Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Bergamo
Fast alles, was du in Bergamo sehen willst, liegt oben in der Città Alta – und dort in einem Umkreis von wenigen hundert Metern.
Der Bezugspunkt ist die Piazza Vecchia. An der einen Seite steht der Palazzo della Ragione aus dem 12. Jahrhundert, einer der ältesten Kommunalpaläste Italiens, dessen offener Arkadengang die Piazza mit der Piazza Duomo dahinter verbindet; hinauf führt die überdachte Scala dei Giuristi. Daneben ragt der Campanone auf, der mittelalterliche Stadtturm, den ein Aufzug erschließt und der abends um zehn Uhr hundert Schläge über die Dächer schickt – früher das Signal, dass die Stadttore geschlossen wurden. Gegenüber steht der Palazzo Nuovo mit der Biblioteca Civica Angelo Mai, dessen helle Marmorfassade nach einem Entwurf Vincenzo Scamozzis von 1604 erst 1928 vollendet wurde, und in der Mitte des Platzes steht der Contarini-Brunnen von 1780 mit seinen steinernen Löwen. Setz dich hier nicht mittags hin, sondern früh: Vor neun Uhr ist der Platz fast leer, und genau dann versteht man, warum Architekten seit jeher von diesem Raum schwärmen.
Durch die Arkaden hindurch öffnet sich die Piazza Duomo, auf engstem Raum vollgestellt mit Kirchenbauten. Die Basilica di Santa Maria Maggiore wurde ab 1137 begonnen und hat bis heute keine eigene Fassade – man betritt sie seitlich durch die von Giovanni da Campione gebauten Löwenportale. Innen erwartet dich kein romanischer Raum, sondern eine barocke Überwältigung aus Stuck, Wandteppichen und vergoldetem Holz; wichtiger als all das sind die Intarsien des Chorgestühls nach Entwürfen von Lorenzo Lotto und das Grabmal Gaetano Donizettis am Ende des Langhauses. Der Eintritt kostet nichts. Direkt angebaut steht die Cappella Colleoni, ab 1472 von Giovanni Antonio Amadeo als Grabkapelle für den Söldnerführer Bartolomeo Colleoni errichtet, mit einer Fassade aus weißem, rotem und schwarzem Marmor in Rautenmustern, die eher an einen Reliquienschrein erinnert als an ein Gebäude; die Deckenfresken malte Giovanni Battista Tiepolo im 18. Jahrhundert.
Das zweite große Thema sind die Mauern. Der venezianische Ring aus dem 16. Jahrhundert läuft über sechs Kilometer um die Oberstadt, oben führt ein fast durchgehender Weg auf und neben der Mauerkrone entlang, streckenweise als Straße mit Verkehr, und vier Tore führen hindurch: Porta Sant'Agostino, Porta San Giacomo aus weißem Marmor, Porta Sant'Alessandro und Porta San Lorenzo. Am östlichen Ende der Oberstadt thront die Rocca in einem Park mit Kriegerdenkmal und Blick über die Ebene, am westlichen Ende die Cittadella der Visconti an der Piazza Mascheroni, in deren Gebäuden heute das Naturkundemuseum und das Archäologische Museum sitzen. Wer mit Kindern reist, hat mit diesen beiden Museen und dem freien Auf und Ab auf den Bastionen einen halben Tag gefüllt, ohne dass unterwegs jemand stillsitzen muss.
Unterhalb der Mauern wird es kunsthistorisch ernst. Die Accademia Carrara, 1796 vom Grafen Giacomo Carrara gestiftet und nach jahrelanger Restaurierung wieder zugänglich, zeigt italienische Malerei vom 15. bis ins 19. Jahrhundert – Bellini, Mantegna, Botticelli, Raffael, Lotto und vor allem Giovan Battista Moroni, den Porträtisten der Bergamasker Oberschicht, der hier so vollständig hängt wie nirgends sonst. Gegenüber, in einem ehemaligen Kloster, arbeitet die GAMeC mit moderner und zeitgenössischer Kunst und wechselnden Ausstellungen. Und unten am Sentierone steht das Teatro Donizetti, 2020 nach umfassender Sanierung wiedereröffnet, dazu das Museo Donizettiano in der Oberstadt und die Geburtswohnung des Komponisten im Borgo Canale unterhalb der Mauern.








































