Wer Rom wirklich verstehen will, muss früh morgens durch das Tridente streifen, bevor die Stadt aufwacht. Die drei Straßen Via del Corso, Via del Babuino und Via di Ripetta, die wie Zacken eines Dreizacks von der Piazza del Popolo aus nach Süden verlaufen, geben dem Viertel seinen Namen – und seinen Charakter. Zwischen diesen Achsen entfaltet sich das vielleicht eleganteste Stadtgefüge Roms: ein Geflecht aus Renaissancepalazzi, Galerien und Boutiquen, das sich über Jahrhunderte zur bevorzugten Adresse von Künstlern, Aristokraten und Reisenden entwickelt hat.
Die Via del Babuino war einst die Straße der Ateliers und Antiquitätenhändler – und ist es in Teilen noch heute. Wer hier entlanggeht, passiert Galerien, die zeitgenössische Kunst neben antikem Mobiliar zeigen, und stößt immer wieder auf kleine Kirchen wie Sant'Atanasio dei Greci, die kaum ein Reiseführer erwähnt. Am nördlichen Ende öffnet sich die Piazza del Popolo mit der Zwillingskirchen-Fassade von Santa Maria dei Miracoli und Santa Maria in Montesanto – ein Stadtbild, das selbst Römer noch innehalten lässt.
Das Herz des Viertels schlägt an der Piazza di Spagna. Die Spanische Treppe mit ihren 135 Stufen hinauf zur Kirche Trinità dei Monti ist nicht nur eines der bekanntesten Stadtbilder Italiens, sondern auch ein sozialer Ort: Hier treffen sich Römer und Besucher, Studenten und Flaneure. Direkt daneben liegt das Keats-Shelley House, das an die englischen Romantiker erinnert, die das Tridente einst zu ihrer Wahlheimat machten.
Für Einkaufsbegeisterte ist das Tridente eine eigene Welt. Die Via Condotti, die von der Spanischen Treppe aus nach Westen führt, ist die Luxusmeile Roms schlechthin: Gucci, Bulgari, Valentino und Prada haben hier ihre historischen Adressen. Wer die Parallelgassen erkundet – Via Borgognona, Via Frattina – entdeckt auch Concept Stores, Juweliere und Lederwarenateliers, die noch von Handwerkertradition zeugen.
Abends verändert das Viertel sein Gesicht. Die Touristenströme ebben ab, Einheimische kehren in die Bars und Restaurants zurück, und die Piazza del Popolo leuchtet im Schein der Straßenlaternen auf eine Art, die tagsüber unmöglich wäre. Das Tridente ist kein Viertel für Sparreisende – aber eines, das Rom in seiner selbstbewussten, historisch gesättigten Schönheit zeigt.

Spanische Treppe
Geschwungene Barocktreppe von 1725, die die Piazza di Spagna mit der Kirche Trinità dei Monti verbindet und das Drehkreuz zwischen Sightseeing und Modemeile bildet.
Geschwungene Barocktreppe von 1725 zwischen Piazza di Spagna und Trinità dei Monti