Wer von Rom aus die Via Tuscolana hinausfährt, merkt schnell, wie die Luft kühler wird und die Hügel der Castelli Romani die Stadt umschließen. Frascati empfängt seine Besucher nicht mit großen Gesten, sondern mit dem Geruch von frisch gezapftem Weißwein, der aus den Osterie in den gepflasterten Gassen dringt. Hier, auf rund 320 Metern über dem Meeresspiegel, hat sich ein Ort erhalten, der trotz seiner Nähe zur Hauptstadt ein eigenständiges Gesicht bewahrt hat.
Das Herzstück der Stadt ist die Piazza Marconi mit ihrem Panoramablick über die römische Campagna bis hin zur Silhouette Roms. An klaren Tagen glitzert in der Ferne der Tiber, und die Kuppel des Petersdoms zeichnet sich als zarter Strich gegen den Himmel ab. Die Piazza selbst ist kein Museum, sondern ein lebendiger Treffpunkt: Ältere Männer debattieren auf den Bänken, Kinder flitzen zwischen den Beinen der Passanten hindurch, und die ersten Weingläser werden schon am frühen Nachmittag auf den Tischen der Bars aufgestellt.
Die Villa Aldobrandini, ein Meisterwerk des römischen Barock, thront über der Stadt wie ein stiller Wächter. Ihre Gartenanlagen mit Wasserspielen und Terrassenarchitektur sind ein Zeugnis der päpstlichen Sommerfrische, die Frascati über Jahrhunderte geprägt hat. Wer durch das schmiedeeiserne Tor tritt und die Auffahrt hinaufschreitet, versteht sofort, warum der römische Adel diese Hügel dem Trubel der Hauptstadt vorzog. Nicht weit davon entfernt lädt die Kathedrale San Pietro Apostolo mit ihrer schlichten Fassade und dem kühlen Innenraum zur kurzen Rast ein.
Frascati ist untrennbar mit seinem Wein verbunden. Der Frascati DOC, ein trockener oder halbtrockener Weißwein aus Malvasia- und Trebbiano-Trauben, wird hier seit der Römerzeit angebaut. In den Fraschette, den traditionellen Weinschenken, die ihren Namen von den Zweigen ableiten, die einst als Schild vor der Tür hingen, trinkt man ihn aus schlichten Karaffen, begleitet von Porchetta, dem aromatischen Spanferkel aus Ariccia, und hausgemachten Aufschnittplatten. Diese Kombination ist kein touristisches Konstrukt, sondern gelebte Alltagskultur.
Die Umgebung lädt zu ausgedehnten Spaziergängen durch Weinberge und Kastanienwälder ein, und wer tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, findet in der nahen Villa Torlonia und dem Museo Tuscolano spannende Zeugnisse der antiken Stadt Tusculum, die einst auf diesen Hügeln stand und heute nur noch in Ruinen existiert. Frascati ist damit weit mehr als ein Tagesausflug von Rom: Es ist ein Ort, der bei längerem Aufenthalt immer neue Schichten preisgibt.






