Wer Varenna kennt, denkt zuerst an die bunten Fassaden rund um die Piazza San Giorgio oder an die Blickachsen vom Castello di Vezio hinunter aufs Wasser. Olivedo aber liegt ein Stück abseits – nördlich des Ortskerns, dort wo die Uferstraße schmaler wird und der Trubel der Fähranlegestelle kaum noch zu hören ist. Dieser kleine Weiler gehört zwar zu Varenna, hat aber eine ganz eigene Stimmung: ruhiger, intimer, mit einem Rhythmus, der sich eher nach dem Kommen und Gehen der Fähren richtet als nach Reisebusplänen.
Das prägende Element von Olivedo ist der Seezugang. Der Anleger hier ist der Ausgangspunkt der Fähre, die Varenna mit Bellagio und Cadenabbia verbindet – eine der schönsten Kurzstrecken auf dem gesamten Lago di Como. Wer morgens früh hier steht, wenn das Licht noch flach über das Wasser streicht und die ersten Boote ablegen, versteht, warum Reisende schon im 19. Jahrhundert in Olivedo Station machten. Das Hotel Royal Victoria, eines der ältesten Häuser am Seeufer, erinnert noch heute an diese Epoche des klassischen Reisens.
Die Architektur des Weilers ist typisch für die Uferdörfer des Comer Sees: Steinhäuser mit grünen Fensterläden, schmale Gassen, die steil zum Wasser führen, und Gärten, in denen Zitronen- und Olivenbäume wachsen – der Name Olivedo ist kein Zufall. Zwischen den Häusern öffnen sich immer wieder Blicke auf den See und die gegenüberliegenden Berghänge der Grigne-Gruppe, deren Silhouetten sich je nach Tageszeit und Wetterstimmung völlig anders präsentieren.
Für Reisende, die das klassische Seeufer-Erlebnis suchen, ohne sich in Menschenmassen zu verlieren, ist Olivedo eine ernsthafte Alternative zum Ortskern. Die Lage direkt am Anleger bedeutet kurze Wege zu den Fähren nach Bellagio oder Menaggio, und gleichzeitig ist die Altstadt Varennas in wenigen Gehminuten erreichbar. Wer hier übernachtet, wacht mit Seeblick auf und frühstückt mit dem Geräusch von Wasser und Möwen – das ist kein Versprechen, sondern schlicht die Geografie.

Passeggiata degli Innamorati
Varennas berühmtester Uferweg – halb Steg, halb in den Fels gehängte Galerie – verbindet den Fähranleger mit dem alten Ortskern. Der „Weg der Verliebten“.
Varennas berühmtestes Postkartenmotiv am Wasser