
◆ STADT · EMILIA-ROMAGNA
Parma trägt seinen Ruhm mit Understatement: Hier reift der Parmigiano Reggiano, hier hängen die Schinken in den Kellern von Langhirano – und doch wirkt die Stadt nie wie ein Museum ihrer selbst. Unter der Kuppel des Doms wirbelt Correggios Himmelfahrt Mariens gen Himmel, im achteckigen Battistero aus rosa Veroneser Marmor meißelte Benedetto Antelami das Mittelalter in Stein, und am Teatro Regio richtet das wohl strengste Opernpublikum Italiens über jede Verdi-Premiere. Dazwischen: Radfahrer auf Kopfsteinpflaster, gelbe Fassaden im Abendlicht und Salumerie, deren Schaufenster wie Stillleben aussehen. Parma ist die Hauptstadt der italienischen Food Valley – und eine der elegantesten Kleinstädte des Landes.

Parma wuchs an der römischen Via Emilia heran, doch sein Selbstbewusstsein verdankt es den Herzögen: 1545 machte Papst Paul III. seinen Sohn Pier Luigi Farnese zum Herzog von Parma und Piacenza, und die Farnese bauten die Stadt zur Residenz aus – mit dem monumentalen Pilotta-Komplex und dem um 1618 errichteten Teatro Farnese, einem hölzernen Hoftheater von atemberaubender Größe. Im 19. Jahrhundert regierte dann Maria Luigia, Napoleons zweite Frau, das kleine Herzogtum von 1816 bis 1847 – die Parmigiani verehren ihre 'Duchessa' bis heute. Sie ließ das Teatro Regio bauen, pflegte die Veilchen von Parma und gab der Stadt jene habsburgisch-französische Eleganz, die man noch immer spürt.
Die zweite Säule des parmigianischen Selbstverständnisses steht in den Reifekellern des Umlands. Südlich der Stadt, in den Hügeln um Langhirano, trocknet der Prosciutto di Parma in der Luft der Apenninentäler; in den Käsereien der Ebene werden jeden Morgen die Laibe des Parmigiano Reggiano geschöpft; an den nebligen Po-Auen bei Zibello reift der Culatello, der König der italienischen Salumi. Seit 2015 trägt Parma den Titel einer UNESCO Creative City of Gastronomy, 2020/21 war es Italiens Kulturhauptstadt – und in den Trattorien der Stadt schmeckt man, dass beides zusammengehört: Tortelli d'erbetta mit brauner Butter, Anolini in brodo, Torta fritta mit hauchdünnem Schinken.
Und dann ist da die Musik. Giuseppe Verdi wurde 1813 in Le Roncole bei Busseto geboren, keine 40 Kilometer entfernt, und Parma betrachtet ihn als Familienmitglied: Jeden Herbst feiert das Festival Verdi seine Opern, und im Teatro Regio sitzt mit dem Loggione ein Publikum, das als das gnadenloseste Italiens gilt. Arturo Toscanini, der Jahrhundertdirigent, kam 1867 im Arbeiterviertel Oltretorrente zur Welt – sein Geburtshaus am Rand des Parco Ducale ist heute ein kleines Museum. Wer Parma verstehen will, geht abends über die Strada Farini, ein Glas Malvasia in Reichweite, und hört einfach zu.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel




· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Correggio & Antelami
Vom Dom, in dessen Kuppel Correggios Himmelfahrt Mariens (1526–1530) in einem Wirbel aus Wolken und Gliedmaßen aufsteigt, sind es nur Schritte zum Battistero, an dem Benedetto Antelami ab 1196 den Übergang von der Romanik zur Gotik in rosa Marmor formte. Danach: Parmigianinos Fresken in der Steccata und die Camera di San Paolo, Correggios frühes Meisterwerk im ehemaligen Benediktinerinnenkloster.
Food Valley
Die heilige Dreifaltigkeit der parmigianischen Küche erlebst du am besten vor Ort: morgens in einer Käserei, wenn die Laibe aus dem Kessel gehoben werden, mittags in den Schinken-Trocknereien von Langhirano, deren Fenster die Apenninenluft einlassen, und zum Abschluss mit einem Culatello aus den Nebelauen am Po. In der Stadt führen Salumerie und die Markthallen an der Piazza Ghiaia die Ernte des Umlands zusammen.
Verdi & Toscanini
Das Teatro Regio von 1829 ist Parmas heiliger Boden: Im Herbst gehört es dem Festival Verdi, das ganzjährig gefürchtete Loggione-Publikum urteilt unbestechlich. Tagsüber lässt sich das Haus besichtigen, und ein Spaziergang führt zum Geburtshaus Arturo Toscaninis im Oltretorrente. Wer mehr will, fährt nach Busseto und Le Roncole, wo Verdi 1813 geboren wurde – eine halbe Stunde durch die Po-Ebene.
Grünes Parma
Die Herzogin hinterließ der Stadt mehr als das Teatro Regio: Der Parco Ducale am Westufer des Flusses, einst Farnese-Garten, später französisch überformt, ist Parmas grüner Salon. Im Süden liegt die fünfeckige Cittadella, eine Festungsanlage der Farnese, heute Volkspark mit Laufbahn unter den Wällen. Dazwischen: Veilchenduft in den Parfümerien – die Violetta di Parma war Maria Luigias Lieblingsblume.
03 · Wann
Parma liegt in der Po-Ebene, und das Klima folgt ihren Regeln: milde, helle Übergangsjahreszeiten, ein heißer und oft schwüler Hochsommer und ein Winter, in dem der Nebel die Gassen weich zeichnet. Für Genießer ist der Herbst die erste Wahl – dann fallen Festival Verdi, Weinlese in den Colli und die neue Salumi-Saison zusammen.
04 · Häufige Fragen
April bis Juni und September bis Oktober sind ideal: mild, hell und voller Leben auf den Plätzen. Im Herbst kommen Festival Verdi und die Weinlese in den Colli di Parma dazu. Der Hochsommer ist schwül mit Werten über 30 °C, im Winter liegt oft Nebel über der Po-Ebene – der hat allerdings seinen eigenen Reiz und gehört zur Reifung des Culatello dazu.
Zwei volle Tage reichen für Dom, Battistero, Pilotta, Teatro Regio und das Oltretorrente. Wer die Food Valley erleben will – Käserei am Morgen, Prosciutto-Keller in Langhirano, Castello di Torrechiara –, plant einen dritten Tag ein. Parma ist damit ein ideales verlängertes Wochenende, gut kombinierbar mit Bologna oder Modena.
Am einfachsten mit dem Zug: Parma liegt an der Linie Mailand–Bologna, von Bologna fährt man rund eine Stunde, von Mailand etwa anderthalb. Der nächste größere Flughafen ist Bologna (BLQ), gut eine Stunde entfernt; Mailands Flughäfen sind eine Alternative. Der kleine Flughafen Parma (PMF) hat nur wenige Verbindungen.
Die Produktion läuft früh am Morgen – die meisten Käsereien empfangen Besucher gegen 8 bis 10 Uhr, wenn die Laibe aus den Kupferkesseln gehoben werden. Eine Anmeldung vorab ist Pflicht, entweder direkt beim Caseificio oder über eine geführte Food-Tour, die meist Käserei, Prosciutto-Trocknerei und teils einen Balsamico- oder Weinstopp kombiniert. Festes Schuhwerk und etwas Zeit für die anschließende Verkostung einplanen.
Tortelli d'erbetta (mit Ricotta und Mangold gefüllt, in brauner Butter geschwenkt), Anolini in brodo, Torta fritta mit Prosciutto di Parma und Culatello, dazu Parmigiano Reggiano in verschiedenen Reifestufen. Getrunken wird Malvasia aus den Colli di Parma oder ein leichter Lambrusco – beide passen besser zu den Salumi, als ihr Ruf vermuten lässt.
Unbedingt. Die Burg aus dem 15. Jahrhundert thront rund 18 Kilometer südlich der Stadt über den Weinbergen und Schinken-Trocknereien des Parma-Tals; die Camera d'Oro im Inneren zählt zu den schönsten profanen Freskenräumen Italiens. Am besten kombiniert man die Fahrt mit einer Prosciutto-Verkostung in Langhirano oder einer Weinprobe in den Colli di Parma.
05 · In der Nähe
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