Die Spanische Treppe ist eines der bekanntesten Treppenbauwerke Europas und zugleich ein Ort, an dem sich römisches Stadtleben und barocke Inszenierung treffen. Seit 1725 verbindet die geschwungene Freitreppe die tiefer gelegene Piazza di Spagna mit der französischen Kirche Trinità dei Monti, die oben am Pincio steht. Die Anlage ist keine bloße Verbindung zweier Höhen, sondern eine bewusst komponierte Folge von Rampen, Absätzen und Schwüngen, die den Blick führt und das Auf- und Absteigen zu einem kleinen Schauspiel macht. Ihren Namen verdankt die Treppe nicht etwa spanischen Bauherren, sondern der spanischen Botschaft am Heiligen Stuhl, die an der Piazza di Spagna residierte. Finanziert wurde der Bau jedoch maßgeblich mit französischen Mitteln, ein typisch römisches Geflecht aus Diplomatie und Repräsentation. Im Frühjahr verwandeln Azaleen in Töpfen die Stufen in eine blühende Kaskade, der traditionelle Höhepunkt des römischen Treppenjahres. Am Fuß der Treppe liegt die Fontana della Barcaccia, der Brunnen in Form eines halb gesunkenen Bootes, der aus dem Umfeld der Bernini-Werkstatt stammt. Seine niedrige Form ist kein Zufall, sondern eine Antwort auf den damals schwachen Wasserdruck an dieser Stelle. Gleich rechts neben der Treppe steht das Haus, in dem 1821 der englische Dichter John Keats starb; heute ist es ein kleines Museum, das an die Zeit der Romantiker in Rom erinnert. Wer heute kommt, sollte wissen: Das Sitzen auf den Stufen ist seit 2019 verboten und wird kontrolliert. Der eigentliche Reiz liegt ohnehin im Aufstieg und im Blick von oben. Von der Terrasse vor Trinità dei Monti reicht die Sicht über die Via dei Condotti und das Dächermeer der Altstadt. Rund um den Platz beginnt zugleich Roms wichtigste Modemeile, was die Treppe zu einem natürlichen Drehkreuz zwischen Sightseeing und Stadtbummel macht. Früh am Morgen, bevor die Besucherströme einsetzen, lässt sich die Anlage am ruhigsten erleben.
Von der oberen Terrasse über die Stufen hinweg in die Altstadt fotografieren






























