Wer Venedig abseits der großen Touristenströme erleben möchte, findet in Santa Croce einen der eigenwilligsten und lebendigsten Stadtteile der Lagunenstadt. Das Sestiere liegt im nordwestlichen Teil der Stadt, grenzt direkt an den Bahnhof Santa Lucia und den Piazzale Roma – und ist damit oft das erste, was Reisende betreten, ohne es wirklich wahrzunehmen. Wer jedoch länger bleibt, entdeckt ein Viertel, das sich dem großen Trubel der Touristenachsen hartnäckig entzieht.
Die Calli und Campi von Santa Croce erzählen von einem Venedig, das noch funktioniert: Hier kaufen Einheimische beim Gemüsehändler am Campo San Giacomo dell'Orio, hier trocknet Wäsche über schmalen Kanälen, und hier sitzen am frühen Abend Venezianer vor den Bacari, kleinen Weinbars, die Cichetti – die venezianischen Tapas – zu Gläsern Spritz servieren. Der Campo San Giacomo dell'Orio selbst ist das soziale Zentrum des Viertels: ein unregelmäßiger, baumbestandener Platz mit einer der ältesten Kirchen der Stadt, deren Ursprünge ins 9. Jahrhundert reichen.
Am Canal Grande zeigt Santa Croce seine repräsentative Seite. Der Palazzo Mocenigo, heute ein faszinierendes Textil- und Parfummuseum, gibt einen ungewöhnlichen Einblick in das Leben des venezianischen Adels. Nicht weit davon entfernt liegt die Fondaco dei Turchi, das ehemalige Handelshaus der osmanischen Kaufleute, das heute das Naturhistorische Museum der Stadt beherbergt. Beide Häuser stehen für die kosmopolitische Geschichte Venedigs, die in Santa Croce besonders greifbar wird.
Das Viertel ist auch für Kunstinteressierte lohnend: Die Kirche San Stae am Canal Grande beherbergt Werke von Tiepolo und Ricci, und wer die kleinen Kirchen und Oratorien abseits der Hauptwege erkundet, stößt immer wieder auf kunsthistorische Überraschungen. Santa Croce ist kein Viertel für Eilige – es erschließt sich langsam, durch Umwege, zufällige Entdeckungen und die Bereitschaft, sich in seinen Gassen zu verlieren.

Castello Scaligero di Sirmione
Im 13. Jahrhundert von der Familie della Scala errichtete Wasserburg am Eingang von Sirmione: eine der besterhaltenen Festungen am Gardasee mit begehbaren Türmen.
Eine der besterhaltenen mittelalterlichen Wasserburgen am Gardasee