Montepulcianos Rathaus erinnert nicht zufällig an den Palazzo Vecchio in Florenz. Die Travertinfassade mit ihren Zinnen und dem hohen Turm gestaltete im 15. Jahrhundert Michelozzo, der Hausarchitekt der Medici. Damit setzte die Stadt ein steinernes Bekenntnis zu ihrer Schutzmacht: Wer aus dem Val di Chiana heraufkam, sollte sofort erkennen, in wessen Einflusssphäre Montepulciano stand. Der Palazzo Comunale steht an der Piazza Grande, dem höchsten Punkt der Altstadt, und bildet zusammen mit dem Dom und den Adelspalästen das geschlossene Renaissance-Ensemble des Platzes. Bis heute wird im Palazzo regiert – das Erdgeschoss und mehrere Säle dienen der Stadtverwaltung. Besucher kommen jedoch vor allem für ein Erlebnis: den Aufstieg auf den Turm. Über schmale, teils steile Treppen geht es nach oben bis zur Aussichtsplattform, von der sich an klaren Tagen ein außergewöhnlich weites Panorama öffnet. Der Blick reicht über das Val di Chiana und das Val d'Orcia bis zum markanten Kegel des Monte Amiata, und nach Osten hin sind der Trasimenische See und die Hügel Umbriens zu erkennen. Wer früher schon das Hochland Toskanas durchquert hat, ordnet von hier oben die ganze Landschaft in einem Rundblick. Der Aufstieg ist nichts für Eilige oder Menschen mit Höhenangst: Die Treppen sind eng, die letzte Etappe führt durch das Mauerwerk des Turms. Oben ist der Platz begrenzt, und an Sommernachmittagen kann es voll werden. Wer das Panorama in Ruhe genießen will, kommt am besten am Vormittag oder gegen Abend, wenn das Licht flacher steht und die Hügel plastischer wirken. Der Besuch verlangt ein Ticket, lohnt sich aber für jeden, der Montepulcianos Lage zwischen den großen toskanischen Tälern wirklich verstehen möchte – kein anderer Punkt der Stadt bietet diesen Überblick.
Vom Turm aus die drei Täler im Panorama festhalten.
