
◆ STADT · TOSKANA
Volterra ist die herbe Schwester der toskanischen Postkartenstädte: eine Bergstadt auf gut 500 Metern über den Tälern von Cecina und Era, von deren Mauern der Blick an klaren Tagen bis zum Meer reicht. Bevor Rom Weltmacht wurde, saß hier Velathri, eine der zwölf Städte des etruskischen Bundes – die Porta all'Arco aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. steht noch immer. Dazu kommen ein römisches Theater, mittelalterliche Gassen um die Piazza dei Priori und Werkstätten, in denen seit etruskischer Zeit Alabaster geschliffen wird. Volterra inszeniert sich nicht, es ist einfach da – steinern, still, eindrucksvoll, mit den zerklüfteten Balze vor den Toren als dramatischem Schlusspunkt.

Volterra war schon eine bedeutende Stadt, als Florenz noch nicht einmal gegründet war. Als Velathri gehörte der Ort zum Zwölfstädtebund der Etrusker; seine antike Stadtmauer umschloss ein Vielfaches der heutigen Fläche, und die Porta all'Arco mit ihren drei verwitterten Steinköpfen – ihre Deutung ist bis heute umstritten – führt seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. in die Stadt. Wie reich diese Kultur war, zeigt das Museo Etrusco Guarnacci mit Hunderten Aschenurnen aus Alabaster und der rätselhaft langgestreckten Bronzefigur Ombra della Sera. Im Sommer 1944 bewiesen die Volterraner, was ihnen ihr Tor bedeutet: Als die Wehrmacht es sprengen wollte, mauerten sie den Durchgang über Nacht mit Pflastersteinen zu – und retteten es.
Auch die folgenden Epochen haben ihre Schichten hinterlassen. Unterhalb der nördlichen Stadtmauer liegt das Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. erbaute römische Theater, gestiftet von der einflussreichen Volterraner Familie der Caecina und erst in den 1950er-Jahren wieder freigelegt. Das Mittelalter verdichtete die Stadt zu dem, was sie heute ist: An der strengen Piazza dei Priori entstand ab 1208 der älteste Kommunalpalast der Toskana, Vorbild für den Palazzo Vecchio in Florenz. 1472 endete die Unabhängigkeit blutig – florentinische Truppen plünderten die Stadt, und Lorenzo il Magnifico ließ zur Kontrolle die Fortezza Medicea errichten, die bis heute als Gefängnis dient.
Und dann ist da der Alabaster. Seit etruskischer Zeit wird das durchscheinende Gestein aus den umliegenden Hügeln in Volterra verarbeitet, und noch immer dringt aus den Werkstätten der Gassen das Geräusch von Raspel und Schleifpapier. Die Pinacoteca im Palazzo Minucci-Solaini bewahrt mit Rosso Fiorentinos Kreuzabnahme von 1521 ein Schlüsselwerk des Manierismus, und seit Stephenie Meyer die Stadt zur Heimat der Volturi erklärte, pilgern auch Twilight-Fans herauf – verfilmt wurde freilich in Montepulciano. Am schönsten ist Volterra abends, wenn die Tagesbusse fort sind: Dann gehört die Stadt wieder dem Wind, den Schwalben und den Einheimischen.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Etruskisches Erbe
Der Rundgang beginnt am Guarnacci-Museum mit seinen über 600 Aschenurnen und der Ombra della Sera, führt durch die Gassen hinab zur Porta all'Arco und hinauf zum Parco Archeologico Enrico Fiumi, wo die Fundamente etruskischer Tempel auf der einstigen Akropolis liegen. Kaum eine andere Stadt Italiens macht die Welt vor den Römern so greifbar – und das weitgehend ohne Gedränge.
Das weiße Gold
Seit etruskischer Zeit wird in Volterra Alabaster geschliffen – heute lässt sich das Handwerk in den verbliebenen Werkstätten der Altstadt aus nächster Nähe erleben, etwa entlang der Via Porta all'Arco. Wer kaufen will, achtet auf den Hinweis 'lavorazione propria', also eigene Fertigung; der Alabaster-Bereich der städtischen Museen erzählt die Geschichte des Materials vom Grabgefäß bis zur Designerlampe.
Mittelalter & Panorama
Volterras strenger Hauptplatz mit dem ältesten Kommunalpalast der Toskana ist der Auftakt; weiter geht es zum romanischen Dom mit Baptisterium und auf die Stadtmauer an der Via Lungo le Mura del Mandorlo, von der aus das römische Theater zu Füßen liegt. An klaren Tagen reicht der Blick über das Hügelland bis zum Tyrrhenischen Meer.
Balze & Umland
Vor der Porta San Francesco führen die Borghi hinaus zu den Balze, deren Erosionswände schon etruskische Gräber und eine Abtei verschluckt haben – am schönsten im Abendlicht. Mit dem Auto liegen San Gimignano und die Vernaccia-Weinberge nur eine gute halbe Stunde entfernt, und das Val di Cecina lockt mit Agriturismi und Trüffelwäldern.
03 · Wann
Volterra liegt gut 500 Meter hoch und damit klimatisch spürbar über den toskanischen Tälern: Die Sommer sind heiß, aber von Wind durchzogen und abends angenehm kühl, die Winter rau und still. Frühling und Herbst sind die Idealzeiten – klare Fernsicht, mildes Licht auf dem Stein und ab Oktober der weiße Trüffel aus den Wäldern des Val di Cecina.
04 · Häufige Fragen
Die Highlights – Guarnacci-Museum, Piazza dei Priori, Porta all'Arco, römisches Theater und eine Alabasterwerkstatt – passen in einen vollen Tag. Wer bleibt, erlebt den eigentlichen Zauber: Nach Abfahrt der Tagesbusse gehören die Gassen wieder den Einheimischen, und das Abendlicht über dem Hügelland ist allein die Übernachtung wert. Ideal sind ein bis zwei Nächte, auch als Etappe zwischen San Gimignano und der Küste.
Volterra hat keinen eigenen Bahnhof in der Stadt. Üblich ist die Anreise per Regionalzug bis Pontedera (an der Linie Florenz–Pisa) und weiter mit dem Überlandbus, alternativ per Bus über Colle di Val d'Elsa von Siena her. Die Verbindungen sind werktags ordentlich, sonntags dünn – wer flexibel sein will, nimmt den Mietwagen über die kurvige SR68.
Unbedingt. Es zählt zu den ältesten öffentlichen Museen Europas – hervorgegangen aus der Schenkung des Gelehrten Mario Guarnacci von 1761 – und besitzt mit über 600 Aschenurnen sowie der Bronzefigur Ombra della Sera eine der wichtigsten Etrusker-Sammlungen überhaupt. Mit der Volterra Card lassen sich Guarnacci, Pinacoteca und die Ausgrabungen kombinieren.
In Stephenie Meyers Romanen residieren die Volturi, die mächtigste Vampirfamilie, in Volterra – gedreht wurde 'New Moon' allerdings im Städtchen Montepulciano. Die Stadt nimmt es mit Humor; wer mag, findet Führungen zu den Schauplätzen der Bücher.
Gute Blickpunkte liegen an der Kirche San Giusto Nuovo und entlang der Straße Richtung Pisa, rund 25–35 Gehminuten von der Piazza dei Priori. Das beste Licht gibt es am späten Nachmittag. Wichtig: Abstand zur Abbruchkante halten, der Untergrund aus Sand und Ton ist brüchig.
Deftiges aus dem Hügelland: Zuppa alla Volterrana (Brot-Gemüse-Suppe), Pici und Pappardelle mit Wildschweinragù, Taube, Pecorino – und im Herbst weißen Trüffel aus dem Val di Cecina. Dazu Rotweine aus der Umgebung oder eine Vernaccia aus dem nahen San Gimignano.
05 · In der Nähe
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