Wer durch eines der alten Stadttore in Comos Città Murata tritt, wechselt nicht nur die Straßenseite, sondern die Zeitebene. Die mittelalterlichen Stadtmauern, die das Viertel noch heute fast vollständig umschließen, sind keine Kulisse, sondern gelebte Stadtgeschichte. Zwischen den engen Caruggi – den typischen Gassen der Oberitalienischen Altstädte – stapeln sich die Jahrhunderte: römische Grundrisse, mittelalterliche Türme, Renaissancefassaden und Barockkirchen stehen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander.
Das Herzstück des Viertels ist zweifellos der Dom, die Cattedrale di Santa Maria Assunta, dessen Bau im 14. Jahrhundert begann und erst im 18. Jahrhundert mit der markanten Kuppel abgeschlossen wurde. Direkt daneben erhebt sich das Broletto, das ehemalige Rathaus aus dem 13. Jahrhundert, mit seiner charakteristischen Arkadenreihe aus Granit. Wer früh morgens durch die Piazza del Duomo läuft, wenn noch kaum Touristen unterwegs sind und die Händler ihre Stände aufbauen, erlebt das Viertel in seiner ursprünglichsten Form.
Abseits der großen Plätze lohnt sich das Schlendern durch die Via Vittorio Emanuele II, Comos eleganteste Einkaufsstraße, die sich wie ein Rückgrat durch die Città Murata zieht. Hier wechseln sich lokale Boutiquen, alteingesessene Caffè und internationale Marken ab, ohne dass das Viertel seinen Charakter verliert. Die Basilica di Sant'Abbondio, etwas südlicher gelegen, ist ein romanisches Juwel aus dem 11. Jahrhundert, das selbst viele Stammgäste Comos noch nicht kennen.
Das Viertel ist gleichermaßen für Kulturinteressierte, Architekturliebhaber und Genießer geeignet. Wer in einem der Hotels innerhalb oder unmittelbar an den Mauern übernachtet, hat morgens den Dom vor der Tür und abends die Uferpromende am Comer See in wenigen Gehminuten Reichweite. Die Città Murata ist das kompakteste Argument dafür, Como nicht nur als Durchgangsstation zum See zu betrachten, sondern ihr eigene Zeit zu widmen.

Basilica di San Fedele
Romanische Basilika des 12. Jahrhunderts mitten in der Città Murata, bekannt für ihr archaisches Portal und den kleeblattförmigen Chor.
Romanische Basilika des 12. Jahrhunderts





























