Wer in Como die Funicolare Como-Brunate besteigt, tauscht in wenigen Minuten das geschäftige Treiben der Seestadt gegen eine ganz andere Welt ein. Brunate liegt auf rund 720 Metern Höhe und blickt auf den Comer See hinunter wie auf eine Landkarte aus Wasser und Bergketten. Die Fahrt selbst, mit der historischen Standseilbahn aus dem Jahr 1894, ist bereits ein Erlebnis: Rote Waggons gleiten durch üppiges Grün, dann öffnet sich das Tal und der See funkelt in der Tiefe.
Oben angekommen empfängt Brunate mit einer Stille, die in starkem Kontrast zur Lebhaftigkeit Comos steht. Enge Gassen schlängeln sich zwischen alten Villen und kleinen Pensionen hindurch, Blumenkästen hängen vor verputzten Fassaden, und gelegentlich bricht zwischen den Häusern der Blick auf das Wasser auf – unvermittelt und umso wirkungsvoller. Das Dorf hat sich seinen Charakter als Sommerfrische für die Comasker Bürgerschicht bewahrt: Viele der Häuser stammen aus der Belle-Époque-Zeit und zeigen noch heute ihre ursprüngliche Eleganz.
Das eigentliche Ziel der meisten Besucher ist der Faro Voltiano, der Leuchtturm zu Ehren des Physikers Alessandro Volta. Von der Aussichtsplattform des Turms reicht der Blick an klaren Tagen bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Alpen und über beide Arme des Comer Sees. Wer früh morgens kommt, erlebt das Panorama in zartem Morgenlicht, bevor der Tagesausflügler-Strom einsetzt. Ein anderer lohnender Weg führt vom Dorfzentrum zum Santuario di Sant'Agata, einer kleinen Wallfahrtskirche mit Fresken und einer Terrasse, die kaum jemand kennt.
Brunate ist kein Ort für ausgedehnte Shoppingtouren oder ein breites Restaurantangebot – und das ist seine Stärke. Wer hierher kommt, sucht Ruhe, Aussicht und das Gefühl, dem Trubel des Sees für einige Stunden entkommen zu sein. Wanderer schätzen die markierten Pfade, die von Brunate aus weiter in die Berge führen, etwa zur Alpe di Lenno oder mit geübten Beinen bis nach Torno am Seeufer. Das Dorf eignet sich sowohl für einen halben Tag vom Comer Ufer aus als auch für eine Übernachtung, wenn man den Sonnenuntergang über dem See in Ruhe genießen möchte.

Faro Voltiano
Achteckiger Leuchtturm von 1927 über Brunate, zu Ehren Alessandro Voltas errichtet – mit weitem Blick über See, Alpen und an klaren Tagen bis Mailand.
Achteckiger Leuchtturm von 1927 über Brunate