Wer die Weiße Stadt Ostuni von ihrer anderen Seite kennenlernen möchte, fährt hinunter zur Küste. Marina di Ostuni liegt rund 8 Kilometer vom historischen Stadtkern entfernt, direkt an der Adriaküste Apuliens – und das Tempo hier ist ein völlig anderes. Keine engen Gassen, keine Touristenströme um die Kathedrale: Stattdessen breite Sandstrände, flaches türkisblaues Wasser und das leise Klappern von Fischerbooten am frühen Morgen.
Der Ort selbst ist überschaubar, fast bescheiden. Entlang der Lungomare reihen sich Bars, kleine Restaurants und Ferienwohnungen aneinander – kein mondäner Badeort, sondern ein authentischer Küstenabschnitt, der vor allem von Familien aus der Region und Stammgästen geschätzt wird. Der Strand Torre Canne, der sich in unmittelbarer Nähe erstreckt, gehört zu den breitesten und saubersten der gesamten Murge-Küste. Das Wasser ist flach genug für Kinder, klar genug für Schnorchler.
Ein besonderes Merkmal der Gegend ist das Naturschutzgebiet Torre Guaceto, das wenige Kilometer südlich liegt. Das Meeresschutzgebiet zählt zu den bedeutendsten Italiens und bietet geführte Schnorchel- und Tauchtouren durch Posidonia-Wiesen und Felsenriffe. Wer morgens früh aufbricht, erlebt die Lagune in einem Licht, das kaum zu beschreiben ist – silbrig und still, bevor der Tagesverkehr einsetzt.
Zum Ausgehen in Marina di Ostuni kehrt man abends an die Strandpromenade zurück. Die Bars öffnen nach Sonnenuntergang, Aperitivo-Kultur wird hier ernst genommen: Ein Spritz oder ein lokaler Primitivo zum Sonnenuntergang über dem Adriatischen Meer gehört zum Abendprogramm dazu. Die Restaurants der Umgebung setzen auf frischen Fisch direkt vom Tagesmarkt – Orecchiette mit Meeresfrüchten, gegrillte Spigola und die typischen Antipasti-Platten mit Polpo und Gamberi sind keine Ausnahme, sondern Standard.
Für Reisende, die Apulien nicht nur von seinen Postkartenmotiven kennen möchten, ist Marina di Ostuni eine ehrliche Alternative zum Trubel der Altstadt. Hier übernachten, morgens barfuß ans Meer laufen und abends den Geruch von Salzwasser und Grillkohle einatmen – das ist das Lebensgefühl dieses kleinen Küstenviertels.

Parco Naturale Regionale Dune Costiere
Regionaler Naturpark zwischen Torre Canne und Torre San Leonardo, der Dünen, Wacholderheide und Feuchtgebiete mit alten Olivenhainen verzahnt und von der antiken Via Traiana durchzogen wird.
Küstennaturpark zwischen Torre Canne und Torre San Leonardo