Wer Rom abseits der touristischen Hochdruckzonen erleben möchte, findet in Prati ein Viertel, das sich selbst treu geblieben ist. Die breiten, im späten 19. Jahrhundert angelegten Boulevards – allen voran die Via Cola di Rienzo und die Via Candia – sind keine Kulisse für Souvenirläden, sondern echte Einkaufsstraßen, in denen Römer ihren Alltag leben. Hier kauft man beim Metzger um die Ecke ein, trinkt den Espresso an der Bar stehend und liest die Zeitung auf einer der Parkbänke entlang des Lungotevere.
Das Viertel entstand nach der Einigung Italiens als repräsentatives Wohngebiet für den neuen Staatsapparat. Diese Herkunft spürt man noch heute: Die Fassaden der Palazzi aus dem Umbertino-Stil strahlen eine gediegene Ernsthaftigkeit aus, die sich von der barocken Theatralik des historischen Zentrums deutlich unterscheidet. Wer durch die Via Germanico oder die Via Candia schlendert, bemerkt, wie die Architektur eine ruhigere, fast nordeuropäisch anmutende Ordnung in die Stadt bringt – und das nur wenige Gehminuten vom Petersdom entfernt.
Die Nähe zur Vatikanstadt und zur Engelsburg ist das offensichtlichste Alleinstellungsmerkmal von Prati. Castel Sant'Angelo, das mächtige Mausoleum des Kaisers Hadrian, das später als päpstliche Festung diente, ist von vielen Punkten im Viertel aus zu sehen. Abends, wenn die Beleuchtung einsetzt, wirft es einen goldenen Schein über den Tiber. Der Lungotevere Castello, die Uferpromenade direkt davor, ist dann ein bevorzugter Spazierweg für Einheimische.
Gastronomisch hat Prati in den letzten Jahren deutlich an Profil gewonnen. Neben klassischen römischen Trattorien haben sich Weinbars und moderne Küchen etabliert, ohne dass das Viertel seinen Charakter als Wohnquartier verloren hätte. Wer hier übernachtet, wacht in einem Rom auf, das funktioniert – mit guten Supermärkten, ruhigeren Straßen als in Trastevere und einer direkten Anbindung an die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Petersdom
Die größte Kirche der Christenheit über dem Grab des Apostels Petrus, mit Michelangelos Kuppel, seiner Pietà und freiem Eintritt im Vatikan.
Größte Kirche der Christenheit über dem Petrusgrab