Wer von Taorminas Klippen hinunterschaut, sieht die geschwungene Bucht von Giardini Naxos wie eine Mondsichel im Ionischen Meer liegen. Was von oben wie ein ruhiges Fischerdorf wirkt, entpuppt sich unten als eigenständiger Ort mit ganz eigenem Rhythmus: breit angelegte Strandpromenaden, Fischerboote neben Tretbooten, Trattorie, die schon am Mittag ihre Holztische auf den Asphalt stellen.
Giardini Naxos trägt einen besonderen historischen Rang: Hier, auf dem Capo Schisò, gründeten griechische Siedler aus Chalkis 734 vor Christus die erste hellenische Kolonie auf sizilianischem Boden – lange vor Syrakus, lange vor dem Glanz Agrigents. Das Archäologische Museum und die Ausgrabungsstätte direkt am Kap bewahren Reste dieser frühen Stadtanlage. Wer dort am frühen Morgen entlanggeht, wenn die Sonne noch flach über das Meer streicht, bekommt eine Ahnung davon, warum die Griechen diesen Fleck Erde wählten.
Die Lungomare, die Uferpromenade, zieht sich über mehrere Kilometer entlang des feinen dunklen Sandstrandes. Abends verwandelt sie sich in eine Art Freiluft-Wohnzimmer: Familien schieben Kinderwagen, Jugendliche sitzen auf den Mauern, Rentner spielen Karten vor den Bars. Die Atmosphäre ist weniger touristisch inszeniert als das Zentrum Taorminas – echter, direkter, sizilianischer.
Für Reisende, die Taorminas Sehenswürdigkeiten – das antike Teatro Greco, die Piazza IX Aprile, die Isola Bella – erkunden wollen, aber nicht zu den Hotelpreisen der Altstadt bereit sind, ist Giardini Naxos eine ernsthafte Alternative. Die Seilbahn verbindet beide Orte in wenigen Minuten, und auch mit dem Bus oder dem Taxi ist Taormina schnell erreichbar. Hotels in Giardini Naxos reichen von einfachen Pensionen direkt am Strand bis zu komfortablen Viersternhäusern mit Meerblick-Terrassen.
Das Viertel ist besonders für Familien mit Kindern geeignet: Der Strand ist flach und ruhig, die Wege sind eben – ein klarer Kontrast zu Taorminas steilen Gassen. Auch für Wassersportler lohnt sich die Bucht, da mehrere Anbieter Schnorchel- und Tauchausflüge entlang der Küste organisieren.

Parco Archeologico di Naxos
Am Lavakap Schisò bewahrt der archäologische Park die Spuren von Naxos, der ersten griechischen Siedlung Siziliens aus dem Jahr 734 v. Chr. – mit Mauern aus schwarzem Lavastein und Museum.
Älteste griechische Kolonie Siziliens, gegründet um 734 v. Chr.