
◆ STADT · SIZILIEN
Syrakus war einmal die mächtigste Stadt der griechischen Welt – Cicero nannte sie die schönste von allen. Heute verdichtet sich dieses Erbe auf zwei Brennpunkte: die Altstadtinsel Ortigia, wo barocke Palazzi über dem Ionischen Meer leuchten, der Dom in einem griechischen Athena-Tempel steckt und an der Fonte Aretusa Papyrus wuchert, und den Archäologiepark Neapolis mit dem riesigen Teatro Greco, in dem seit über hundert Jahren wieder antike Dramen gespielt werden. Dazwischen liegen Märkte voller Mandeln und Schwertfisch, Abende am Lungomare und das glasklare Wasser des Schutzgebiets Plemmirio – Syrakus ist Siziliens Südosten in seiner konzentriertesten Form.

Als korinthische Siedler 734 v. Chr. auf Ortigia landeten, gründeten sie eine Stadt, die Athen herausfordern sollte: Syrakus schlug 413 v. Chr. die attische Flotte im eigenen Hafen, unter dem Tyrannen Dionysios I. galt es als größte Stadt der griechischen Welt, und mit Archimedes brachte es den berühmtesten Ingenieur der Antike hervor – er starb hier 212 v. Chr. bei der römischen Eroberung. Das Teatro Greco, in den Fels des Temenite-Hügels geschlagen, fasste Tausende Zuschauer; seit 1914 spielt das Istituto Nazionale del Dramma Antico dort wieder Aischylos und Euripides unter freiem Himmel.
Was Syrakus von anderen Antikenstädten unterscheidet: Die Geschichte wurde nie museal stillgelegt, sondern weitergebaut. Im Dom auf Ortigia stehen die dorischen Säulen des Athena-Tempels aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. noch immer im Mauerwerk – erst Tempel, dann byzantinische Kirche, Moschee, normannische Kathedrale, schließlich Barockbühne. Nach dem großen Erdbeben von 1693 erhielt die Stadt jene honigfarbene Barockhaut, die ihr 2005 gemeinsam mit der Felsnekropole von Pantalica den UNESCO-Welterbetitel eintrug.
Der beste Rhythmus für Syrakus: morgens über den Markt an der Via de Benedictis, wo Händler Zitronen, Mandeln aus Avola und frischen Schwertfisch ausrufen, mittags Schatten in den Gassen der Giudecca, nachmittags die Neapolis, wenn die Reisegruppen abgezogen sind. Abends gehört Ortigia dann den Einheimischen – Aperitivo an der Fonte Aretusa, Passeggiata zur Spitze mit dem Castello Maniace, Abendessen in einer Trattoria, die seit Generationen denselben Namen trägt. travelperfect empfiehlt mindestens zwei volle Tage, besser drei mit einem Meerestag im Plemmirio.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel




· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Antike & Welterbe
Im Parco Archeologico della Neapolis liegt das Schwergewicht der Antike: das in den Fels geschlagene Teatro Greco, das römische Amphitheater und die Latomien – antike Steinbrüche, in deren berühmtester Höhle, dem Orecchio di Dionisio, schon ein Flüstern hallt. Danach ordnet das Archäologische Museum Paolo Orsi die Funde aus ganz Ostsizilien ein. Im Mai und Juni verwandeln die INDA-Festspiele das Theater abends wieder in eine antike Bühne.
Insel-Flanieren
Vom Tempio di Apollo am Inseleingang durch den Markt, über die Piazza Duomo mit ihrer geschwungenen Barockfassade hinunter zur Fonte Aretusa, wo Papyrus im Süßwasser wuchert – und weiter bis zur Inselspitze, wo das staufische Castello Maniace den Hafen bewacht. Dazwischen: die Gassen der Giudecca, des alten jüdischen Viertels, mit einer der ältesten erhaltenen Mikwen Europas.
Markt & Küche
Der Mercato di Ortigia ist einer der schönsten Märkte Siziliens: Mandeln aus Avola, Kapern, Zitronen, Schwertfisch und Gemüseberge, dazwischen die legendäre Theke des Caseificio Borderi, an der belegte Brote zur Mittagsinstitution geworden sind. Abends übernehmen die Trattorien – Pasta mit Seeigel oder Sarde, gegrillter Fang des Tages, dazu Weißweine aus dem Val di Noto und Nero d'Avola aus dem Hinterland.
Meer & Halbinsel
Südlich der Stadt schiebt sich die Maddalena-Halbinsel ins Ionische Meer, seit 2004 als Area Marina Protetta del Plemmirio geschützt. Statt Strandbädern: weiße Kalkfelsen, glasklare Einstiege, Seegraswiesen und Tauchplätze bis hinaus zum Leuchtturm von Capo Murro di Porco. Wer nicht taucht, nimmt eine Bootstour ab Ortigia zu den Meeresgrotten oder ein Bad in den Buchten der Pillirina.
03 · Wann
Syrakus liegt am südöstlichen Zipfel Siziliens und gehört zu den sonnigsten Ecken Italiens. Das Meer mildert die Extreme: Selbst im Winter bleibt es tagsüber meist mild, während der Hochsommer auf den schattenarmen Antikenstätten fordernd wird. Die eleganteste Reisezeit ist der Frühsommer, wenn abends im Teatro Greco die antiken Dramen gespielt werden – der Herbst lockt mit warmem Wasser und leeren Gassen.
04 · Häufige Fragen
Zwei volle Tage sind das Minimum: einer für Ortigia mit Dom, Markt und Fonte Aretusa, einer für die Neapolis mit Teatro Greco und das Museum Paolo Orsi. Mit einem dritten Tag kommen das Meeresschutzgebiet Plemmirio oder Tagesausflüge nach Noto und in die Vendicari-Dünen dazu – viele bleiben länger und nutzen Syrakus als Basis für den ganzen barocken Südosten.
Der Flughafen Catania-Fontanarossa (CTA) liegt rund 60 Kilometer nördlich. Am unkompliziertesten ist der Interbus-Direktbus, der mehrmals täglich in etwa 1¼ Stunden nach Syrakus fährt und nahe Ortigia hält. Alternativ Mietwagen über die Autobahn A18/E45 oder Zug ab Catania Centrale – dann mit Umstieg vom Flughafenbus zum Bahnhof.
Unbedingt – er gehört zu den bedeutendsten Antikenstätten Italiens. Das Teatro Greco zählt zu den größten Theatern der griechischen Welt, daneben liegen das römische Amphitheater und die Latomien mit dem Orecchio di Dionisio, dessen Echo schon Caravaggio beeindruckte und der den Namen der Höhle geprägt haben soll. Tickets vorab online kaufen und früh morgens oder spät nachmittags kommen – mittags fehlt der Schatten.
Auf Ortigia, wenn Atmosphäre zählt: Die Altstadtinsel versammelt Boutique-Hotels in Barockpalazzi, Markt, Restaurants und Abendleben auf einem Quadratkilometer. Ruhiger und oft günstiger liegt die Borgata Santa Lucia auf dem Festland, eine Viertelstunde zu Fuß entfernt. Wer Pool und Meerzugang sucht, wohnt im Resort auf der Maddalena-Halbinsel am Plemmirio.
Pasta mit Seeigel oder mit Sarde, gegrillten Schwertfisch und den Fang des Tages aus dem Ionischen Meer. Am Markt gehören die belegten Brote vom Caseificio Borderi zur Pflicht, dazu Mandeln aus dem nahen Avola – als Granita zum Frühstück mit Brioche. Im Glas: Weißweine aus dem Val di Noto und Nero d'Avola, der seinen Namen aus der Nachbarschaft hat.
Noto, die barocke Bühnenstadt, liegt eine gute halbe Stunde entfernt und ist per Bus oder Zug erreichbar. Das Naturreservat Vendicari verbindet Dünenstrände mit Flamingo-Lagunen, das Fischerdorf Marzamemi hängt gleich dahinter. Richtung Hinterland warten die Felsnekropole von Pantalica – gemeinsam mit Syrakus Welterbe – und auf halber Strecke nach Catania der Ätna für einen langen Vulkantag.
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