
◆ STADT · APULIEN
Polignano a Mare steht dort, wo Apulien am dramatischsten ist: auf Kalksteinklippen, die senkrecht in die Adria fallen. In der Felsbucht Lama Monachile schiebt sich ein Kiesstrand zwischen zwei Steilwände, darüber spannt sich die alte Brücke der Via Traiana, und die weiße Altstadt balanciert mit ihren Balkonen direkt über dem offenen Meer. Hier wurde Domenico Modugno geboren, dessen „Volare“ bis heute über die Piazza weht; in einer Meereshöhle unter der Stadt deckt das Restaurant Grotta Palazzese seine Tische, und im Sommer stürzen sich Klippenspringer von der Plattform über der Bucht. Dazwischen: Poesie an den Hauswänden, eine legendäre Eisdiele und kleine Fischerhäfen wie aus einer anderen Zeit.

Polignano a Mare wurde buchstäblich auf die Kante gebaut. Die Altstadt sitzt auf einem Kalksteinvorsprung, den das Meer seit Jahrtausenden unterhöhlt – unter den Häusern öffnen sich Grotten und Hohlräume, in die bei Schirokko die Brandung schlägt. Schon die Römer kamen hier vorbei: Die Via Traiana, die Rom mit Brindisi verband, überquerte die Schlucht der Lama Monachile, und noch heute führt die im 19. Jahrhundert unter den Bourbonen erneuerte Brücke den Blick direkt auf die berühmteste Badebucht Apuliens. Durch den Arco Marchesale, das alte Stadttor, betritt man ein Gassengewirr, in dem Wäscheleinen, Bougainvillea und handgeschriebene Verse an Türen und Treppen den Ton angeben.
Berühmt gemacht haben die Stadt zwei Söhne: Domenico Modugno, 1928 hier geboren, dessen „Nel blu dipinto di blu“ – die Welt kennt es als „Volare“ – 1958 das Sanremo-Festival gewann und zur meistgesungenen italienischen Melodie überhaupt wurde; seine bronzene Statue breitet am Lungomare die Arme aus wie im legendären Auftritt. Und der Künstler Pino Pascali, dessen Familie aus Polignano stammt – ihm ist am südlichen Ortsrand die Fondazione Museo Pino Pascali gewidmet, eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst in Süditalien.
Den Rhythmus der Stadt lernt man in einem Tag: früh hinunter zur Lama Monachile, bevor die Tagesgäste kommen, mittags Orecchiette oder ein rohes Meeresfrüchte-Plateau, nachmittags eine Bootstour unter die Klippen und in die Höhlen, die vom Wasser aus noch einmal ganz anders wirken. Am Abend gehört die Bühne der Passeggiata: ein Caffè Speciale an der Piazza, der Blick von den Balkonen über das dunkle Meer – und irgendwo singt immer jemand „Volare“. travelperfect empfiehlt, mindestens eine Nacht zu bleiben: Polignano nach 19 Uhr ist eine andere, viel leisere Stadt.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel




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02 · Was tun
Klippen & Balkone
Früh hinunter zur Lama Monachile, wenn der Kiesstrand noch leer ist, dann durch den Arco Marchesale in die Altstadt: Gassenpoesie, die Chiesa Matrice, die Aussichtsterrassen über dem offenen Meer. Den Abschluss macht die blaue Stunde auf der Terrazza Santo Stefano, wenn die Klippen golden anlaufen und die Schwalben übernehmen.
Auf dem Wasser
Vom Wasser aus zeigt Polignano sein eigentliches Gesicht: Bootstouren ab der Marina di Cala Ponte und dem Hafen von San Vito fahren unter die Klippen, in Grotten mit türkis leuchtendem Wasser und vorbei an der Höhle der Grotta Palazzese. Morgens ist die See am ruhigsten – und das Licht in den Höhlen am schönsten.
Volare
Die bronzene Statue am Lungomare breitet die Arme aus wie ihr Vorbild beim Sanremo-Sieg 1958. Von dort führt die Spur über die Piazza mit einem Caffè Speciale bei Il Super Mago del Gelo bis zu den Balkonen der Altstadt, auf denen abends tatsächlich gesungen wird – „Volare“ ist hier kein Klischee, sondern Lokalstolz.
Übers Zentrum hinaus
Zwei Kilometer nördlich duckt sich die Abbazia di San Vito hinter einen winzigen Fischerhafen – eines der meistfotografierten Motive Apuliens. Auf dem Weg dorthin liegt die Cala Paura mit ihren blau-weißen Booten, und wer weitergeht, hat die Kalksteinküste bald für sich. Zu Fuß, per Rad oder mit dem Kajak.
03 · Wann
Polignano lebt mit dem Meer: Im Sommer drängt sich halb Apulien in der Lama Monachile, im Winter gehören die Gassen wieder den Einheimischen. Die Übergangszeiten sind das Maß aller Dinge – im Mai und Juni blüht die Küste und das Wasser wird badewarm, im September und Oktober hält die Adria die Sommerwärme noch lange, während die Stadt spürbar durchatmet.
04 · Häufige Fragen
Mai, Juni, September und Oktober sind ideal: warm genug zum Baden, aber ohne das Gedränge des Hochsommers. Im Juli und August ist die Lama Monachile oft schon am Vormittag voll, Unterkünfte sind teurer und das Höhlenrestaurant lange im Voraus ausgebucht. Der Winter ist mild und sehr ruhig – schön für Atmosphäre, aber viele Adressen pausieren.
Ja – die berühmte Bucht ist ein frei zugänglicher Kiesstrand. Er ist allerdings klein und im Sommer schnell überfüllt; wer baden will, kommt am besten vor 9 Uhr oder am späten Nachmittag. Badeschuhe lohnen sich wegen der Kiesel, und gesprungen wird nur von den niedrigen Felsen – die hohen Klippen bleiben den Profis des Cliff Diving vorbehalten.
Am einfachsten mit dem Regionalzug der Linie Bari–Lecce: ab Bari Centrale in rund 30–40 Minuten, tagsüber fahren die Züge regelmäßig. Vom Bahnhof sind es etwa 10 Gehminuten bis zum Arco Marchesale. Mit dem Auto nimmt man die SS16; in der Saison früh anreisen, die Parkplätze am Ortsrand füllen sich schnell.
Für Altstadt, Lama Monachile und eine Bootstour reicht ein voller Tag – aber erst mit einer Übernachtung erlebt man das leise Polignano nach Abfahrt der Tagesgäste. Die Stadt ist zudem eine gute Basis: Monopoli, Conversano und Alberobello sind in 15–40 Minuten erreichbar, Bari und Ostuni ebenfalls schnell per Zug oder Auto.
Eine natürliche Meereshöhle unter der Altstadt, in der schon im 18. Jahrhundert Feste gefeiert wurden und heute im Sommer ein Restaurant seine Tische deckt. Die Kulisse ist einzigartig, die Preise sind entsprechend hoch und es gilt ein Dresscode. Reservieren ist Pflicht – in der Hochsaison am besten mehrere Wochen im Voraus. Wer nur schauen will, sieht die Höhle auch von der Bootstour aus.
Domenico Modugno, der das Lied „Nel blu dipinto di blu“ 1958 beim Sanremo-Festival zum Welterfolg machte, wurde 1928 in Polignano a Mare geboren. Seine Statue mit den ausgebreiteten Armen steht am Lungomare, der nach ihm benannt ist – und sein Lied ist in den Gassen, Bars und bei Festen allgegenwärtig.
05 · In der Nähe
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