Wer Pisa kennenlernen will, ohne sich dabei zwischen Reisegruppen und Selfie-Stangen zu drängen, findet im Quartiere San Francesco einen anderen Rhythmus. Das Viertel erstreckt sich östlich des historischen Zentrums und trägt den Namen der Kirche San Francesco, deren schlanker Campanile über die Dächer der umliegenden Palazzi ragt. Hier beginnt die Stadt, sich selbst zu gehören.
Die Gassen rund um die Piazza San Francesco sind geprägt von ockergelben Fassaden, deren Putz die Feuchtigkeit der Arno-Nähe trägt. Morgens öffnen kleine Alimentari ihre Holzläden, Rentner nehmen ihren Espresso an der Theke, und Studierende der Università di Pisa eilen mit Rucksäcken durch die Via San Francesco. Die Universität prägt das Viertel spürbar: Buchläden, günstige Trattorie und lebhafte Abende in kleinen Bars gehören zum Alltag.
Die Kirche San Francesco selbst ist ein gotisches Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert, das im Vergleich zum überfüllten Camposanto erstaunlich ruhig zu besuchen ist. Im Inneren finden sich Fresken und Grabmäler, die kaum jemand kennt. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der Palazzo Agostini, eines der bemerkenswertesten gotischen Stadtpalazzi Pisas, dessen Terrakotta-Dekor an der Fassade auch nach Jahrhunderten noch Details erzählt.
Entlang des Lungarno Mediceo, der nördlichen Arno-Uferstraße, öffnet sich das Viertel zum Fluss hin. Abends, wenn das Licht auf dem Wasser flirrt und die Silhouette der Kirche Santa Maria della Spina flussaufwärts zu sehen ist, versteht man, warum Pisaner diesen Abschnitt der Stadt ihren Freunden zeigen statt dem Schiefen Turm. Das Quartiere San Francesco ist kein Schaufenster, sondern ein Wohnzimmer.

Museo Nazionale di San Matteo
Museum in einem ehemaligen Benediktinerinnenkloster am Lungarno Mediceo mit der wichtigsten Sammlung pisanischer Kunst des 12. bis 15. Jahrhunderts.
Wichtigste Sammlung pisanischer Kunst des 12. bis 15. Jahrhunderts