Schon von Weitem verrät sich San Gimignano: Aus den sanften Hügeln des Elsa-Tals ragt ein Wald aus steinernen Türmen empor, der dem Städtchen den Beinamen „Manhattan des Mittelalters“ eingetragen hat. Von einst rund 70 Geschlechtertürmen, mit denen sich reiche Familien im 13. und 14. Jahrhundert gegenseitig überboten, stehen heute noch 14 – genug, um eine der eindrucksvollsten Silhouetten Italiens zu formen. Der höchste, die Torre Grossa, lässt sich besteigen und gibt den Blick über ein Toskana-Panorama frei, wie es auf keiner Postkarte schöner sein könnte.
Innerhalb der gut erhaltenen Stadtmauer verdichtet sich das Mittelalter zu einem fast unberührten Ensemble. Die Piazza della Cisterna mit ihrem alten Ziehbrunnen und die angrenzende Piazza del Duomo bilden das Herz, gesäumt von Patrizierhäusern aus warmem Sandstein. Die Collegiata, die romanische Stiftskirche, birgt im Inneren leuchtende Freskenzyklen, und in der Kirche Sant’Agostino erzählen Benozzo Gozzolis Fresken vom Leben des heiligen Augustinus. Seit 1990 zählt der historische Kern zum UNESCO-Welterbe.
San Gimignano ist auch ein Ort des Genusses. Von den Hängen ringsum stammt die Vernaccia di San Gimignano, ein trockener, mineralischer Weißwein – die erste italienische Appellation, die 1966 das DOC-Siegel erhielt. Dazu locken Trüffel aus den umliegenden Wäldern, Pecorino-Käse und – nicht zu vergessen – ein weltbekanntes Eis: Die Gelateria an der Piazza della Cisterna hat mehrfach Weltmeistertitel gewonnen.
Tagsüber drängen sich die Besucher in den Gassen; wer aber über Nacht bleibt, erlebt das andere San Gimignano. Wenn die Reisebusse abgefahren sind, fällt die Abendsonne golden auf die Türme, die Gassen leeren sich, und für ein paar Stunden gehört die mittelalterliche Stadt wieder sich selbst.

Chiesa di Sant'Agostino
Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert in San Gimignano mit Benozzo Gozzolis Freskenzyklus über den heiligen Augustinus.
Backsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert am ruhigen Nordende der Altstadt






