Wer Taormina kennt, kennt die Postkartenperspektive: das antike Theater hoch oben auf dem Fels, die Corso Umberto voller Souvenirläden, die Terrassen mit Blick auf den Ätna. Doch wenige Meter unterhalb, am Fuß des Steilhangs, liegt ein ganz anderes Taormina. Spisone ist der Küstenstreifen, der sich zwischen dem Bahnhof Taormina-Giardini und den Buchten von Mazzarò erstreckt – ein Viertel, das weniger inszeniert, dafür umso echter wirkt.
Das Besondere an Spisone liegt in seiner Lage: Die Felsküste fällt hier direkt ins Ionische Meer, und zwischen den Klippen öffnen sich kleine Badebuchten, deren Wasser in einem tiefen Blaugrün leuchtet. Wer früh morgens hier entlangläuft, erlebt die Küste noch bevor die ersten Sonnenschirme aufgestellt sind – das Licht fällt flach über das Wasser, Fischerboote schaukeln in den ruhigen Zonen, und der Geruch von Salz und Pinien liegt in der Luft. Die Strandabschnitte rund um Spisone sind teils felsig, teils mit kleinen Kiesbereichen durchsetzt, was Schnorchler und Taucher besonders anzieht.
Das Viertel selbst ist keine klassische Einkaufsstraße und kein Ausgehviertel im urbanen Sinne. Stattdessen prägen kleine Hotels, Pensionen und Appartements das Bild – viele davon mit Terrassen, die unmittelbar über dem Meer hängen. Die Gastronomie in Spisone konzentriert sich auf unkomplizierte Fischrestaurants und Strandlokale, in denen frisch gefangener Schwertfisch und Calamari auf den Tisch kommen. Abends, wenn die Hitze nachlässt, sitzen die Einheimischen vor den kleinen Bars und beobachten das Treiben auf der Küstenstraße.
Für Reisende, die Taorminas kulturelle Highlights – das Teatro Antico, die Piazza IX Aprile, den Palazzo Corvaja – besuchen möchten, ohne den gesamten Tag im Gedränge der Altstadt zu verbringen, ist Spisone eine clevere Basis. Die Seilbahn verbindet den Küstenbereich in wenigen Minuten mit der Altstadt, und der Bahnhof Taormina-Giardini liegt ebenfalls in unmittelbarer Nähe, was Tagesausflüge nach Catania oder Messina vereinfacht. Spisone ist damit kein Selbstzweck, sondern ein Ausgangspunkt – ruhig, meeresnah und mit einem eigenen, unaufgeregten Charme.

Spiaggia di Spisone
Hinter der Landzunge von Mazzarò öffnet sich der langgezogene Kies-Sand-Strand von Spisone unter der Felswand Taorminas – mit Lidos und frei zugänglichen Abschnitten.
Langgezogener Strand aus feinem Kies und Sand