Ab 1550 ließ Kardinal Ippolito II. d'Este, der enttäuschte Papst-Anwärter und neue Statthalter von Tivoli, ein ehemaliges Benediktinerkloster am Rand der Altstadt in einen Palast mit terrassiertem Garten verwandeln. Die Pläne lieferte Pirro Ligorio, Architekt und Antikenkenner, der zuvor die nahe Hadriansvilla studiert und ihre Kunstwerke teils hierher überführt hatte. Was entstand, wurde zum Vorbild für Gärten von Versailles bis Wien: ein steiler Hang, auf dem Wasser zur Hauptdarstellerin wird. Das Herzstück ist die Hundert-Brunnen-Allee, die Viale delle Cento Fontane, an der sich über zweihundert Düsen, Masken und Obelisken aneinanderreihen. Tiefer im Garten stürzt der Neptunbrunnen über mehrere Becken, darüber liegt die Fontana dell'Organo, deren verborgene Wasserorgel tatsächlich vom Wasserdruck zum Klingen gebracht wird – ein Mechanismus aus dem 16. Jahrhundert, der nach langer Restaurierung wieder zu festen Zeiten spielt. Daneben sprudeln die ovale Fontana dell'Ovato und der Rometta-Brunnen, der das antike Rom im Kleinen nachbildet. Das Außergewöhnliche: Sämtliche Wasserspiele funktionieren ohne eine einzige Pumpe. Allein das Gefälle des Flusses Aniene, dessen Wasser über einen eigens gegrabenen Kanal in den Berg geleitet wird, treibt Fontänen, Kaskaden und Orgel an. Im Palast selbst lohnen die Appartamento-Räume mit Manierismus-Fresken den Rundgang, doch die meisten Besucher zieht es rasch hinaus auf die Terrassen. Der Eingang liegt unscheinbar an der Piazza Trento mitten im Centro Storico, wenige Schritte vom Dom entfernt. Wer den Garten in Ruhe erleben will, kommt am frühen Morgen oder am späten Nachmittag, wenn die Reisegruppen aus Rom abgezogen sind und das schräge Licht die Fontänen aufleuchten lässt.
Die Hundert-Brunnen-Allee in der Längsachse fotografieren, um die Tiefe zu betonen.






























