Im gotischen Palazzo Neri-Orselli, einem der ältesten Profanbauten Montepulcianos, versammelt das Museo Civico Pinacoteca Crociani die Kunstgeschichte der Stadt unter einem Dach. Den Grundstock bildet die Sammlung des Stifters Francesco Crociani, ergänzt um Werke aus aufgelösten Kirchen und Klöstern der Umgebung. So entsteht ein Rundgang, der von der etruskischen Frühzeit über das sienesische Mittelalter bis in die Renaissance und das Barock führt. Zu den Glanzstücken gehören die glasierten Terrakotten aus der Werkstatt der della Robbia, deren leuchtende Blau- und Weißtöne in den steinernen Sälen besonders zur Geltung kommen. Daneben hängen sienesische Tafelbilder mit ihren goldenen Hintergründen, und in den unteren Räumen erinnern etruskische Funde daran, dass die Hügel um Montepulciano schon lange vor den Renaissance-Palästen besiedelt waren. Die Gemäldesammlung deckt mehrere Jahrhunderte ab und gibt einen konzentrierten Überblick über die Malerei der Region. Für Schlagzeilen über die Region hinaus sorgte ein Herrenporträt, das Forscher dem jungen Caravaggio zuschreiben. Ob die Zuschreibung endgültig gesichert ist, wird in der Fachwelt weiter diskutiert, doch das Museum inszeniert das Bild als Höhepunkt des Rundgangs – ein dunkles, intensives Männerporträt, das die Aufmerksamkeit sofort auf sich zieht. Insgesamt ist das Museo Crociani ein angenehm unaufgeregtes Haus: Es ist selten überlaufen, die Wege sind kurz, und der gotische Palazzo selbst gehört zum Erlebnis. Damit eignet es sich besonders für die heißen Mittagsstunden, wenn die Gassen der Altstadt in der Sonne liegen und man zwischen einem Rundgang über die Piazza Grande und einer Weinprobe eine ruhige, kühle Stunde sucht.
Die blau-weißen della-Robbia-Terrakotten gegen die dunklen Steinwände aufnehmen.
