
◆ STADT · KANAREN
Schwarze Lapilli, die im Abendlicht violett schimmern, ein See in giftigem Grün am Fuß eines aufgebrochenen Kraters, Weinreben, die einzeln in trichterförmigen Mulden aus Vulkanasche wurzeln – Lanzarote ist die Kanareninsel, die man nicht durchquert, sondern liest. Der Künstler César Manrique hat seine Heimat zur begehbaren Skulptur gemacht und gleichzeitig vor dem Beton bewahrt. Heraus kam ein Reiseziel, das Mondlandschaft und mildes Frühlingsklima das ganze Jahr über zusammenbringt.

Zwischen 1730 und 1736 brach im Westen der Insel die Erde auf. Sechs Jahre lang spien über hundert Vulkane Lava und Asche, begruben ein Dutzend Dörfer und schufen jene Mondlandschaft, die heute den Timanfaya-Nationalpark bildet. Wenige Meter unter der Oberfläche herrschen noch immer mehrere hundert Grad – im Restaurant El Diablo am Islote de Hilario grillt man Hähnchen über einem offenen Schacht allein mit der Erdwärme. Was anderswo Katastrophe geblieben wäre, wurde hier zur Identität: Die Bauern lernten, im schwarzen Picón Wein und Feigen zu ziehen, und die Insel machte das Feuer zu ihrem Markenzeichen.
Der Mann, der Lanzarote prägte wie kein zweiter, war César Manrique. Aus New York zurückgekehrt, überzeugte der Maler und Architekt in den 1960er-Jahren die Inselregierung, hohe Hotelblocks und grelle Reklame zu verbieten. Stattdessen baute er seine Kunst direkt in die Vulkangeologie: Die Jameos del Agua und die Cueva de los Verdes liegen in einer kilometerlangen Lavaröhre des Monte Corona, der Aussichtspunkt Mirador del Río ist in die Steilküste hineingehauen, sein Wohnhaus in Tahíche – heute die Fundación César Manrique – sitzt in fünf erkalteten Lavablasen. Sein Credo arte-naturaleza, Kunst aus Natur, ist bis heute die DNA der Insel.
So kommt es, dass Lanzarote anders aussieht als jede andere spanische Ferieninsel: weiß getünchte Häuser mit grünen oder blauen Fensterläden, keine Leuchtreklame, kaum ein Gebäude höher als eine Palme. 1993 erklärte die UNESCO die ganze Insel zum Biosphärenreservat. Wer hier reist, bewegt sich durch eine Landschaft, die zugleich Naturwunder und kuratierte Komposition ist – und versteht schnell, warum Deutsche seit Jahrzehnten zu den treuesten Gästen zählen.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel







· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Vulkanroute
Vom Echadero de los Camellos hinauf zum Islote de Hilario: Hier demonstrieren Ranger die Erdhitze mit brennendem Reisig und kochendem Wasser, bevor die Ruta de los Volcanes im Parkbus durch eine reglose Lavawüste führt. Ein Stück weiter südlich liegt El Golfo mit dem giftgrünen Kratersee Charco de los Clicos und schwarzem Sand.
Manrique-Route
Ein Tag entlang der vier großen Lavakunstwerke: Jameos del Agua mit unterirdischem See und seltenen Blindkrebsen, die Konzerthöhle Cueva de los Verdes, der in die Klippe gehauene Mirador del Río mit Blick auf La Graciosa und der Jardín de Cactus mit über 4.500 Kakteen in einem alten Steinbruch.
Genussroute
Durch La Geria, wo jede Rebe einzeln in einem mit Steinwall (zoco) geschützten Aschetrichter wächst. In den Bodegas El Grifo und La Geria probiert man trockenen Malvasía Volcánica, dazu papas arrugadas mit mojo, gegrillten Ziegenkäse und fangfrische vieja in den Häfen von El Golfo und Arrecife.
Nordroute
Der weite Dünenstrand von Famara unter der Steilwand des Risco ist Lanzarotes Surfrevier. Im Hinterland liegt Teguise, bis 1852 Inselhauptstadt, mit dem größten Sonntagsmarkt der Insel. Von Órzola setzt die Fähre in 25 Minuten auf die autofreie Nachbarinsel La Graciosa über.
03 · Wann
Lanzarote kennt keine wirklich schlechte Jahreszeit: Der Nordost-Passat und der kühle Kanarenstrom halten die Temperaturen ganzjährig im Frühlingsbereich, Regen fällt fast nur zwischen Dezember und Februar und bleibt mit rund 120 Millimetern im Jahr überschaubar. Unterschiede liegen eher in Wind, Wassertemperatur und Besucherandrang.
04 · Häufige Fragen
Für seine Vulkan- und Mondlandschaften, allen voran den Timanfaya-Nationalpark, und für die in die Lavageologie gebauten Kunstwerke von César Manrique wie die Jameos del Agua. Dazu kommt das einzigartige Weinland La Geria, in dem Reben in Trichtern aus schwarzer Vulkanasche wachsen. Die ganze Insel ist UNESCO-Biosphärenreservat.
Dank des ganzjährig milden Klimas ist jede Jahreszeit möglich. Als angenehmster Kompromiss aus Temperatur und überschaubarem Andrang gelten Mai, Juni und Oktober. Der Winter ist mit rund 21 °C Europas mildeste Sonnenflucht, der Hochsommer bleibt durch den Passatwind meist unter 30 °C.
Per Direktflug zum Flughafen Arrecife (ACE), der offiziell den Namen des Künstlers César Manrique trägt. Die Flugzeit beträgt je nach Abflughafen etwa 4¼ bis 5 Stunden; mehrere Airlines fliegen ganzjährig nonstop ab großen deutschen Flughäfen wie Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg.
Für maximale Flexibilität ja: Die Highlights – Timanfaya, La Geria, die Manrique-Stätten im Norden und die Papagayo-Strände im Süden – liegen über die ganze Insel verteilt. Es gibt zwar ein Busnetz (guaguas) ab Arrecife zu den Küstenorten, doch viele Sehenswürdigkeiten erreicht man damit nur eingeschränkt.
Papas arrugadas, salzig gekochte Runzelkartoffeln mit roter (picón) und grüner Mojo-Sauce, dazu gegrillten Ziegenkäse (queso asado) und das Röstmehl Gofio. In den Häfen lohnt fangfrischer Fisch wie der Papageifisch vieja, und in La Geria der trockene Malvasía Volcánica aus den Vulkanböden.
Sehr. Die kleine, weitgehend autofreie Nachbarinsel im Norden erreicht man per Fähre vom Hafen Órzola in rund 25 Minuten. Sandpisten, einsame Strände und ein einziges Fischerdorf, Caleta de Sebo, machen sie zum ruhigen Gegenpol der Hauptinsel und zum schönen Tagesausflug.
05 · In der Nähe
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