Wer von Rom aus die Via Tiburtina Richtung Osten fährt, spürt nach knapp 30 Kilometern, wie sich die Landschaft hebt und verändert. Die Ebene weicht den ersten Ausläufern der Sabiner Berge, und plötzlich liegt Tivoli vor einem – auf einem Felssporn über dem Aniene-Tal, umgeben von Olivenhainen und dem Rauschen der Cascate del Teverone. Diese Stadt hat etwas, das sich nur schwer in Worte fassen lässt: eine Dichte an Geschichte, die man buchstäblich unter den Schuhsohlen spürt.
Das Herzstück ist die Villa d'Este, deren Terrassengärten zu den eindrucksvollsten Gartenanlagen Italiens zählen. Hunderte von Springbrunnen, Wasserspiele und Nymphäen aus dem 16. Jahrhundert ziehen sich die Hänge hinunter – die berühmte Viale delle Cento Fontane, eine lange Promenade gesäumt von Masken, Adlern und Lilien, aus denen Wasser strömt, ist ein Erlebnis, das man erst beim zweiten Besuch wirklich versteht. Früh morgens, wenn die Touristengruppen noch ausbleiben und der Morgennebel über den Zypressen hängt, gehört die Anlage fast allein einem.
Etwas außerhalb des Zentrums, auf einer weitläufigen Hügelkuppe, liegt die Villa Adriana – das private Refugium von Kaiser Hadrian, erbaut im 2. Jahrhundert nach Christus. Allein das Canopeum, ein langer Wasserspiegel umgeben von Säulen und Skulpturen, vermittelt eine Vorstellung davon, wie Hadrian die Welt sah: großzügig, eklektisch, von Griechenland bis Ägypten inspiriert. Die Anlage ist UNESCO-Weltkulturerbe, und man braucht mindestens zwei bis drei Stunden, um ihr gerecht zu werden.
Das historische Zentrum Tivolos selbst wird von vielen Besuchern unterschätzt. Die mittelalterlichen Gassen rund um den Duomo Santa Maria Maggiore, die Rocca Pia – eine mächtige Festung, die Papst Pius II. im 15. Jahrhundert errichten ließ – und der Blick vom Tempio di Vesta über das Tal des Aniene: Das alles ergibt zusammen ein Stadtbild, das ohne große Inszenierung auskommt. Die Einheimischen kaufen nachmittags auf dem Markt ein, Rentner sitzen vor dem Café, Kinder spielen auf der Piazza Garibaldi. Tivoli ist kein Freilichtmuseum, sondern eine lebende Stadt.
Kulinarisch hält Tivoli, was die Region verspricht: In den Trattorie der Altstadt kommen Pasta e ceci, Abbacchio alla romana und Supplì auf den Tisch, dazu lokaler Weißwein aus den Castelli Romani. Wer nach dem Besuch der Villa d'Este hungrig die Via Palatina hinunterläuft, findet kleine Restaurants, in denen die Tageskarte noch auf der Tafel steht und die Nonna in der Küche das Sagen hat.






