kann man das Turiner Grabtuch im Dom sehen?
Im Normalfall nein. Das Tuch liegt in einem klimatisierten Schrein und wird nur bei seltenen, offiziell angekündigten Ostensionen gezeigt – zuletzt lagen zwischen zwei öffentlichen Ausstellungen jeweils viele Jahre. Im Duomo hängt eine originalgetreue Kopie mit Erläuterungen, und die Cappella della Sindone im angrenzenden Palazzo Reale ist nach ihrer Restaurierung wieder zugänglich.
Muss man Tickets für das Museo Egizio vorher buchen?
Ja, buche das Zeitfenster online vorab, besonders an Wochenenden, Feiertagen und in den italienischen Ferien. Ohne Reservierung stehst du im schlechtesten Fall über eine Stunde an. Für den Besuch selbst solltest du zwei bis drei Stunden einplanen; ein Audioguide beziehungsweise die Museums-App lohnt sich, weil viele Objekte nur knapp beschriftet sind.
Wie kommt man zur Basilica di Superga hinauf?
Am bequemsten mit der historischen Zahnradbahn, die im Stadtteil Sassi am rechten Po-Ufer startet und den Hügel hinauffährt; Sassi erreichst du vom Zentrum mit Straßenbahn oder Bus. Alternativ führt ein markierter Wanderweg durch den Wald hinauf, für den du zwei bis drei Stunden rechnen solltest. Prüfe vorher die Betriebszeiten der Bahn, sie fährt nicht durchgehend.
In welchem Viertel wohnt man in Turin am besten?
Im Centro Storico zwischen Piazza San Carlo und Piazza Castello bist du zu Fuß überall, zahlst dafür aber am meisten. Das Quadrilatero Romano ist die lebendigere, abends lautere Variante, San Salvario die junge Ausgehgegend mit Park vor der Tür. Crocetta ist die ruhige, bürgerliche Alternative, und rund um Porta Nuova wohnst du am praktischsten, wenn du mit der Bahn anreist.
Lohnt sich die Torino+Piemonte Card?
Sie bündelt Eintritte in Museen und Savoyer-Residenzen in Turin und im Umland und rechnet sich meist ab dem dritten oder vierten Besuch – also dann, wenn du Museo Egizio, Palazzo Reale, Mole und eine Residenz wie Venaria kombinierst. Wer nur zwei Häuser sehen will, fährt mit Einzeltickets günstiger. Prüfe vor dem Kauf, welche Laufzeit zu deinem Aufenthalt passt.
Was ist ein Bicerin und wo trinkt man ihn?
Der Bicerin ist Turins Nationalgetränk: Trinkschokolade, Espresso und kalte Sahne in drei Schichten in einem kleinen Glas, das man nicht umrührt. Die klassische Adresse ist das Caffè Al Bicerin an der Piazza della Consolata, das seit 1763 geöffnet ist, aber praktisch jedes historische Kaffeehaus der Stadt serviert ihn. Dazu passt ein Gianduiotto aus derselben Vitrine.
Braucht man in Turin ein Auto?
In der Stadt nicht. Das Zentrum ist kompakt, rechtwinklig und weitgehend zu Fuß erschlossen, dazu kommen die Metrolinie 1 sowie Straßenbahnen und Busse. Für die Innenstadt gilt eine kamerabewachte ZTL mit Zufahrtsbeschränkung, und Parken ist teuer. Sinnvoll wird der Mietwagen erst für Ausflüge in die Langhe, ins Susatal oder zu den Savoyer-Residenzen im Umland.
Wann sieht man von Turin aus die Alpen?
Am zuverlässigsten im Winter und im Frühjahr nach einer Kaltfront oder nach starkem Regen, wenn der Wind die Dunstschicht über der Poebene ausräumt. Dann steht am Ende jeder nach Westen führenden Straße eine geschlossene Bergkette. Die besten Aussichtspunkte sind der Monte dei Cappuccini, die Terrasse der Superga, die Dachpiste La Pista 500 und die Plattform der Mole Antonelliana.
Wo geht man in Turin abends aus?
Für Aperitivo und Osterien ins Quadrilatero Romano rund um die Via Bellezia, für die jüngere und lautere Variante nach San Salvario an den Largo Saluzzo und die Via Baretti. Unter den Arkaden der Piazza Vittorio Veneto sitzt man am schönsten mit Blick zum Fluss, und an den Murazzi am Po-Ufer haben in den alten Gewölben wieder Bars aufgemacht. Vor 20 Uhr passiert wenig.
Was kann man in Turin bei Regen machen?
Turin ist dafür wie gebaut: Unter rund 18 Kilometern Arkaden kommst du trocken durch die halbe Innenstadt. Dazu Museo Egizio, Musei Reali, Palazzo Madama, das Kinomuseum in der Mole, die Pinacoteca Agnelli und das Automobilmuseum MAUTO, die überdachten Galerien Subalpina und San Federico sowie die historischen Kaffeehäuser mit dicker Trinkschokolade.
Ist Turin teuer?
Im Vergleich zu Mailand, Venedig oder Florenz deutlich günstiger, bei Hotels wie bei Restaurants. Der große Ausschlag kommt über den Kalender: Während des Salone Internazionale del Libro im Mai und bei größeren Messen im Lingotto ziehen die Zimmerpreise stadtweit an. Unter der Woche im Januar, Februar oder November reist du am günstigsten, und die Museen sind dann fast leer.
Was nimmt man aus Turin mit nach Hause?
Gianduiotti und andere Haselnuss-Schokolade aus den historischen Confiserien, eine Flasche Turiner Wermut, Grissini in der langen Handrolle sowie Haselnüsse und Nusskuchen aus den Langhe. Wer Wein mitnehmen will, greift eher zu Barbera, Dolcetto oder Nebbiolo d'Alba als zum teuren Barolo. Am günstigsten kaufst du auf dem Markt von Porta Palazzo ein.

Entdecken

Sehenswürdigkeiten in Turin – Mole, Museo Egizio Königspaläste, Kino-Turm und Ägypten am Po

Beginne mit dem Museo Egizio und dem Palazzo Reale – beide an starken Tagen voll, also Zeitfenster vorab buchen. Für den Mole-Aufzug kommst du am besten früh, bevor die Schlange wächst.

Übernachten

Hotels in Turin – unter Arkaden und am Po von der Residenzstadt bis zum Lingotto-Viertel

Im Centro Storico und im Quadrilatero Romano wohnst du mitten in den Arkaden und Aperitivo-Bars; das ruhigere San Salvario passt für Nachtschwärmer, das bürgerliche Crocetta für alle, die es elegant und entspannt mögen.

Genießen

Restaurants in Turin – Aperitivo, Bicerin & Piemont Vermouth-Bars, Tajarin und Gianduja zum Dessert

Turin lebt vom Aperitivo und von piemontesischer Küche: Vitello tonnato, Agnolotti, Bagna càuda. Iss in den Lokalen rund ums Quadrilatero Romano und am Markt von Porta Palazzo, wo die Produkte herkommen.

Erleben

Aktivitäten & Touren in Turin – vom Po bis Superga Zahnradbahn, Valentino-Park und Schokoladen-Touren

Plane einen Tag für Museen und Paläste, einen für die Stadt zu Fuß unter den Arkaden. Dazu: ein Spaziergang am Po im Parco del Valentino und die Standseilbahn hinauf zur Basilica di Superga mit Alpenblick.

TurinUm halb neun steht in der Bar an der Piazza Castello schon der Bicerin auf dem Tresen, draußen hängt Frühnebel zwischen den Arkaden, und über den Dächern schaut die Mole Antonelliana zu den Alpen hinüber.

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