Wer Syrakus kennt, denkt zuerst an Ortigia, an den Dom und die Aretusa-Quelle. Doch wer die Stadt wirklich verstehen will, fährt ein Stück weiter nach Süden – auf die Halbinsel Maddalena und in das Naturschutzgebiet Plemmirio. Hier endet der Stadtlärm abrupt, und was beginnt, ist eine Küstenlandschaft aus zerklüfteten Kalksteinfelsen, türkisfarbenem Tiefwasser und dem leisen Rauschen des Ionischen Meers.
Das Riserva Naturale Marina del Plemmirio gehört zu den bedeutendsten Meeresschutzgebieten Siziliens. Unter der Wasseroberfläche wächst Posidonia-Seegras in Wiesen, die als Kinderstube für Fische und Tintenfische dienen; Taucher aus ganz Europa reisen gezielt hierher, um die Grotten und Unterwasserfelsen der Küste zu erkunden. Der Einstieg an der Punta del Fanale – dem markanten Leuchtturmpunkt am südöstlichen Zipfel – ist legendär unter Freitauchern und Schnorchlern: Das Wasser ist so klar, dass man den Grund noch in mehreren Metern Tiefe lesen kann.
An Land wechseln sich kleine Buchten mit flachen Felsplatten ab, auf denen Einheimische ihre Handtücher ausbreiten, weit weg von den Massenstränden. Die Cala Rossa ist eine dieser Buchten – kaum beschildert, nur über einen schmalen Pfad erreichbar und deshalb auch im August ruhiger als die großen Lidi der Umgebung. Wer früh morgens kommt, hat die Aussicht auf Syrakus und Ortigia mit dem Sonnenaufgang hinter sich fast für sich allein.
Die Maddalena-Halbinsel selbst ist dünn besiedelt. Kleine Ferienhäuser und vereinzelte Agriturismi verstecken sich hinter Feigenkakteen und Oleanderbüschen. Das Angebot an Restaurants und Hotels in Plemmirio und auf der Maddalena-Halbinsel ist bewusst überschaubar – wer hier übernachtet, sucht Ruhe und Natur, keine Hotelanimation. Tavernen mit Blick aufs Meer servieren frisch gegrillten Schwertfisch und Ricci di Mare, die Seeigel, die in den Schutzgewässern gedeihen. Der Wein kommt aus der nahen Noto-Ebene, trocken und mineralisch wie der Fels, auf dem die Reben stehen.
Für Familien mit Kindern, Taucher, Naturliebhaber und alle, die dem Trubel von Ortigia entfliehen wollen, ist die Kombination aus Meeresschutzgebiet, einsamen Buchten und der Nähe zur Syrakuser Innenstadt ein echter Vorzug. Man lebt hier zwischen zwei Welten: abends in der Barockstadt, tagsüber am Fels über dem Ionischen Meer.

Area Marina Protetta del Plemmirio
Meeresschutzgebiet auf der Maddalena-Halbinsel südlich von Syrakus, seit 2004 geschützt – weiße Kalkterrassen, Grotten, Buchten zum Felsbaden und eines der besten Tauchreviere Siziliens.
Meeresschutzgebiet seit 2004 auf der Maddalena-Halbinsel