
◆ STADT · SIZILIEN
Taormina ist Siziliens Bühne – eine Stadt, die auf einem Felsbalkon rund 200 Meter über dem Ionischen Meer sitzt und seit Goethes 'Italienischer Reise' Besucher in denselben Bann zieht. Im antiken Theater rahmen griechisch-römische Säulenreste den rauchenden Ätna wie eine Kulisse, am Corso Umberto reihen sich Palazzi, Granita-Bars und Keramikläden, und unten in der Bucht von Mazzarò leuchtet die Isola Bella im türkisfarbenen Wasser. Dazwischen: Bougainvillea über honigfarbenem Stein, Grandhotels mit über hundert Jahren Gästebuch – von D. H. Lawrence bis zur 'White Lotus'-Crew – und Abende, an denen die Piazza IX Aprile zur Loge über dem Meer wird.

Taormina beginnt unten am Meer: Bei Giardini Naxos gingen Mitte des 8. Jahrhunderts v. Chr. die ersten griechischen Siedler Siziliens an Land. Nach der Zerstörung von Naxos zogen sich die Bewohner auf den Monte Tauro zurück und gründeten Tauromenion – die Stadt auf dem Felsen. Ihr Vermächtnis ist das Teatro Antico aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., das die Römer später für ihre Spektakel umbauten: nach Syrakus das zweitgrößte antike Theater der Insel, mit einer Bühnenmauer, deren Lücke den Ätna wie ein Gemälde fasst. Auch am Corso Umberto, der alten Hauptachse, schimmert die Antike durch – etwa an der Naumachie, einer mächtigen römischen Backsteinmauer mitten im Häusermeer.
Berühmt aber machte Taormina das 19. Jahrhundert. Goethe schwärmte 1787 vom Theaterblick, der preußische Maler Otto Geleng schickte Ansichten der Stadt in die Salons des Nordens, und bald überwinterte halb Europa auf dem Felsen: Es entstanden Grandhotels wie das Timeo von 1873, Engländerinnen wie Florence Trevelyan legten Gärten an und kauften kleine Inseln, D. H. Lawrence schrieb drei Jahre lang in der Villa Fontana Vecchia, in der später auch Truman Capote wohnte. Aus dem Bergstädtchen wurde ein Mythos – mondän, exzentrisch und nie ganz aus der Mode.
Heute spielt Taormina seine Rolle souverän weiter: Im Sommer füllen Filmfestival und Konzerte das antike Halbrund, die zweite Staffel von 'The White Lotus' machte das San Domenico Palace weltberühmt, und tagsüber schieben sich Kreuzfahrtgäste über den Corso. Der Trick ist der Rhythmus: früh morgens zum Theater, mittags mit der Seilbahn hinunter zum Baden nach Mazzarò, abends zurück zur Passeggiata, wenn die Busse fort sind und das Licht golden wird. travelperfect empfiehlt mindestens eine Übernachtung – Taormina gehört denen, die bleiben.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel





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02 · Was tun
Antikes Erbe
Das Teatro Antico ist der Auftakt: früh kommen, wenn die Ränge noch leer sind und der Ätna hinter der Bühnenmauer raucht. Danach den Spuren der Antike am Corso folgen – zur Naumachie, der römischen Backsteinmauer mitten im Häusermeer, und zum Palazzo Corvaja, dessen arabischer Turmkern und katalanische Gotik tausend Jahre Stadtgeschichte stapeln.
Strand & Buchten
Drei Minuten Seilbahn trennen den Corso vom Wasser: Unten warten die Kiesbuchten von Mazzarò, die Isola Bella mit ihrer Kiesbank und die versteckte Trattoria zwischen Fischerbooten. Wer Sand will, fährt weiter in die lange Bucht von Giardini Naxos; wer Ruhe sucht, läuft zum Strand von Spisone, über dem die Felswand Taorminas aufragt.
Dolce Vita am Corso
Der Tag beginnt mit Mandel-Granita und warmer Brioche im Bam Bar und endet mit der Passeggiata zwischen Porta Messina und Porta Catania: Keramikläden mit den ikonischen Teste di Moro, Pasticcerien mit Cannoli, dazwischen die Piazza IX Aprile, auf deren Schachbrettboden abends Straßenmusiker spielen und die Balustrade zur Loge über der Küste wird.
Höhenrausch
Der alte Pilgerpfad Salita Castello steigt in Serpentinen zur Felskapelle Madonna della Rocca – schon hier liegt dir das Theater zu Füßen. Weiter oben wartet Castelmola, eines der 'schönsten Dörfer Italiens': Burgruine mit Rundblick von der Ätna-Flanke bis zur Straße von Messina und Mandelwein in der legendären Bar Turrisi.
03 · Wann
Taormina hängt am Hang über dem Ionischen Meer und genießt ein mildes Mittelmeerklima: Schon im April lässt es sich auf den Terrassen sitzen, das Badefenster reicht von Juni bis weit in den Oktober. Der Hochsommer bringt Hitze, Festivalabende und die vollste Stadt des Jahres – die klügeren Monate liegen davor und danach, wenn das Theater nicht überlaufen ist und der Ätna oft noch eine Schneehaube trägt.
04 · Häufige Fragen
Mai, Juni, September und Oktober sind ideal: angenehme 20 bis 28 °C, badewarmes Meer ab Frühsommer und deutlich weniger Andrang als im Hochsommer. Juli und August sind heiß, voll und am teuersten – dafür locken dann die Konzert- und Festivalabende im Teatro Antico. Im Winter ist Taormina mild und sehr ruhig, allerdings schließen viele Strandbetriebe.
Für Altstadt, Theater und einen Strandnachmittag reichen zwei volle Tage. Wer den Ätna besteigen, die Alcantara-Schluchten sehen und einen Abend in Castelmola verbringen möchte, plant besser vier bis fünf Tage. Taormina ist außerdem eine gute Basis für Tagesausflüge nach Catania oder Syrakus.
Am einfachsten per Direktbus (Interbus/Etna Trasporti), der mehrmals täglich in rund 1,5 Stunden zum Busbahnhof von Taormina fährt. Alternativ bringt dich ein Taxi oder vorbestellter Transfer in etwa einer Stunde hinauf. Mit dem Zug fährst du ab Catania Centrale bis Taormina-Giardini und weiter per Bus oder Taxi in die Oberstadt – der Bahnhof liegt unten am Meer.
Die Funivia (Seilbahn) schwebt in rund drei Minuten von der Via Pirandello hinunter nach Mazzarò; von dort sind Isola Bella und die Bucht von Mazzarò zu Fuß erreichbar, der Strand von Spisone liegt einen kurzen Küstenweg weiter nördlich. Den langen Sandstrand von Giardini Naxos erreichst du per Bus oder Taxi in 10 bis 15 Minuten.
Unbedingt – der Vulkan ist der spektakulärste Tagesausflug der Ostküste. Geführte Touren bringen dich zu den Silvestri-Kratern am Rifugio Sapienza auf rund 1.900 Metern, mit Seilbahn und Geländefahrzeugen geht es je nach Saison und Aktivität deutlich höher. Viele Touren kombinieren den Vulkan mit einer Weinprobe an der Nordflanke oder den Alcantara-Schluchten. Warme Jacke einpacken, auch im Sommer.
Es ist die teuerste Adresse Siziliens – Terrassenplätze am Corso und die berühmten Hotels haben ihren Preis. Sparen lässt sich trotzdem: in der Nebensaison reisen, in Giardini Naxos oder unten an der Küste wohnen, mittags in einer Tavola calda essen und die Granita im Stehen nehmen. Theater, Gassen, Aussichtspunkte und der Aufstieg nach Castelmola kosten wenig oder nichts.
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