Wer die Via Monte San Michele hinaufgeht, begreift schnell, warum Alberobello auf der UNESCO-Welterbeliste steht: Rione Monti breitet sich den Hügel hinauf aus wie ein versteinerndes Märchen. Über 1.000 Trulli drängen sich hier auf engstem Raum, ihre weißgetünchten Kalksteinmauern und grauen Kegeldächer bilden eine Silhouette, die sich tatsächlich von keiner anderen Stadt der Welt kopieren lässt. Die Gassen sind schmal genug, dass man beim Schlendern die kühle Steinwand mit dem Handrücken berühren kann – und das ist kein Nachteil, sondern das Wesen dieses Ortes.
Rione Monti ist das größte und bekannteste der beiden Trulli-Viertel Alberobello. Die Architektur geht auf eine jahrhundertealte Bautradition zurück: Trulli wurden ohne Mörtel errichtet, damit sie bei Steuerkontrollen schnell abgetragen werden konnten – eine Geschichte, die man beim Anblick der präzise geschichteten Steine kaum glauben möchte. Heute sind viele der Trulli zu kleinen Läden, Restaurants, Bed-and-Breakfasts und Kunstgalerien umgebaut worden, ohne dass der Charakter der Anlage verloren gegangen wäre. Wer früh morgens durch die Gassen geht, bevor die Reisegruppen eintreffen, erlebt das Viertel in einer fast unwirklichen Stille.
Das Viertel zieht sich um die Piazza Sacramento und die Kirche Sant'Antonio, die selbst in Trulli-Form erbaut wurde – ein seltenes Beispiel sakraler Trulli-Architektur. Entlang der Hauptachse reihen sich Souvenirläden mit handgefertigter Keramik, Olivenölspezialitäten aus Apulien und lokalen Textilien. Wer genauer hinschaut, findet zwischen den touristischen Angeboten auch Werkstätten, in denen Handwerker noch aktiv an der Erhaltung der Trulli arbeiten.
Für Reisende, die in Rione Monti übernachten, gibt es eine besondere Erfahrung: Mehrere Trulli wurden zu authentischen Unterkünften umgebaut, in denen man die kreisrunden Innenräume, die natürliche Kühle des Kalksteins und die eigentümliche Akustik unter dem Kegel hautnah erlebt. Abends, wenn das Tagestouristen-Rauschen abebbt, gehören die Gassen fast wieder den Einheimischen – und dem Licht der alten Steinlaternen.

Chiesa a Trullo di Sant'Antonio
Kirche von 1926/27 auf dem höchsten Punkt des Rione Monti, deren rund zwanzig Meter hohe Kegelkuppel die Trulli-Architektur ins Sakrale übersetzt.
Auf dem höchsten Punkt des Rione Monti gelegen