Das Museo Nazionale di San Matteo ist der vielleicht unterschätzteste Kulturort Pisas. Untergebracht in einem ehemaligen Benediktinerinnenkloster am Lungarno Mediceo, direkt am Arno, versammelt es die wichtigste Sammlung pisanischer Kunst vom 12. bis zum 15. Jahrhundert. Wer verstehen will, welche künstlerische Kraft die Seerepublik in ihrer Blütezeit entfaltete, findet hier den Schlüssel dazu – an einem Ort, den die meisten Besucher übersehen. Die Sammlung ist außergewöhnlich dicht. Zu den Höhepunkten zählen die bemalten Großkreuze, jene monumentalen Kruzifixe, die für die toskanische Malerei des Mittelalters prägend waren, sowie Skulpturen aus der Werkstatt der Pisano, die die europäische Bildhauerei revolutionierten. Hinzu kommen Spitzenwerke einzelner Meister: Simone Martinis Polyptychon, Masaccios Darstellung des heiligen Paulus und Donatellos Reliquienbüste des San Rossore, ein Schlüsselwerk der Frührenaissance-Skulptur. Diese Dichte an erstrangigen Werken macht das Haus zu einem der bedeutendsten Kunstmuseen der Toskana. Der eigentliche Reiz liegt jedoch in der Ruhe. Weil die meisten Besucher an der Piazza dei Miracoli hängenbleiben und Pisa nach dem Pflichtfoto am Turm wieder verlassen, sind die Säle des San Matteo oft fast menschenleer. Man kann hier Werke von Weltrang in einer Ruhe betrachten, die in den großen Museen von Florenz undenkbar wäre – einer der lohnendsten stillen Museumsbesuche der ganzen Region. Das Museum ist kostenpflichtig und liegt nur einen kurzen Spaziergang vom Zentrum entfernt am Flussufer. Wer Pisa mehr als nur einen Tagesstopp widmet und sich für Kunst interessiert, sollte es fest einplanen.
Die bemalten Großkreuze frontal aufnehmen, sofern Fotografieren erlaubt ist.





























