Wer Rom jenseits der großen Touristenströme erleben möchte, findet in Testaccio ein Viertel, das seinen Charakter über Jahrzehnte bewahrt hat. Südwestlich des Aventin-Hügels gelegen, war Testaccio lange das Zentrum der römischen Arbeiterklasse – geprägt vom Mattatoio, dem riesigen Schlachthof aus dem 19. Jahrhundert, der dem Viertel seinen unverwechselbaren Geist gab. Noch heute spürt man diesen Ursprung in den breiten Straßen, den ockergelben Mietskasernen und dem Selbstbewusstsein der Bewohner, die stolz auf ihre Heimat sind. Der Mercato Testaccio ist das lebendige Herz des Viertels. Morgens füllen sich die Markthallen mit Gemüsehändlern, Käseverkäufern und Fleischern, deren Familien hier seit Generationen ihre Stände betreiben. Wer früh kommt, erlebt, wie Römerinnen und Römer tatsächlich einkaufen – ohne Inszenierung, ohne Touristen-Aufschlag. Zwischen den Ständen haben sich kleine Küchen eingenistet, die Supplì, Porchetta-Brötchen und frisch gebratene Artischocken verkaufen. Unmittelbar daneben erhebt sich der Monte Testaccio, ein künstlicher Hügel aus Millionen zerbrochener Amphoren, auf dem die Römer der Antike ihre Ölbehälter entsorgten. Dieser ungewöhnliche Ort gibt dem Viertel seinen Namen und seinen archäologischen Reiz. An seinen Flanken haben sich Bars und Clubs in die alten Höhlungen gegraben – abends verwandelt sich der Bereich rund um den Monte in eines der lebendigsten Ausgehviertel Roms. Das ehemalige Mattatoio selbst ist heute ein Kulturzentrum: Ausstellungen, die Dependance des MACRO-Kunstmuseums und Veranstaltungen haben die alten Schlachthallen in einen Ort zeitgenössischer Kunst verwandelt, ohne ihre industrielle Rohheit zu verbergen. Die hohen Backsteingewölbe und die rostigen Metallkonstruktionen erzählen noch immer von der Vergangenheit. Für Reisende, die echte römische Küche suchen, ist Testaccio unverzichtbar. Die Trattorie hier servieren Cucina Romana in ihrer ursprünglichsten Form: Cacio e Pepe, Rigatoni con la Pajata und Coda alla Vaccinara stehen auf den Karten – Gerichte, die aus der Küche der Schlachthausarbeiter entstanden, die sich aus den weniger begehrten Tierteilen etwas Köstliches schufen. Hotels in Testaccio sind noch verhältnismäßig rar, dafür umso authentischer in ihrer Lage.

Mercato di Testaccio
Lebendiger Versorgungsmarkt in einer lichten modernen Halle in Testaccio, mit rund hundert Ständen und beliebten Street-Food-Boxen für Sandwiches und Supplì.
Versorgungsmarkt für die Anwohner in moderner Halle seit 2012