Montepulciano liegt im Süden der Toskana zwischen dem Val di Chiana und dem Val d'Orcia, auf einem langgestreckten Tuffsteinhügel, der die Stadt schon von Weitem als Silhouette von Türmen und Kuppeln zeigt. Wer heraufkommt, betritt durch ein Stadttor den Corso – die Hauptachse, die in Serpentinen bergan führt, gesäumt von Renaissancepalästen, Weinkellern und Kirchen. Es ist ein steter, lohnender Aufstieg, an dessen Ende die Piazza Grande wartet.
Dieser Hauptplatz gehört zu den eindrucksvollsten Italiens: Hier stehen der Palazzo Comunale mit seinem Turm – der an den Palazzo Vecchio in Florenz erinnert und einen weiten Rundblick bietet –, der unvollendet wirkende Dom Santa Maria Assunta sowie elegante Adelspaläste und ein eleganter Brunnen mit zwei Löwen und Greifen. Die geschlossene Renaissance-Kulisse machte die Piazza zur beliebten Filmkulisse, unter anderem für Szenen der „Twilight“-Reihe.
Montepulcianos größter Ruhm aber ist sein Wein: Der Vino Nobile di Montepulciano, ein kraftvoller Rotwein vorwiegend aus der Sangiovese-Traube (lokal „Prugnolo Gentile“), zählt zu den ältesten und angesehensten Weinen Italiens und trägt das DOCG-Siegel. Unter der Stadt erstrecken sich jahrhundertealte Weinkeller, in den Tuffstein gegraben, in denen heute Weingüter ihre Flaschen reifen lassen und Verkostungen anbieten. Ein Besuch in einer dieser Cantine gehört für viele zum Pflichtprogramm.
Etwas unterhalb der Stadt, eingebettet in eine Zypressenallee, steht das Meisterwerk der Hochrenaissance: die Wallfahrtskirche San Biagio von Antonio da Sangallo dem Älteren, ein freistehender Zentralbau aus honigfarbenem Travertin, der in seiner klaren Geometrie als einer der vollkommensten Sakralbauten der Epoche gilt.
Montepulciano vereint so vieles, was die südliche Toskana ausmacht: Wein, Renaissance-Architektur, Hügelblicke über das Val d'Orcia und ein lebendiges Stadtleben in steilen Gassen. Trotz wachsender Besucherzahlen behält der Ort eine bäuerlich-noble Würde – eine Stadt, die ihren Wohlstand seit jeher aus dem umliegenden Land und seinen Reben zieht.






