Der Fiumelatte zählt zu den kürzesten Flüssen Italiens: Knapp 250 Meter liegen zwischen seiner Quelle und der Mündung in den Comer See. Sein Name – 'Milchfluss' – verdankt sich dem milchweiß schäumenden Wasser, das auf dem kurzen, steilen Weg talwärts so stark aufgewühlt wird, dass es weiß erscheint. Der gleichnamige Weiler südlich von Varenna trägt seinen Namen ebenfalls nach diesem ungewöhnlichen Gewässer. Das eigentliche Rätsel des Fiumelatte ist seine Unregelmäßigkeit: Er fließt nur von etwa März bis Oktober, im Winter versiegt er fast vollständig. Diese saisonale Erscheinung hat seit jeher die Fantasie angeregt – schon Leonardo da Vinci notierte das Phänomen in seinem Codex Atlanticus und versuchte, dem Geheimnis des plötzlich auftretenden und wieder verschwindenden Wassers auf den Grund zu gehen. Die Erklärung liegt im Karstsystem der umliegenden Berge, dessen unterirdische Wasserstände den Zufluss steuern. Ein kurzer, aber teils steiler Fußweg führt vom Weiler Fiumelatte hinauf zur Quellgrotte, aus der das Wasser hervortritt. Der Aufstieg lohnt sich nicht nur wegen des Flusses selbst: Weiter oben öffnet sich der Blick über die Seegabelung, wo sich der Comer See in seine drei Arme teilt. Festes Schuhwerk ist ratsam, da der Pfad uneben sein kann. Der Besuch ist kostenlos und lässt sich gut mit den Gärten der Villa Monastero verbinden, die direkt nebenan liegen, sowie mit einer Wanderung auf dem Sentiero del Viandante. Wer Varenna abseits der Uferpromenade erleben und ein echtes Naturphänomen sehen will, sollte den Fiumelatte in der wasserführenden Zeit zwischen Frühjahr und Herbst einplanen – im Winter steht das Bachbett meist trocken.
Das milchweiße Wasser in der wasserführenden Zeit aus der Nähe fotografieren






























