Wer Turin abseits der großen Museen und Königspaläste erleben möchte, findet in San Salvario ein Viertel, das sich selbst treu geblieben ist. Zwischen der Porta Nuova, dem zentralen Bahnhof der Stadt, und dem grünen Valentino-Park erstreckt sich ein Quartier, das seine Geschichte in den Fassaden trägt: Jahrhundertealte Palazzi wechseln sich mit Gründerzeitbauten ab, Synagoge und Kirchen stehen Seite an Seite, und in den Erdgeschossen haben sich über Jahrzehnte Bars, Trattorie und kleine Läden angesiedelt, die das eigentliche Rückgrat des Viertels bilden.
Der Charakter von San Salvario ist schwer in eine Schublade zu stecken. Tagsüber ist es ein Wohnviertel mit Marktständen auf der Via Madama Cristina, Studierenden auf dem Weg zur nahen Universität und Familien, die in den kleinen Parks die Mittagssonne genießen. Sobald die Abenddämmerung einsetzt, verwandelt sich besonders die Gegend rund um den Largo Saluzzo in einen der beliebtesten Treffpunkte der Stadt. Die Bars füllen sich, die Tische wandern auf die Gehwege, und der Aperitivo – in Turin eine echte Institution – wird hier mit einer Ernsthaftigkeit zelebriert, die anderswo selten zu finden ist.
Das Viertel hat eine ausgeprägte multikulturelle Geschichte: Einst war es ein Ankunftsort für Einwanderer aus dem Süden Italiens und aus dem Ausland, und diese Schichten sind bis heute spürbar. Die Synagoge an der Via Pio V erinnert an die jüdische Gemeinde, die hier über Generationen verwurzelt war. Gleichzeitig haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten Künstler, Kreative und junge Gastronomen angesiedelt, die dem Viertel eine neue Energie gegeben haben, ohne seinen Grundcharakter zu verändern.
Für Reisende ist San Salvario ideal gelegen: Die Porta Nuova ist zu Fuß erreichbar, der Valentino-Park mit seinen Alleen und dem Po-Ufer liegt direkt nebenan, und die großen Sehenswürdigkeiten der Turiner Innenstadt sind in wenigen Minuten erreichbar. Wer in einem der Hotels in San Salvario übernachtet, wacht morgens in einem Turin auf, das sich nicht für Touristen inszeniert – und das ist sein größter Vorzug.

Parco del Valentino
Turins Lieblingspark am Po seit dem 19. Jahrhundert – mit Savoyer-Schloss, Rosengarten und dem mittelalterlichen Borgo Medievale. Eintritt frei.
Turins Lieblingspark am Po seit dem 19. Jahrhundert