Warum diese Stadt weiß ist und warum der Kalk hier mehr erzählt als jede Chronik
Ostuni sitzt auf den letzten Hügeln der Murgia, bevor das Land zur Adria hin ausläuft – besiedelt seit der Zeit der Messapier, geformt im Mittelalter, als sich die Stadt in immer engeren Spiralen um ihren höchsten Punkt wickelte. Das Weiß ist dabei keine Laune des Tourismus, sondern alte Praxis: Kalk war billig, er reflektierte das Sommerlicht in den engen Gassen, und in Pestzeiten galt das regelmäßige Kalken als Schutz vor Ansteckung. So wurde aus der Festungsstadt über die Jahrhunderte die Città Bianca, deren Bewohner ihre Mauern bis heute immer wieder neu streichen.
Der zweite Schatz Ostunis liegt unten in der Ebene. Zwischen Stadthügel und Küste erstreckt sich die Piana degli Ulivi Monumentali, eine der dichtesten Landschaften monumentaler Olivenbäume im Mittelmeerraum – knorrige Stämme, von denen viele seit weit über tausend Jahren Früchte tragen. Das Öl machte die Region reich; die weiß gekalkten Masserien mit ihren in den Fels gehauenen Ölmühlen waren ihre Fabriken. Heute pressen viele dieser Landgüter noch immer Öl und beherbergen daneben Gäste, vom Bio-Agriturismo bis zum Designhotel hinter jahrhundertealten Mauern.
Den Rhythmus der Stadt lernt man schnell: morgens durch die noch stillen Gassen der Terra steigen, mittags an die Buchten der Costa Merlata oder unter die Olivenbäume, abends zur Passeggiata auf die Piazza della Libertà und danach in eines der Gewölberestaurants der Altstadt. Ende August kippt Ostuni in den Ausnahmezustand, wenn zur Cavalcata di Sant'Oronzo geschmückte Reiter den Stadtpatron begleiten. travelperfect empfiehlt: zwei, drei Nächte mindestens – und die beliebten Restaurants der Altstadt im Sommer rechtzeitig reservieren.
