Wer Bergamo abseits der touristischen Hauptrouten erleben möchte, findet in Borgo Pignolo eine der aufschlussreichsten Straßen der Stadt. Die gleichnamige Via Borgo Pignolo zieht sich als langgezogene Achse durch die Unterstadt – Città Bassa – und verbindet das geschäftige Zentrum mit den Aufgängen zur mittelalterlichen Città Alta. Auf diesem Weg passiert man Palazzi aus dem 16. und 17. Jahrhundert, deren Fassaden noch immer von der einstigen Bedeutung dieser Gegend als Wohnviertel der Bergamasker Oberschicht zeugen.
Das Viertel lebt von einem bemerkenswerten Nebeneinander: Antiquitätenhändler und kleine Kunstgalerien wechseln sich mit Alltagsgeschäften und Trattorien ab, in denen Einheimische zu Mittag essen. Besonders entlang der Via Pignolo findet sich eine dichte Folge von Kirchen und Kapellen – darunter die Kirche Sant'Alessandro in Colonna mit ihren wertvollen Gemälden und die Chiesa di Santo Spirito, die Werke von Lorenzo Lotto beherbergt, einem der bedeutendsten Maler der venezianischen Renaissance. Diese Konzentration an Kunstwerken in einem einzigen Straßenzug ist selbst für norditalienische Verhältnisse ungewöhnlich.
Die Atmosphäre ist ruhiger und authentischer als in der vielbesuchten Oberstadt. Morgens öffnen Bars ihre Türen für den ersten Espresso der Stammgäste, nachmittags sitzen Ältere auf Bänken vor den Portalen alter Wohnhäuser. Wer sich die Zeit nimmt, die Seitenstraßen zu erkunden, entdeckt versteckte Innenhöfe und Treppengassen, die hinauf zur Stadtmauer führen. Borgo Pignolo richtet sich an Reisende, die Bergamo nicht nur sehen, sondern spüren wollen – an Kunstliebhaber, Architekturenthusiasten und alle, die einen Stadtteil schätzen, in dem das alltägliche Leben noch sichtbar ist.

Accademia Carrara
Gemäldegalerie mit italienischer Malerei vom 15. bis 19. Jahrhundert – Mantegna, Bellini, Botticelli, Raffael, Moroni und Lotto in einem klassizistischen Bau am Borgo Pignolo.
Eine der bedeutendsten Gemäldesammlungen Italiens