Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Pisa
Der Campo dei Miracoli liegt am nordwestlichen Rand der Altstadt, alles andere spielt sich zwischen ihm und dem Arno ab – zu Fuß sind das keine zwanzig Minuten.
Das Ensemble auf dem Campo dei Miracoli ist ein Bauprogramm über 250 Jahre und wirkt trotzdem wie aus einem Guss. Den Anfang machte 1063 der Dom Santa Maria Assunta unter dem Baumeister Buscheto, finanziert aus der Beute einer Seeschlacht und in einer Formensprache errichtet, die man seither pisanische Romanik nennt – gestreifter Marmor, übereinandergestapelte Zwergsäulengalerien, byzantinische und islamische Anleihen. Ab 1152 kam an der Westseite das runde Battistero San Giovanni von Diotisalvi hinzu, ab 1173 der freistehende Campanile, der später berühmter werden sollte als alles andere, und ab 1277 an der Nordkante der ummauerte Friedhofskreuzgang Camposanto Monumentale. Seit 1987 steht die gesamte Piazza auf der Welterbeliste der UNESCO. Was das Ensemble so ungewöhnlich macht, ist die Rasenfläche darunter, die man in italienischen Städten sonst kaum findet und die den vier Bauten den Maßstab einer Skulpturengruppe gibt.
Zwei Gassen südöstlich beginnt das Pisa, das nicht auf Postkarten steht. Die Piazza dei Cavalieri war seit dem Mittelalter der politische Platz der Stadtrepublik, bis Giorgio Vasari sie ab 1562 im Auftrag der Medici zum Forum des Ritterordens von Santo Stefano umbaute. Der Palazzo della Carovana bekam die geschwungene Doppeltreppe und eine komplett mit Sgraffito überzogene Fassade, dahinter arbeitet heute die Scuola Normale Superiore. In der zugehörigen Ordenskirche hängen osmanische Fahnen, die die Galeeren des Ordens erbeuteten. Und im Palazzo dell'Orologio an der Nordseite steckt der Rest des Turms, in dem Dante im 33. Gesang des Inferno den Grafen Ugolino della Gherardesca verhungern lässt – von den vollen Arkaden des Borgo Stretto trennen den Platz keine drei Minuten Fußweg, vom Gedränge auf dem Campo kaum zehn.
Die zweite Achse ist der Fluss. Die Lungarni, die Uferstraßen zu beiden Seiten des Arno, sind in Pisa breiter und geradliniger als in Florenz und deshalb der beste Ort, um die Stadt als Ganzes zu sehen. Am Lungarno Gambacorti steht Santa Maria della Spina, eine gotische Kirche in Kapellengröße, deren Außenhaut aus Fialen, Tabernakeln und Figuren der Pisano-Werkstatt besteht; 1871 wurde sie Stein für Stein abgetragen und höher wieder aufgebaut, weil der Standort zu tief lag und das Hochwasser des Arno dem Bauwerk zunehmend zusetzte. Wenige Schritte weiter leuchtet der Palazzo Blu, Pisas Haus für große Kunst- und Fotoausstellungen. Am gegenüberliegenden Ufer versammelt das Museo Nazionale di San Matteo in einem ehemaligen Benediktinerinnenkloster die pisanische Malerei und Skulptur des 12. bis 15. Jahrhunderts, darunter Arbeiten der Pisano-Familie und eine der wichtigsten Tafelbildsammlungen der Toskana außerhalb von Florenz.
Der Rest verteilt sich auf kurze Wege. Der Orto Botanico wurde 1543 im Auftrag Cosimos I. angelegt und gilt als der älteste botanische Universitätsgarten der Welt, er liegt nur wenige Schritte hinter dem Campo und ist ein guter Ort, um dem Andrang für eine halbe Stunde zu entkommen. Südlich des Arno trägt die Wand der Kirche Sant'Antonio Abate das Wandbild Tuttomondo, das Keith Haring 1989 als eines seiner letzten öffentlichen Werke ausführte – dreißig tanzende Figuren auf einer Hausfassade, wenige Minuten vom Bahnhof entfernt. Und im Osten der südlichen Altstadt öffnet sich hinter den Backsteinmauern der Fortezza Nuova der Giardino Scotto, Pisas Stadtpark am Fluss, in dem im Sommer Konzerte und ein Freiluftkino stattfinden.

















