Die Sommerfrische der Belle Époque gebaut von den Borromeo, geadelt von der Eisenbahn, verewigt von Hemingway
Stresas Aufstieg beginnt auf dem Wasser: Ab dem 17. Jahrhundert verwandelte die Mailänder Adelsfamilie Borromeo die Felseninseln im Golf in barocke Gartenkunstwerke, und wer auf der Grand Tour gen Süden reiste, machte hier Station. Den entscheidenden Schub brachte 1906 der Simplontunnel – plötzlich hielten internationale Züge auf der Linie Paris–Mailand direkt am See, und mit ihnen kamen Königshäuser, Kurgäste und Schriftsteller. Das Grand Hotel des Iles Borromées, schon 1863 eröffnet, wurde zum Inbegriff dieser Epoche; Ernest Hemingway, 1918 als verwundeter Rotkreuz-Freiwilliger zu Gast, setzte Stresa in „In einem andern Land“ ein literarisches Denkmal. 1935 verhandelten Mussolini, Laval und MacDonald auf der Isola Bella bei der Konferenz von Stresa über die Zukunft Europas.
Bis heute lebt der Ort von dieser Doppelnatur aus Kulisse und Alltag. Der Lungolago zieht mit Magnolien, Oleander und gestutzten Rabatten am Wasser entlang, dahinter staffeln sich die Stuckfassaden der Hotels; in den Gassen um die Piazza Cadorna und die Via Principessa Margherita reihen sich Trattorien, Cafés und Läden. Das insubrische Klima lässt Kamelien und Zitruspflanzen gedeihen, und im Sommer holt das traditionsreiche Stresa Festival Orchester und Solisten von Weltrang an den See – Konzerte finden auch auf der Isola Bella statt.
Wer länger bleibt, merkt schnell: Stresa ist Basislager, nicht Endstation. Morgens bringen die Boote dich in Minuten zu den drei Inseln, mittags lockt der Aufstieg über Alpino zum Mottarone oder der Tierpark der Villa Pallavicino, und für einen ganzen Tag spannt der Lago Maggiore Express seine Runde über die Centovalli-Bahn nach Locarno und per Schiff zurück. travelperfect empfiehlt, mindestens eine Nacht zu bleiben – abends, wenn die Tagesgäste fort sind und die Inseln im Gegenlicht liegen, gehört die Promenade wieder den Flaneuren.
