Wer Taormina kennt, kennt noch nicht Castelmola. Das mittelalterliche Bergdorf klammert sich in rund 530 Metern Höhe an einen Felsvorsprung über der berühmten Küstenstadt und wirkt wie aus der Zeit gefallen. Die engen Gassen aus dunklem Lavagestein, die Kirche San Giorgio auf der Piazza Sant'Antonio und die Ruinen der normannischen Burg auf dem höchsten Punkt des Ortes erzählen von einer Geschichte, die weit vor dem Tourismusboom Siziliens liegt.
Der Aufstieg von Taormina aus – zu Fuß über einen alten Saumpfad oder per Auto auf einer kurvenreichen Straße – ist bereits ein Erlebnis für sich. Oben angekommen, öffnet sich ein Panorama, das selbst erfahrene Reisende innehalten lässt: Im Norden ragt der Ätna mit seiner charakteristischen Rauchfahne in den Himmel, im Osten glitzert das Ionische Meer, und tief unten liegt Taormina wie ein Miniaturmodell. Die Aussichtsplattform nahe der Burgruine Castello di Castelmola ist der beste Aussichtspunkt, besonders in den frühen Morgenstunden, wenn der Dunst über dem Meer noch nicht verflogen ist.
Das Dorf selbst ist winzig – ein paar hundert Einwohner, eine Handvoll Restaurants und Cafés, mehrere kleine Kirchen. Genau das macht seinen Reiz aus. Auf der Piazza Sant'Antonio, dem zentralen Platz des Ortes, sitzt man zwischen Einheimischen und Tagesbesuchern aus Taormina und trinkt den berühmten Mandelmandel-Wein, den sogenannten Vino alla Mandorla, der in Castelmola seit Generationen produziert wird. Die Bar San Giorgio und die Bar Turrisi sind die beiden bekanntesten Adressen dafür – letztere ist auch wegen ihrer außergewöhnlichen erotischen Dekoration stadtbekannt.
Castelmola ist kein Ort für Aktivurlaub oder Shoppingtouren. Es ist ein Ort für Menschen, die Stille suchen, Ausblicke genießen und verstehen wollen, wie das Leben in einem sizilianischen Bergdorf aussieht. Wer eine Nacht bleibt, erlebt nach Sonnenuntergang eine fast mystische Ruhe, wenn die Tagestouristen abgezogen sind und das Dorf wieder seinen Bewohnern gehört.

Castello di Castelmola
Über Castelmola auf rund 500 Metern wachen die Mauerreste der mittelalterlichen Burg mit byzantinischen und arabischen Wurzeln – der Rundblick reicht vom Ätna bis Kalabrien.
Mittelalterliche Burgruine mit byzantinischen und arabischen Wurzeln