Häuser, die man über Nacht abbauen konnte wie aus einem Steuertrick der Grafen von Conversano ein Welterbe wurde
Die Trulli verdanken ihre Form einer List. Als die Grafen von Acquaviva aus Conversano ab dem 16. Jahrhundert Bauern im Eichenwald 'Silva Arboris Belli' ansiedelten, ließen sie ausschließlich ohne Mörtel bauen: Trockensteinhäuser, die sich bei einer Inspektion der königlichen Beamten rasch abtragen ließen – denn für eine genehmigte Siedlung wären Abgaben an die Krone von Neapel fällig geworden. So entstand eine ganze Stadt aus Provisorien, die niemals provisorisch waren: dicke Kalksteinmauern, darüber der Kragkegel aus grauen 'Chiancarelle'-Platten, gekrönt von einem Zierpinnakel.
Erst 1797 endete das Versteckspiel: Ferdinand IV. von Neapel erhob Alberobello zur freien Königsstadt, und mit der Casa d'Amore an der Piazza del Popolo durfte zum ersten Mal offiziell mit Mörtel und zwei Geschossen gebaut werden. Die Kegelbauten aber blieben – über 1.500 stehen heute noch, konzentriert im Rione Monti mit seinen rund 1.000 Trulli und im kleineren, bis heute bewohnten Rione Aia Piccola. Seit 1996 schützt die UNESCO das Ensemble als einzigartiges Beispiel einer Bauweise, die aus der Vorgeschichte in die Gegenwart überlebt hat.
Alberobello ist dabei kein Freilichtmuseum geblieben. In den Trulli wird gewohnt, gekellnert, geschlafen und Wein verkostet; auf den Kegeldächern leuchten weiße Symbole – Kreuze, Herzen, Sonnenräder –, deren Deutung zwischen Volksfrömmigkeit und Magie schwankt. Tagsüber schieben sich Reisegruppen durch die Via Monte San Michele, doch wer über Nacht bleibt, bekommt die Gegenleistung: leere Gassen im Morgenlicht, das Klappern der Espressotassen am Largo Martellotta und einen Sternenhimmel über tausend steinernen Zipfeln. travelperfect empfiehlt, mindestens eine Nacht im Trullo einzuplanen.
